Heute soll es in Sore, unserem heutigen Ziel, 35 Grad werden, darum sind wir um 6 Uhr wach und noch vor 7:30 Uhr unterwegs. Laut Track ist die Strecke heute ca. 66 km lang, ca. 30 km noch auf dem „Kanal Radweg“, wo wir gespannt auf die heutige Oberflächenqualität sind, dann etwas mehr als 20 km auf Bahntrassenradwegen und zum Schluss etwa 15 km auf der D Richtung Sore, wo es leider derzeit noch keine Alternative gibt.

Wir beginnen mit der Rückfahrt zum Kanal, fast der gleiche Weg wie gestern, nur der „Einfädelungspunkt“ liegt etwas weiter „vorne“. Und – Überraschung – es ist viel besser als gestern, teilweise wirkt der Belag noch nicht alt, er ist verhältnismäßig glatt und entschuldigt etwas für gestern. Also doch ein Thema des Départements Lot-et-Garonne? Da wir nicht wissen, wer für die Unterhaltung dieser Radwanderwege aufkommt, sind das natürlich Mutmaßungen.

Uns kann es egal sein, es fährt sich jetzt gut. Bis Castes-en-Dorthe können wir so noch die Strecke hier genießen, wobei wir durchaus Tempo machen um möglichst schnell am Ziel zu sein und nicht mehr so lange während des Sonnenhöchststandes unterwegs zu sein. Fotos sind hier selten, aber es ist halt auch wieder „nur“ Kanal, was unsere Leserschaft nun schon häufiger gesehen hat. Und es wird langsam auch wieder offener, die ehemals dichte Vegetation wird wieder offener, weniger Schatten.

In Castes weichen wir von der Route ab und sorgen für Verpflegung, danach weicht der Radweg selbst auch vom Kanal ab – denn es gibt hier Keinen mehr. Er wird bei Castres in die Garonne geleitet. Uns fällt erst jetzt auf, dass wir (eigentlich schon länger) auf einem „neuen“ Radfernweg unterwegs sind, dem EuroVelo 3 (EV), dieser ist schon seit vor Damazan auf der gleichen Strecke geführt. Um so trauriger ist der Zustand der Strecke im Département Lot-et-Garonne. Sei es drum, direkt hinter Castres führt unser Weg jetzt auf einem kleinen Wirtschaftsweg Richtung Langon, wo wir unterwegs am „Château des Jaubertes“ vorbeikommen, was für unsere Augen eher nach einem „Lost Place“ als nach einem noch genutzem Gebäude aussieht.

Es wurde um 1480 im extravaganten, gotischen Stil erbaut und wurde in den darauf folgenden Jahrhunderten mit Ausnahme des Eckturms umgebaut. Heute ist das Anwesen ein Weingut mit 24 ha, es wird Bordeaux Graves AOC produziert. Das Gebäude ist seit August 1978 für seine Fassaden, Taubenschlag und Dächer als historisches Denkmal aufgeführt (*).

Interessant wie man sich täuschen kann.

Etwas später erreichen wir schließlich Langon, eine gar nicht mal so kleine Stadt mit über 7.500 Einwohnern. Unser Track führt nun „mittendurch“, der uns bisher begleitende Radweg endet für uns nachdem wir auf einen Schotterweg abzweigen sollten – hier hat der Brouter alles richtig gemacht, auch wenn das bedeutet, dass wir uns nun in das „normal“ Straßengetümmel begeben müssen.

Aber das ist nur von kurzer Dauer, nahe des Zentrums ist dann ein recht großer Streifen für Radfahrer straßenbegleitend gebaut worden. Langon ist im Grunde eine „typische französische Stadt“, nicht richtig schön, aber auch nicht alt und heruntergekommen.

Beim Lidl haben wir dann noch schnell ein paar Sachen eingekauft und beim Einladen werden wir von einem jungen Mann auf unsere Räder angesprochen. Er erzählt, dass er sich in den Pyrenäen ein Fahrad, genauer ein Trike mit „Wohnanhänger“ hat „aufschwatzen“ lassen. Er fragt, wie weit wir so am Tag kommen und als wir sagen zwischen 25 und 90 km blickt er ein wenig traurig und meint, mit seinem Gefährt wäre die „Bestleistung“ 21 km am Tag gewesen. Als wir dann an seinem Gespann vorbeikommen, kann man auch erahnen, warum das so ist.

Bei solch einem Geschoss kann man das Gewicht durchaus erahnen, der hat ohne Motor mehr zu schleppen, als wir 2022…

Über den weiteren Weg auf dem Radweg kommen wir jetzt ganz smart zu unserem nächsten Routenabschnitt, den Bahntrassenradweg, der uns nach Saint-Symphorien führen wird. Dieser Radweg wurde auf (einem Teil) der ehemaligen Bahnstrecke Nizan-Luxey und wurde zum Teil bereits 1873 für den Personen- und Güterverkehr freigegeben. Die Strecke wurde zwischen 1951 und 1978 aufgegeben und wird jetzt als „Voie Verte“ als Bahntrassenradweg genutzt. Das damalige Ende der Strecke in Luxey liegt von uns aus gesehen noch hinter Sören – leider ist der Abschnitt zwischen Saint-Symphorien und Sore, der uns heute entgegenkommen würde, bislang nur in Planung.

Der erste Abschnitt des „Voie Verte“ wird bahnstreckenuntypisch recht kurvig geführt, dann geht es „wie gewohnt“ weiter, es rollt verdammt gut und wir machen Strecke. Und nach und nach verändert sich die Landschaft, es wird weniger Mischwald und immer mehr der typische Kiefernwald, wie wir ihn aus den Landes kennen mit dem typischen Kieferngeruch, herrlich, wir lieben das.

Wir passieren mehrere kleine Orte, in Villedraut

pausieren wir im Schatten in einem ganz schön angelegten Picknickbereich mit mehreren Bänken, Spielgeräten für Kinder und Sportgeräten für Erwachsene, ideal zum „Mittagpausieren“…

Nur noch wenige Kilometer weiter sind wir dann in Saint-Symphorien, wo der heutige Tag auf dieser guten Trasse endet, wir müssen auf die D220 nach Sore wechseln, etwa 15 Kilometer und, wie in den Landes üblich, lange Strecken gerade aus. Also Motoren hoch und mit fast 25 km/h Sore entgegen, nach einigen Kilometern bekommen wir durch ein Schild am Straßenrand die offizielle Bestätigung, das wir jetzt im Département Les Landes sind. Die Sonne ist heute unerbittlich und es gibt keinen Schatten, zum Glück weht ein ganz leichter Wind. Irgendwie will diese unendliche Strecke scheinbar gar nicht enden, endlich nach ca. 40 Minuten erreichen wir das Ortsschild. Eigentlich wollten wir am kleinen Supermarkt am Ortseingang noch unser Abendessen kaufen, doch Der macht bis 15 Uhr Pause – also später noch einmal hin.

Den letzten zwei Kilometer durch den Ort erledigen wir nun schnell, nicht ohne feststellen zu müssen, dass der Bäcker, wie auch 2022, Urlaub macht. Irgendwie klar, denn wir sind fast zur gleichen Zeit hier. Zum Glück liegt dann morgen dann der Supermarkt auf dem Weg. Sore ist ein eher kleines Dorf mit seinen ca. 1200 Einwohnern in der gesamten Gemeinde. Der Ort selbst existiert offensichtlich schon länger, die Kirche im Dorf und eine Mühle stammen aus dem 12 Jahrhundert (*).

Außerdem gibt es den Campingplatz „Aire naturelle de Camping Sore“, den wir 2022 auf unserer Fahrt durch die Landes als Zwischenstation genutzt haten. Der Platz sieht noch genauso aus … wie wir ihn 2022 verlassen haben … hätte ich fast gesagt, aber im Grunde ist es auch so.

Die Entscheidung die 15 Kilometer Umweg in Kauf zu nehmen um hier erneut zu übernachten erscheinen irgendwie irrational, aber als ich gesehen habe, dass der Bahnradweg so „nah“ vorbeiläuft, musste ich den Platz einfach mit in die Tourplanung aufnehmen. Nennt es sentimental, nennt es „nostalgisch, nennt es einfach bekloppt, mir egal, nicht für alles braucht man eine logische Erklärung. Außerdem ist der Platz günstig, auf dem Platz in Saint-Symphorien, wo wir vorhin vorbeigekommen sind, hätten wir das dreifache bezahlt.

Im Gegensatz zu 2022 sind wir jetzt aber tatsächlich nicht alleine, auf zwei „Plätzen“ stehen Campervans, man die ursprünglich geplante Einteilung der 16 Plätze heute nur noch erahnen kann, darum in „“. Wir richten uns in der Nähe „unseres“ Platzes von 2022 ein. Gegen Abend taucht noch ein weiteres Paar in einem Camperbus auf, die sich auch einrichten, damit ist der der Campingplatz quasi zu ¼ ausgebucht. Vielleicht hat das damit zu tun, dass wir 2022 dafür gesorgt haben, dass der Platz überhaupt im großen Internetkartendienst auftaucht?

PS: dieser Bericht enthält zum Teil Informationen aus Wikipedia (durch * gekennzeichnet)

Reisetag 26 (+ 8 Ruhetage)
Tagesstrecke: 76 km
Tourstrecke 1607 km
Pannen: keine
CP Kosten: 10,18 €

Sore (17.06.2026)

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