Dies war auf unserer Reise die letzte Nacht in Frankreich, in etwa 10 km Entfernung beginnt Belgien. An einem Tag ist Belgien für uns nicht zu durchfahren, geplant ist es heute bis „Bredene“ zu kommen, was etwa 58 km Wegstrecke bedeutet. Wir packen zusammen und machen uns auf den Weg, wie auch in den letzten Tagen sind wir gegen 9 Uhr auf der Bahn. Da es heute Nacht wieder geregnet hat, muss ich aber ersteinmal das Zelt trockenlegen, bevor wir es verpacken können, derweil räumt Marion innen die Sachen in die Taschen. Und wie so oft in letzter Zeit sind wir trotz dessen, dass keine Hitze mehr zu erwarten ist, wieder um 9 Uhr herum unterwegs.
Zunächst geht es wieder an den EuroVelo 4 zurück und noch ca. 2 km weiter zum Einkaufen, weil wir noch ein paar „französische Dinge“ besorgen wollen. Anschließend rollen wir Richtung Belgien, die letzten Orte in Frankreich sind „Zuydcoote“ und „Bray-Dunes“, das Wetter zeigt sich auch von seiner besseren Seite, es macht wieder Spaß zu fahren. Dann ist die Grenze erreicht, man erkennt hier noch deutlich die alten Grenzanlagen. An dieser Stelle wird dann mein Rad umgeflaggt, die französische Flagge runter, die Belgische wird gehisst, dann geht es weiter.

Der EV4 wird einige Kilometer nach der Grenze bei „Adinkerke“ an die Küste geführt Richtung „De Panne“, „Sint-Idesbald“, „Koksijde“ und wir müssen hier schon feststellen, dass uns die belgische Küste überhaupt nicht gefällt: die gesamte Küstenlinie der Orte ist mit Hochhäuser zugebaut, davor eine breite, zugepflasterte Promenade führt und dann noch der Strand und so geht das Ort an Ort an Ort teilweise unterbrochen von wenigen freien Flächen zwischen den Orten, wenn sie nicht sowieso ineinander übergehen. Nur in wenigen, kurzen Abschnitten, z.B. hinter „Koksijde“ führt der Radweg dann mal durch natürlichere Umgebungen, da ist auch das „Eseltitelbild“ entstanden.

Aber im Großen und Ganzen ist es für uns wirklich ein schreckliches Bild

und dass der Radweg hier komplett auf der Promenade zwischen den flanierenden Menschen geführt wird, macht es nicht besser. Jetzt nach der Saison ist hier ja wenig los, wir stellen uns vor, wie es in der Hauptsaison aussieht – dann kommt man wahrscheinlich nur noch in Schrittgeschwindigkeit voran und weicht genervt auf die hinter der Häuserreihe liegende Straße aus, was aber auch keine schöne Alternative ist.
Bei „Niewpoort-Bad“ soll eigentlich eine kleine Fähre über das Hafenbecken führen, aber als wir dort ankommen ist von der Fähre nichts zu sehen. Am Anleger ist auch nicht wirklich abzulesen, wann wieder Betrieb ist und so entschließen wir uns das Hafenbecken zu umfahren, der EV4 hat dort auch eine Alternativroute. Das bedeutet zwar einen längeren Umweg, aber was soll’s. Unschön ist allerdings der gepflasterte Weg, der nach „Niewpoort“ führt, gut rollen geht anders.
In „Niewpoort“ müssen wir dann auch noch eine umständliche Verkehrsführung über die dort befindliche sternförmige Schleusenanlage über uns ergehen lassen – statt die Radfahrer einfach einmal links abbiegen und zwei Straßen überqueren zu lassen müssen wir einen großen Kreis über die Schleusen und über 6 (!) Straßen hinweg um in die gewünschte Richtung zu kommen.
Wie dem auch sei, bald sind wir wieder auf unserem Track und rollen zurück zur Küste, wieder über die Promenade von „Westend-Bad“ und „Middelkerke-Bad“ weiter in Richtung „Ostende“. In „Ostende“ gibt es dann wieder eine Fähre über das Hafenbecken, die auch gerade die Fahrgäste aufnimmt. Zum Glück sind noch ein paar der wenigen Fahrradplätze frei

und wir können mitfahren – die Fahrt ist übrigens kostenlos.
Auf der anderen Seite kommt dann noch einmal etwas Frust auf: die Route des EV4 verläuft über eine Schleuse, die aber für uns zu eng ist. Zu allem Überfluss wurde dann der sowieso schon knappe Platz noch durch weitere Einengungen verschmälert. Das ist selbst für bepackte Aufrechträder schon sportlich. Wir suchen uns einen Alternativweg, der auch wieder einen nicht ganz kurzen Umweg bedeutet.
Zum Glück ist es, nach dem wir den Track wieder erreichen nur noch eine kurze Wegstrecke bis zum Campingplatzgebiet. Es ist hier wirklich ein quasi in sich geschlossenes „Gebiet“ in dem sich mehrere (bestimmt über 10) Campingplätze befinden.
Beim Ersten, den wir anfahren, steht schon das Schild „complet“ in der Zufahrt. Beim Nächsten gibt es nur Mobilheime, der Dritte will keine Fahrrad-Reisenden – wenn das so weitergeht wäre es fatal, wir haben schließlich dank der Umwege wieder einmal nahezu 70 km auf der Uhr. Aber wir haben Glück, der Platz „Duinezand“ hat Plätze frei und wir können uns anmelden.
Wegen des inzwischen unbeständigeren Wetters – es soll wieder Regen geben – bauen wir zunächst sofort das Zelt auf um unsere Taschen usw. unterstellen zu können. Aber wir haben Glück, es bleibt zunächst trocken. Das Wetter ist auch der Grund, warum wir jetzt Abends meistens essen gehen. Wir haben keine Lust vorher groß einkaufen zu gehen und dann möglicherweise im Zelt kochen und essen zu müssen. So geht es auch heute Abend wieder in ein Lokal und während wir drinnen im Lokal essen regnet es draußen, offensichtlich war es wieder einmal die richtige Entscheidung.
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 69 km
Insgesamt geradelte Reise: 3900 km
Platten: 5
