Heute morgen haben wir zum ersten Mal das Zelt nicht trocken bekommen. Es muss zum Einen eine sehr feuchte Nacht gewesen sein und zum Anderen ist der Boden offensichtlich sehr nass – die Erde an den herausgezogenen Heringen sieht jedenfalls so aus. Da es noch länger dauern würde, bis die Sonne es getrocknet hätte, haben wir es heute einfach abgebaut und eingepackt und sind so um 10:30 Uhr losgekommen. Die geplant Etappe heute sollen 55 km sein, Ziel ist der Campingplatz in „Gergy“.

Kaum zu glauben, aber heute sind wird schon einen ganzen Monat von zuhause weg und wir fühlen uns pudelwohl dabei. Es fühlt sich richtig gut an!

In „Saint-Jean-de-Losne“ sind wir dann noch etwas herumgeirrt, weil alle Straßen vom Campingplatz zur „Hauptstraße“, die wir zurück zum EV6 erreichen mussten, Einbahnstraßen sind. Letztlich erreichten wir dann nach einem kleinen Umweg die Brücke über die Saône und direkt danach den Eurovelo 6.

Insgesamt muss man leider sagen, dass die 3 Orte bei Losne ziemlich heruntergekommen wirken. Die Orte selbst sind nicht unbedingt schön anzusehen, die Straßen kaputt, geflickt, gesplittet – nicht gut zu fahren. Und die schlechten Wege verfolgen uns dann noch relativ viele Kilometer an der Saône entlang, nein, ehrlich gesagt wird es immer schlimmer. Dieser Abschnitt ist bislang der schlimmste Teil des gesamten EV6, den wir bisher befahren haben. Wir haben gescherzt, dass das Département Côte-d’Or (= Goldküste), wie dieses Department heißt, mit seinem Geld besser statt die „Küste“ zu vergolden, die Wege mal überarbeiten um den Radtourismus zu fördern – vermutlich fehlten diesen Départements aber schlicht und einfach das Geld, da hilft auch der Name nicht…

Bei „Pagny-le-Château“ entschliessen wir uns deshalb vom Track abzuweichen und eine Abkürzung am dortigen Kanal zu nutzen. Dort steht zwar ein „Durchfahrt verboten“-Schild („roter Kreis“), da aber direkt vor uns auch andere Radfahrer dort eingefahren sind, wird es auch von uns ignoriert. Der Belag ist zwar auch hier nicht Spitzenklasse, aber schon mal besser, als der Weg zuvor. Außerdem sparen wir dadurch gut 5 km ein und wer weiß, wie es weiter auf der Original-Route aussieht…

Bei „Seurre“ treffen wir dann wieder auf unseren Track und folgen ihm weiter.

Ab hier wird es auch etwas besser, „es rollt wieder“. Landschaftlich ist es bislang bei weitem nicht mit der tollen Landschaft am Doubs oder im Jura zu vergleichen, Fotomotive sind seltener, was aber nicht heißen soll, das es nur noch langweilig ist.

Bei „Chazelle“ verlässt der Radweg dann die Saône ins Landesinnere und überquert bei „Mont-lès-Seurre“ – treffenderweise – die mehr oder weniger einzigen nennenswerten Höhenmeter der heutigen Strecke. Da der Weg hier über eine Landstraße geführt wird und die Oberfläche einigermaßen glatt, ist das aber verglichen mit den Vortagen „ein Klacks“ und hinter dem Ort fällt es recht sanft wieder ab, so dass wir über eine längere Strecke richtig Fahrt aufnehmen können bis kurz hinter „Charnay-lès-Chalon“. Die Landschaft wechselt auf „Ostfriesland“, kein Gefälle, aber auch keine Steigungen mehr, wir müssen wieder mit etwas mehr Kraft treten.

Bei „Saunières“ treffen wir dann wieder auf den „Doubs“, für eine kurze Strecke fahren wir wieder an seinem Ufer entlang. Am Ortsende wird der Fahrbahnbelag dann wieder deutlich extremer, der Straßenbelag wechselt auf Bremsasphalt schlimmster Sorte – Marke „geklebter Schotter“ – die Leichtigkeit ist wieder dahin. Das geht so weiter bis „Les Bordes“, wo uns eine kleine Überraschung erwartet: hier hat die Gemeinde einen hübschen Rastplatz gebaut, bei dem es sogar eine Trockentoilette gibt. Das gab es bislang noch nie und wir nutzen die Gelegenheit für eine Rast.

Die anschließende Brücke führt uns wieder über den „Doubs“ und hier gilt: „Sag beim Abschied leise Servus“, denn nur wenige Flussmeter weiter mündet er in die Saône. Auf der anderen Seite der Brücke liegt „Verdun-sur-le-Doubs“ direkt am Mündungsdelta, ein kleiner, netter Ort. Am Ortsende will sich der EV6 dann mit uns versöhnen und wir bekommen wieder einen gut fahrbaren Belag, auf dem wir die letzten Kilometer bis Gergy dahinfliegen, auf den letzten Metern dann noch einmal mit fiesen kleinen Auf- und Abstiegen an der Uferböschung, die nochmal Körner kosten.

Der Campingplatz in Gergy liegt auch direkt an der Saône und ist einer der einfacheren Art. Dafür sehr preiswert, da muss man wohl Abstriche machen. Die Sanitäranlagen sind zwar sauber aber ziemlich alt und Toilette und Dusche ist nur jeweils einmal vorhanden. An allen Waschmöglickeiten bis auf die Dusche bekommt man nur kaltes Wasser. Für eine Nacht OK, aber Urlaub hier machen? Never!

Wir gönnen uns nach dem (selbstzubereiteten) Abendessen noch ein (teures!) Bier aus dem direkt angeschlossenen Restaurant und planen die nächste Etappe.

Etwas Statistik

Zurückgelegte Tagesetappe: 50 km

Insgesamt geradelte Reise: 919 km

Platten: 2

Gergy (01.05.2022)

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