Etwas gerädert auf Grund wenig Schlafs haben wir heute Morgen gefrühstückt, gepackt, bezahlt und uns auf den Weg nach Karlsruhe gemacht. Heute stehen etwas über 54 km auf dem Plan, also in etwas so viel, wie die Tage 2, 3 und 4 – jetzt allerdings unter völlig anderen Bedingungen. Es ist sonnig, schon bei der Abfahrt über 10 Grad warm, es fühlt sich alles so viel besser an. Zur Sicherheit nehme ich nach 10 km noch eine Schmerztablette, obwohl es meinem Knie inzwischen deutlich besser geht – aber bei der Streckenlänge will ich nichts riskieren. Ich weiß, einige werden schreien, zetern, das tut man nicht usw.. Aber für mich ist das in dieser Situation das einzig Richtige…
Heute dachten wir, da wir am Anfang unserer Strecke, etwa zwischen Brühl und Phillipsburg auf dem „Rheinradweg“ unterwegs seien und habe uns zumindest auf 10 km autofreies Radeln gefreut. Aber der größte Teil ist wieder zweispurige Landstraße, teilweise mit begleitenden Feldwegen Radwegen mit unnötig körnerfressenden Höhenmetern. Fernradweg – pah.
Ein Teilstück führt uns dann bei Rheinhausen tatsächlich auf einem Deichweg entlang, rechts liegt eine größere Weißstorchkolonie, sehr hübsch, so müsste es die ganze Zeit sein. Aber schon ein kurzes Stück weiter geht es wieder an die Landstraße, weiter in Richtung Philippsburg, Graben-Neudorf, Friedrichstal. In Friedrichstal führt uns unser Weg dann über den schönsten Abschnitt dieser Etappe, zunächst am Waldrand und dann ein langes Stück direkt durch den Wald und alles über befestigte Oberflächen – sehr angenehm!

Im anschließenden Ort Blankenloch erleben wir dann eine sehr unangenehme Erfahrung, weil wir uns mal wieder Autofahrerfreundlich auf dem bis dahin ganz annehmbaren Radweg verkrümelt hatten. Plötzlich trennte sich die Fahrbahn vom Radweg ab, kein Wechsel mehr möglich. Und dann eine superenge 90 Grad Kurve auf dem sowieso schon schmalen, durch Gitter links und recht eingezwängten Radweg.
Damit nicht genug: direkt dahinter Bahnschienen und auf der anderen Seite ein Drängelgitter, welches seinen Namen absolut verdient hat. Selbst mit einem Aufrechtrad schon eng, mit einem Anhänger schwierig, aber mit unseren Lastesel-Trikes nicht ohne umsetzen zu umfahren und selbst das nur mit Mühe. Während ich mich durchzwänge steht Marion direkt hinter mir mit ihrem Trike auf den Schienen. Wer plant sowas????
Mit einigen Mühen überwinden wir die Katastrophe und ich hätte dem Planer für eine solche Schikane am liebsten auf der anderen Seite auf meine Trike gesetzt und dann bei annäherndem Zug über die Anlage geschickt! Was denken sich solche Menschen wohl dabei, wenn sie sowas planen. Wir werden zukünftig innerorts noch weniger Radwege nutzen, weil man nie weiß, was man sich einhandelt.
Der Rest der Strecke dann unspektakulär aber schön, ein Stück durch den Ort, dann verkehrsarm über Wirtschaftswege durch Felder, Wiesen bis zum Lichtbund Karlsruhe.

Der Naturisten-Verein hat mit 6 ha ein deutlich größeres Gelände, welches auch außerhalb der Stadt angesiedelt und dadurch deutlich ruhiger ist. Aber auch hier führt in relativer Nähe eine Autobahn vorbei. Trotzdem kann man sich sehr wohl fühlen, was offensichtlich auch viele andere so sehen: der Lichtbund Karlsruhe hat lt. Webseite 800 Mitglieder.
Auf der Zeltwiese können wir uns einen Platz aussuchen, wir entledigen uns unserer Radklamotten, bauen das Zelt wieder auf (was wir in den nächsten Wochen ziemlich oft machen werden) und trinken gemütlich einen Tee in der Sonne.
Morgen ist wieder ein Ruhetag eingeplant, wir werden einkaufen fahren (Ostern steht vor der Tür) und dann einfach wieder Pause machen, den Blog wieder auf aktuellen Stand bringen usw.. Und am Sonntag geht es dann weiter, auf der Etappe überschreiten wir dann das erste mal die Landesgrenze nach Frankreich und ich muss am Trike „umhissen“.
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 55 km
Insgesamt geradelte Reise: 330 km
Platten: 2
