Es soll erneut heiß werden und so sind wir um kurz vor 9 Uhr wieder ohne Frühstück am Platz unterwegs. Nur ein „Pain au chocolat“ vom Bäckerwagen, der direkt auf dem Campingplatzgelände verkauft, haben wir auf die Schnelle verdrückt. Für später sind dann noch 2 Baguettes mit am Start..

Unser heutige Ziel ist „La-Tranche-sur-mer“, es geht also wieder zurück an die Atlantikküste. Der größte Teil der knapp 44 km ist wieder der EuvoVelo 1, nur an einer Stelle optimiert, wo wir eine große Schleife abkürzen, was uns ca. 6 km Weg spart.

Zunächst geht es zurück in den Ort um zum Radweg zurückzukommen, dann führt der EV am Kanal „Maritime de Marans á la mer“ entlang, fein bis grob geschottert – soweit so gut/schlecht – aber teilweise mit hohem Gras Mittelstreifen bewachsenem, so dass für uns wieder einmal kein vollständiger Fahrstreifen zur Verfügung steht – ein Rad muss immer durchs Gras pflügen, links oder rechts – das kostet wieder richtig Körner und geht über ca. 6 – 7 km so.

Leider wird es auch anschließend nicht unbedingt gleich besser, weil der Weg auf einem Deich ebenfalls nur mit Kalkschotter belegt ist. Das könnte man eigentlich ganz gut fahren, weil sich die Oberfläche recht gut verdichtet und oberflächig recht glatt wird, wenn man nicht immer wieder gröberen Kalkschotter auf der festgefahrenen Oberfläche hätte. So macht es keinen Spaß.

Es geht durch Felder und Wiesen, ich kann hier keine Orte nennen, denn es gibt schlicht Keine, so ein wenig hat das hier was von „Ostfriesland“.

Im weiteren Verlauf wechseln sich Asphalt und Kalkschotter ab und dann kommt noch der Hammer: wir müssen eine alte Brücke überqueren, wo ein noch bewohntes Haus daneben steht (bei OpenStreetMap heißt die Ecke „Les Portes du Châpitre“). Das an sich wäre ja halb so wild, aber die Besitzer des Hauses haben den Radweg durch Pflanzen, Äste usw. soweit von ihrem Grund abgetrennt, dass für die Radfahrer nur ein superschmaler Übergang zur Brücke bleibt, wo wir wirklich gerade so eben entlang passen – und unsere Räder sind nicht viel breiter als ein Aufrechtrad mit ebenso großen Packtaschen. Der Weg fällt obendrein auch noch leicht schräg zum Wasser ab. Bei Regen und schmieriger Oberfläche möchte ich hier selbst mit einem Aufrechtrad nicht entlang müssen.

Wir quetschen uns auf dem Weg soweit rechts fahrend wie es irgendwie geht zum Wehr entlang, dass die Pflanzen leider leider leiden müssen (tut uns wirklich, wirklich leid – nicht) und können dann unsere Fahrt normal fortsetzen.

Warum tut man sowas? Sei es drum…

Nach einiger Zeit kommen wir dann bei Saint-Michel-en-l’Herm an die Stelle, wo wir abkürzen wollen und wir auf die D wechseln. Dann geht es direkt nach „L’Aigullon-sur-mer“ rüber, wo wir wir im Schatten großer Bäume auf einem offensichtlich kaum noch genutzten Bouleplatz an einer Picknickbank unsere Mittagspause mit Tee und Baguette machen. So lässt es sich leben!

Etwas weiter treffen wir dann wieder auf den EV1-Radweg, den wir dann auch wieder nutzen. Im weiteren Verlauf führt er dann parallel zu einer großen, vielbefahrenen D, allerdings durch einen großen Wall getrennt, so dass es nicht ganz so laut ist. Völlig unspannend unspektakulär, es wird immer heißer und die Fahrt langsam unangenehm, weil die Strecke überhaupt keinen Schatten bietet und die Sonne direkt von vorne kommt. Teilweise könnte man meinen, der Wind kommt aus einem Fön.

Um kurz vor 14 Uhr sind wir dann endlich am Campingplatz municipal „Le Vieux Moulin“. Dort steht ein Schild vor der Rezeption (die noch geschlossen hat), dass der Platz voll ist und nur noch „vélos“, also Radreisende, angenommen werden. Um 14:30 Uhr öffnet die Rezeption und wir erfahren, dass es nur noch einen einzigen Platz gibt, der an der Straße liegt.

Uns ist das egal und wir nehmen ihn. Wie auch die letzten Tage, stellen wir erst nur die Räder ab und ruhen uns aus um runterzukühlen. Unser Platz ist zwar noch recht laut, aber in der Nacht wird es erfahrungsgemäß immer ruhiger. Da wir durch die Hitzefahrt ziemlich fertig sind, beschließen wir, dass das restliche Baguette für heute unser Abendessen werden wird und wir nicht mehr rausgehen.

So schön das Wetter auch ist, langsam wird es anstrengend jeden Tag bei den Temperaturen zu fahren. Bei 30 Grad und mehr irgendwo möglichst weit unbekleidet im Schatten zu verbringen ist ganz sicher noch erholsam. Aber permanent über den heißen Asphalt ohne Schatten zu düsen ist es irgendwann nicht mehr.

Und so sind wir denn auch heute Abend wieder früh im Zelt verschwunden, anfangs nervt der Lärm von der Straße tatsächlich noch etwas, aber wir sind dann doch recht schnell eingeschlafen und etwas später, beim ersten nächtlichen Aufwachen, ist es dann sehr ruhig auf dem ganzen Platz.

Etwas Statistik

Zurückgelegte Tagesetappe: 44 km

Insgesamt geradelte Reise: 2652 km

Platten: 5

La-Tranche-sur-mer (02.08.2022)

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