Jetzt ist die Ruhezeit in Clos Marot schon wieder vorbei, drei Tage sind leider irgendwie auch nichts. Aber es hat sich gelohnt, der durch den Verein „ANCA“ geführte Campingplatz war auf jeden Fall die Anreise wert. Wir haben etwas Ruhe gefunden und jetzt geht es in 4 Etappen weiter in den Norden durch die Bretagne zum Naturisten-Campingplatz „Pallieter“ in der Nähe von „Plancoët“.
Die Tagestemperaturen um oder knapp über 30 Grad sind uns die drei Tage erhalten geblieben, aber hier auf dem Platz durchaus auszuhalten. Aber uns graut schon etwas vor den kommenden 4 Tagen, es soll sich bis zum Wochenende auf 35 Grad steigern. Das wir kein Spaß zumal uns auch einige Höhenmeter erwarten. Darum haben wir auch die Anzahl der Zwischenstationen von 3 auf 4 erhöht um die Tageskilometerleistung zu verringern. Die heutige Etappe soll uns in den kleinen Ort „Le Guerno“ führen, bis dahin sind es etwa 37 km.
Wir verabschieden uns um kurz vor Neun von der Dame, die den Empfang führt und einige Fragen von anderen Gästen wollten auch noch beantwortet werden, dann sind wir wieder auf der Straße. Der erste Teil der Strecke führt uns über die gleichen Wege bis „Saint Molf“ wie bei der Anreise. Dann drehen wir „links“ ab und es geht Richtung „Pont d’Armes“, „Assérac“, überqueren zwischen „Camoël“ und „Arzal“ den Fluss „La Villaine“. Danach bekommen wir dann den ersten Anstieg, was anschließend zu einer schnellen Abfahrt führt.

Inzwischen wird es auch sehr warm, zum Glück ist ein größerer Teil der Strecke heute im Schatten von Bäumen, so lässt es sich noch einigermaßen aushalten. Bis „Le Guerno“ führt uns der Brouter nun über kleinere Nebenstraßen, so dass zumindest die „gestressten“ Autofahrer einem nicht mehr im Nacken sitzen (obwohl man sagen muss, dass wir bisher weitestgehend gute Erfahrungen mit den französischen Fahrern hatten, kaum Drängeleien, keine Hupereien, ganz anders als in Deutschland, viel angenehmer. Aber gerade weil sich die Straßen hier in der Gegend hoch und runter schlängeln und zumindest hier teilweise ziemlich schmal sind, ist es schon gut, dass hier sehr wenig Verkehr herrscht.
Was uns inzwischen auffällt, ist der veränderte Baustil hier in der Bretagne. Er ähnelt sich sehr dem was uns mehr als „englischer Baustil“ bekannt ist: zwei Schornsteine an den Giebelseiten und kein Dachüberstand. Außerdem oft auf unregelmäßigen „Feldsteinen“ gemauert, sehr markant. Und mittlerweile prägen Laubbäume die Landschaft, vor allem Eichen. Aber auch hier macht sich die Trockenheit stark bemerkbar, nicht so schlimm wie zuvor, aber das Grün der Straßenseiten ist mehr braun, überall fallen schon Blätter von den Bäumen, man merkt, alle Pflanzen stehen unter Stress…
Wir erreichen den Camping municipale „De Borg Nehué“ um 13:30 Uhr, leider ist das Tor verschlossen. Die Anmeldung ist erst ab 14 Uhr besetzt. Wir könnten zwar an der Seite durch den Fußgängereingang rein, beschließen aber im Schatten von Bäumen zu warten.
Nach einigen Minuten fährt dann ein älterer Mann mit seinem Fahrrad auf uns zu und spricht uns an. Wie sich herausstellt ist er selbst Radreisender (gewesen?) und erzählt uns von seinen Touren. Wir können uns in einer Mischung aus französisch, englisch und ein paar Brocken deutsch mit ihm verständigen. Er erzählt, dass er inzwischen 71 Jahre alt ist, und schon an der Küste Richtung Niederlande, Deutschland, Dänemark gefahren ist und viele andere Touren gemacht hat.
Dann spricht er uns eine Einladung zu sich nach Hause aus, wir könnten bei ihm im Garten übernachten und bei ihm duschen und auch mit seiner Familie essen – unter dem Vorbehalt, dass seine Frau zustimmt. Er erklärt, dass er jetzt fragen geht, ob sie einverstanden ist (was wir rausgehört haben ist, dass das Haus schon ziemlich voll ist, weil Kinder und Enkelkinder da sind).
Nach einigen Minuten taucht er wieder mit dem Fahrrad aus und erklärt uns, dass seine Frau es nicht möchte, weil schon soviel Besuch da ist. Wir erklären ihm, dass es für uns kein Problem ist und er verabschiedet sich.
Schon wieder eine interessante Erfahrung!
Um 14 Uhr kommt dann die Dame der Rezeption und öffnet uns das Tor. Wir melden uns an und suchen uns einen schattigen Platz aus. Der Platz ist recht gepflegt, die sanitären Anlagen neu und relativ sauber. Es passt alles und der Preis ist günstig.
Da es so heiß ist, haben wir keine Lust zu kochen und gehen Abends in die örtliche Pizzeria essen. Auch hier können wir nur Bestes berichten. Das Paar, welches die urige Pizzeria führt, hat richtig Spaß an der Arbeit und die Pizza war richtig gut.


Anschließend machen wir noch einen kurzen Gang durch den Ort.

Das „Zentrum“ (wenn man hier vom Zentrum sprechen kann) ist größtenteils renoviert und sieht ebenfalls „urig“ aus, weil der Baustil der Gegend wieder richtig zur Geltung gebracht wurde – ein wirklich schöner Ort.
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 37 km
Insgesamt geradelte Reise: 2901 km
Platten: 5
