Bevor ich über den heutigen Tag berichte möchte ich noch einen kurzen Rückblick geben, denn während unseres Aufenthaltes haben wir noch eine recht unangenehme Erfahrung machen müssen. Wir saßen auf „unserer“ Terrasse, als wir plötzlich Brandgeruch und leichten Rauch im Wald bemerkten. Bei uns klingelten alle Alarmglocken, ein Feuer im Wald ist so ziemlich das Schlimmste, was einem hier widerfahren kann. Da bislang keine Durchsagen oder sonstige Alarmierungen zu hören sind, beschließen wir ins Zentrum zu fahren in der Hoffnung, dort Näheres zu erfahren.
Auf dem Weg dahin begegnen uns etliche PKW mit Wohnwagen, die offensichtlich das Gelände verlassen wollen. Auf dem „Marktplatz“ angekommen hören wir dann zufällig eine Erklärung eines Security-Mannes, der erklärt, dass es auf einer Deponie im Nachbarort brennt und dass aktuell keine Gefährdung für Euronat besteht. Dann sehen wir auch am Himmel die dunkle Rauchwolke.

Nicht so richtig beruhigt fahren wir wieder zurück an die Wohnung, ständig mit ungutem Gefühl in der Magengegend.

Es passiert dann glücklicherweise nichts weiter, aber die Nacht war für uns sehr unruhig. Wir mögen gar nicht daran denken, wenn plötzlich 15.000 Menschen evakuiert werden müssen.
Ansonsten haben wir die Zeit hier im „Euronat“ sehr genossen, haben einige Male unsere geliebten Strandspaziergänge gemacht und viel gefaulenzt.

Tja und heute ist es dann so weit – wie schnell dann doch drei Wochen vergehen – heute ist der Tag der Abreise aus „Euronat“.
Ein letztes Mal kann ich ohne Klamotten zum Bäcker fahren, ein letztes Mal gibt es das leckere „Pain“ sowie 4 Müsli-Brötchen als Wegzehrung. Letztere sind hier übrigens wirklich richtig lecker! Die Abnahme des Ferienhauses läuft ohne Probleme, kein Wunder, wir haben die „Bude“ deutlich sauberer gemacht, als wir sie übernommen haben. Um kurz nach halb zehn sind wir dann wieder mit unseren Rädern unterwegs. Unser Ziel heute ist der Campingplatz „Le Petit Dauphin“ in „Les Mathes“, auch wieder ein Naturisten-Campingplatz. Laut Brouter sind es ca. 50 km, davon etwa 5 km Fährweg über die „Gironde“. Also im Grunde ein „klacks“…
Wir fahren den letzten Abschnitt der Medoc-Halbinsel („Parc naturel régional Médoc“) in Richtung „Soulac-sur-mer“ und dann weiter nach „Le Verdon“, wo sich der Fähranleger befindet. Schon ungefähr 2 km vor der Fähre stockt der Verkehr – sollte es tatsächlich hier schon ein Rückstau sein, wollen die wirklich alle auf die Fähre?
Anfangs sind wir uns noch nicht sicher, so hatten wir das noch nie erlebt. Letzte Hoffnung: Bahnübergang und geschlossene Schranken? Aber da es immer nur wenige Autolängen voran geht, wird es immer klarer: die wollen alle nach „Royan“ übersetzen. Da kann jetzt mindestens 2 Stunden dauern…
Da immer mal wieder Radfahrer an uns vorbeiziehen beschließen wir es ihnen nachzutun sobald der entgegenkommende Verkehr (von der Fähre!) nachlässt. Und so kommen wir dann doch noch schneller zur Abfertigung als befürchtet. Um ca. 11:30 Uhr setzen wir über und wir nutzen die 30 Minuten Pause um zu essen – der Hunger meldet sich und auch sonst hätten wir zu der Zeit sowieso eine größere Pause gemacht.

In „Royan“ geht es dann an der Küste lang wieder über den EV1, der hier nicht schön zu fahren ist und viele Schlenker macht.

Irgendwann sind wir dann aus der Stadt raus und es geht weiter in Richtung „La Palmyre“ wo wir den EV1 verlassen in Richtung „Les Matthes“, von wo es nur noch 2 km bis zum „Le Petit Dauphin“ sind.
Wir melden uns an und können wieder unsere Klamotten ausziehen. An sich ist der Platz nicht besonders schön, auch weil sich hier die lange Trockenheit sehr stark bemerkbar macht. Alle Grasflächen sind braun vertrocknet. Aber das ist es nicht, denn dafür kann der Betreiber nichts, aber: überall stehen „Sachen“ rum, es wirkt so unaufgeräumt, unordentlich. Allerdings positiv ist, dass fast gar keine Gäste mit Klamotten zu sehen sind. Es gibt einen kleinen Pool, den üblichen Petanque-Platz und eine kleine Gaststätte – die heute noch für eine Überraschung sorgen sollte.
Wir hatten auf der Webseite schon gesehen, dass es ein abendliches Menü gibt, welches mit 14 € ziemlich günstig ist. Und so haben wir uns schon im Vorfeld per Mail dafür angemeldet. Es stellt sich heraus, dass es hier ähnlich wie in Val Drome abläuft als „Essen in großer Runde“ mit dem Unterschied, dass es hier jedem frei gestellt ist ob man sich was anzieht oder nicht.

Das Essen ist dann wirklich toll, es gibt Paella – eigentlich nicht unbedingt mein Ding weil es meistens „fischige“ Inhalte gibt und das Ganze in einer Basis aus Reis. Hier muss ich aber gestehen, dass es wirklich toll schmeckt. Und so haben wir mit fast allen Besuchern des Campings zusammen gesesssen, gegessen und einen sehr, sehr schönen Abend erlebt. Sehr nette Gespräche mit unseren englischsprachigen Nachbarn, aber auch mit einigen der natürlich zahlreich anwesenden Franzosen.
Und so ist der Besuch zu einem lohnenswerten Aufenthalt geworden und ein wundervoller vorläufiger Abschluss unserer naturistischen Aufenthalte. Der Nächste wartet dann erst am kommenden Samstag für einige Tage auf dem CP „Clos Marot“ in der Nähe von „Guérande“ auf uns – etwa 370 km von hier…
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 50 km
Insgesamt geradelte Reise: 2508 km
Platten: 5
