Heute führt uns unser Weg rüber in die Normandie, genauer in die Ortschaft „Ducey“. Laut Track sollen es nicht ganz 50 km werden, es geht an die Küste, genauer an den Ärmelkanal – in Frankreich „La Manche“ genannt. Vom französischen Namen stammt wohl auch der Name „Ärmelkanal“, denn französisch „Manche“ bedeutet „Ärmel“. Und der Begriff lehnt sich an das Aussehen des Ärmelkanal: westlich weit und sich nach Osten verjüngend – im bildlichen Sinne wie ein Ärmel. Auf dem Weg liegt dann auch eine der großen, französischen „Sehenswürdigkeiten“: „Mont-Saint-Michel“.
An der Küste werden wir dann zudem auf einen „neuen“ Fernradweg, den EuroVelo 4 (EV4) treffen, der uns Anfangs bis kurz hinter „Ducey“ und dann irgendwo hinter „Le Havre“ bis an die belgische Grenze Richtung Heimat führen wird. Seelisch haben wir uns schon davon verabschiedet, dass wir dann viel auf glattem Asphalt unterwegs sein werden. Große Teile der Radwege im Norden bestehen aus feinem Splitt, bei ausgebesserten Stellen gerne auch wieder grober Schotter. Wie sich das fahren lässt? Wir werden sehen.
In „Dol“ sind wir erst um kurz vor 9 Uhr vom Platz gefahren. Zum einen, weil der Supermarkt erst um 9 Uhr öffnet, zum anderen, weil wieder einmal das Zelt von außen abgetrocknet werden musste. Zum Glück war es während des Trocknens und auch während des Abbaus trocken, so dass wir wenigstens heute Nachmittag kein völlig durchfeuchtetes Zelt aufstellen müssen.
Der Weg zum „Supermarkt“ ist schnell erledigt, nach dem Einkauf geht es dann weiter. Gleich hinter „Dol-de-Bretagne““ fahren wir am „Mont-Dol“ vorbei, eine 61m hohe, eng begrenzte Erhebung mitten im sonst fast vollkommen flachen Land. Etwas später treffen wir dann in „Cherrueix“ auf die Küste und auf den EV4, dem wir ab hier bis zum weltberühmten „Mont-Saint-Michel“ folgen. Und alsbald kommen wir dann auch in den Genuß des ersten gesplitteten Radweg-Abschlitts – unerwartet gut fahrbar.

Unterwegs treffen wir dann noch einen weiteren Reiseradler auf einem Trike mit dem wir uns noch kurz austauschen und der uns noch wichtige Informationen für unseren Weg durch die „Normandiespitze“ gibt.
Am „Mont-Saint-Michel“ suchen wir uns einen Platz in der Nähe des Damms suchen wir uns dann einen Platz mit Blich auf die Insel, wo wir dann etwas Pause machen und uns das Treiben ansehen. Leider ist es die ganze Zeit bewölkt und ziemlich diesig, so dass die Fotos nicht so schön werden.

Aber was hier los ist, ist wirklich unglaublich – ganze „Heerscharen“ von Menschen (auf dem Bild nicht so gut zu erkennen) schieben sich über den Damm zum Weltkulturerbe, daneben gibt es noch einen Buspendelverkehr, wo die Busse vorne und hinten Fahrerkabinen haben – die Busse können am „Mont-Saint-Michel“ nicht wenden und der Damm ist auch zu schmal dafür. Darum fährt der Fahrer auf der einen Seite des Busses rüber und auf der Anderen zurück.
Wir hatten schon im Vorfeld beschlossen, dass wir nicht „rübermachen“, allein schon, weil wir unseren gesamten Kram dann hätten hier alleinlassen müssen. Und wenn man die Menschenmassen sieht, muss man das auch nicht unbedingt haben. Nach einer Weile verlassen wir dann unseren „Beobachtungsposten“ und machen uns auf den weiteren Weg. Hier verlassen wir dann eine Weile den EV4, weil er hier größere Umwege in Form von Schlenkern nach links und rechts macht.

Stattdessen treffen wir immer wieder auf einen anderen, genauso ausgebauten Küstenradweg unterbrochen von kurzen Abschnitten auf der D. So kommen wir dann recht zügig an die „La Sélune“, ab hier geht es dann wieder über den EV4 erneut ins Landesinnere. Bei „Lentille“ verläuft der Radweg dann auf einer ehemaligen Bahntrasse, was bedeutet, dass Steigungen und Gefälle ab hier sehr gleichmäßig und nicht durch permanentes auf und ab sind, was erfahrungsgemäß sehr viel angenehmer ist. Und auch hier muss man sagen, dass man auf diesem feinen Splitt durchaus gut fahren kann.
Und so erreichen wir dann „Ducey“ relativ entspannt, wenn auch hungrig. Wir haben aus Zeitgründen auf unsere richtige Mittagspause verzichtet um möglichst früh am Campingplatz zu sein, damit wir eine größere Chance auf einen freien Platz haben. Auf dem Campingplatz stellen wir dann aber fest, dass hier von ausgebucht keine Rede sein kann. Von den 36 (?) Plätzen sind vielleicht 10 belegt, einige wenige reserviert. Und so können wir uns einen Platz aussuchen. Der Verantwortliche kommt erst ab 18:30 Uhr auf den Platz damit man sich anmelden kann.
Der Platz selbst nimmt optisch schon fast deutsche Züge an: eckige Plätze mit akkurat geschnittenen, höheren Hecken und auch an sich sehr gepflegt. Dagegen bedürfen die sanitären Anlagen, die nicht direkt am Platz sondern unterhalb einer Tribüne des neben dem Camping liegenden (kleinen) Fußballstadions liegen,.unbedingt mal einer sehr gründlichen Sanierung. Sie sind zwar einigermaßen sauber, aber echt alt und relativ schlecht beleuchtet. Aber der Preis ist dann letztlich auch extrem günstig, regulär haben wir mit 8,04 Euro noch nie so wenig für eine Nacht bezahlt.
Wir fahren mit unseren Rädern auf den ausgesuchten Platz und dann was essen, duschen und Zelt aufbauen, so lange es nicht regnet. Als es steht und alles eingeräumt ist, gibt es dann auch tatsächlich immer wieder mal kleine, kurze Schauer – also alles richtig gemacht. Nach dem Bezahlen geht es dann noch in den Ort was essen, die Pizzen waren heute mal wieder extremst lecker. Anschließend haben wir beide dann noch eine kurze Runde durch den Ort gedreht und wir erfahren, dass dieser auch schon vor fast 1000 Jahren gegründet wurde. Es gibt noch einige hübsche Fotoobjekte bevor wir dann wieder zum Camping zurückgehen.



Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 46 km
Insgesamt geradelte Reise: 3135 km
Platten: 5
