Leider gibt es hier in „Deyme“ erst um 9 Uhr das bestellte Brot. Eigentlich hatten wir geplant, dass wir direkt starten wollten und unterwegs essen. Aber da das Regenradar uns gewarnt hat, dass wir dann möglicherweise im Regen essen müssten, weil es auf unserer Route lange und ausgiebig regnen soll, haben wir letztlich doch noch auf dem Platz gegessen.
Und so sind wir dann erst um 10 Uhr los gekommen, für die geplanten 65 km bis „Montech“ eigentlich etwas spät, aber da es nicht warm werden soll (im Gegenteil eher nass) ist es auch nicht so schlimm. Als wir vom Platz fahren, fängt es dann auch schon an zu tröpfeln und unsere seit dem 27.4. anhaltende „Serie“ regenfreier bzw. sonniger Fahr-Tage reißt. Allerdings ist es hier bei den Temperaturen von knapp 20 Grad trotzdem zu verschmerzen. Wir ziehen unsere Regenklamotten an und fahren zurück an den Kanal und weiter in Richtung „Toulouse“.
Von den Ortschaften bekommen wir auch hier wieder (wie schon zuvor bei „Kanalfahrten“) nicht mehr allzuviel mit, weil der Kanal ziemlich abschirmt. Und auch vor dem Regen werden wir verhältnismäßig gut durch die großen Platanen geschützt. Klar, die Regenklamotten werden trotzdem nass, aber es fühlt sich trotzdem ganz anders an als bei unter 10 Grad vor „L’Ile-sur-Doubs“.
Vor Toulouse wird der Regen dann auch schon wieder weniger und wir bestaunen die vielen hier am Kanal liegenden Hausboote in allen Formen und Farben, echt cool.

„Toulouse“ erreichen wir nun recht schnell und wir sind interessanterweise auch recht schnell wieder raus. Die Stadt hätte auch ein richtig großes Lob von mir bekommen, weil man fast vollständig am Kanal entlang auf eigenen Wegen geführt wird. Aber nach ca. 2/3 der Stadt wird dann der Weg plötzlich nur noch zu einem aufgemalten „grünen“ Seitenstreifen, der dann auch noch verschwindet und wir fahren auf der Fahrbahn mit. Völliges Unverständnis, da es an der Stelle 3 – in Worten drei! – Spuren hat, die zudem noch nicht einmal schmal sind. Hier einen vernünftigen Seitenstreifen zu schaffen, der für Räder reserviert ist, wäre ein Leichtes gewesen…
Trotz allem läuft es aber immer noch gut, offensichtlich sind wir hier auch kein so ungewohntes Bild. Am Stadtausgang müssen wir uns dann kurz sortieren und orientieren, die Kreuzung ist etwas unübersichtlich. Danach bekommen wir dann „unseren Weg“ wieder und wir befinden uns am „Canal Latéral à la Garonne“, der uns nun über den heutigen Tag hinaus bis hinter Agen begleiten wird.
Optisch ist der Kanal zumindest in dieser Gegend nicht so schön wie der „Canal du Midi“ (hier hat der „Platanen-Pilz wohl traurigerweise „ganze Arbeit geleistet“), aber immerhin fahren wir auf Asphalt und mehr oder weniger ohne Autoverkehr. Inzwischen hat es auch gänzlich aufgehört zu regnen und wir können aus den Regenklamotten raus, um sie kurze Zeit später nochmal wieder anzuziehen.
Immer mal wieder kommen wir jetzt wieder an Schleusen vorbei und teilweise ist die Umgebung auch wieder ganz schön.

Bei „Dieupentale“ bekommen wir dann mal wieder ein „Route barrée“ Schild, mit dem Hinweis „2 km“, zu sehen, aber eine Umleitung ist nicht vernünftig ausgeschildert. Wir werden von wartenden Radfahrenden auf Deutsch angesprochen, die sagen, dass sie jetzt seit 10 Minuten warten, es sind andere weitergefahren und bislang ist keiner zurückgekommen.
Also versuchen wir unser Glück und fahren weiter in der Hoffnung irgendwie durchzukommen. Aber wir müssen unverrichteter Dinge umkehren: an der Baustelle wird gerade eine Brücke abgerissen, die Arbeiter kehren (offensichtlich nach einer Pause) wieder an ihre Arbeit zurück und der Radweg ist mit großen Absperrgittern versperrt, es gibt zwar eine Lücke, durch die anscheinend einige trotzdem „durchschlüpfen“, wir wollen das aber nicht, also „kehrtmarsch“ – hin und zurück insgesamt 4 km umsonst geradelt.
Als wir wieder am „Barrée“ Schild vorbeikommen und dann auf die Hauptstraße einbiegen sehen wir auch den „Umleitungswunsch“: über die Berge – wie gut, dass uns der Brouter eine mehr oder weniger Höhenmeter freie Umleitung zeigt. Die führt hier zwar über ein paar Kilometer wieder über eine „D“, aber es sind nur wenige Autos unterwegs. Ein kurzes Stück parallel bzw. hinter der Brückenbaustelle, kehren wir wieder an den Kanalweg zurück.
Bis „Montech“ ist ist die weitere Fahrt dann auch ziemlich unspannend verlaufen. Wir erreichen den Campingplatz municipal Montech um kurz nach 16 Uhr und dürfen uns einen Platz im Zeltbereich aussuchen. Auch hier hat man „ein Herz für Radreisende“ und bietet einen Raum mit Kühlschrank, zwei Platten-Ceranfeld, einiges Kochgeschirr und Besteck, Sitzmöglichkeiten innen und außen usw..
Was auch Klasse ist: es gibt einen eigenen Ausgang zum Gewerbegebiet mit Supermarkt usw. in fußläufiger Entfernung, was wir auch genutzt haben um für unser Abendessen einzukaufen. Beim Zubereiten haben wir dann noch eine andere deutsche Radreisende kennengelernt, die für 8 Wochen Frankreich mit dem Rad erkundet. Solche Begegnungen sind das sprichwörtliche „Salz in der Suppe“ wenn man unterwegs ist.
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 72 km
Insgesamt geradelte Reise: 1899 km
Platten: 2
