Wie schon gestern, haben wir auch heute beschlossen früh loszukommen, denn es soll wieder warm werden, außerdem wollen wir heute unser erstes Bad im Mittelmeer nehmen. Zum Frühstück habe ich uns wieder „Pain“ vom nahegelegenen Bäcker besorgt – wir haben festgestellt, dass es besser ist dafür einen kleinen, lokalen Bäcker aufzusuchen, was sich auch heute wieder bestätigt hat.
Bereits kurz nach halb neun haben wir alles verstaut und fahren von Platz wieder in Richtung EV17. Dieser verläuft auf dieser Etappe zum großen Teil auf kleinen Nebenstraßen im Mischverkehr, so dass wir diesmal keine Bahn für uns alleine haben.

Aber es läuft trotzdem, es läuft sogar wieder gut, noch vor Mittag haben wir deutlich mehr als die Hälfte der Strecke (geplant zwischen 53 und knapp 60 km) hinter uns. Den genauen Platz suchen wir vor Ort aus.
Kurz hinter „Saint Gilles“ kommen wir in die Randbereiche der Carmarque, alles flach wie Holland.

Links und rechts Felder, Wiesen, Sumpfgebiete, Wasserflächen, Schilf usw. – typisch für den Bereich einer großen Flussmündung bzw. eines Flussdelta und wieder eine völlige Veränderung der Vegetation.

Echte (wilde) Carmargue-Pferde haben wir allerdings nicht gesehen nur hunderte, nein, tausende kleiner Mücken/Fliegen. die mir beim Pause machen um den Kopf rumschwirren, ich komme mir vor wie Linus von den Peanuts.

Um ca. 12:30 Uhr haben wir es dann geschafft: wir sehen zum ersten Mal auf unserer Reise bei „Le-Grau-du-Roi“ das Mittelmeer. Das tut schon richtig gut, dass mit eigener Kraft geschafft zu haben.

Der Ort ist allerdings schrecklich, viel zu viel Blech auf den Straßen, der EV wird über Wege geführt, die man eigentlich selbst Fußgängern nicht zumuten würde: Absätze, Rillen zwischen den Betonplatten, Radwege durch 30 cm hohe Betonstreifen von der Fahrbahn abgetrennt, die daneben liegende Fahrbahn glatt wie ein Kinderpopo und möglicherweise schon dreimal saniert, während der Seitenstreifen, den man verherrlichend „Radweg“ nennt, wahrscheinlich noch aus den Anfangsjahren der Republik stammt und „verziert“ mit dicken Wurzelaufbrüchen ist. Man merkt wieder den Status des Autos und möchte gar nicht wissen, wie es aussieht, wenn sich während der Hauptsaison hier die Blechlawine durch die Küstenorte schiebt – aktuell, Mitte Mai, ist es noch verhältnismäßig ruhig. Wie gut, dass wir jetzt schon hier sind. Und obendrein ist die Beschilderung des EV17 auch noch unter aller Sau, wenn wir nicht unseren Track dabei gehabt hätten, hatten wir schon blöd da gestanden.
Später in „Carnon“ wird dann auch noch gebaut, die Brücke für die Radfahrer gesperrt bzw. für uns nicht befahrbar, so dass wir noch wieder ein Stück zurück und über die Hauptverkehrsstraße müssen und dass knapp 4 km vor unserem Ziel…
Trotz allem ist es aber wunderschön hier direkt am Mittelmeer entlang zu fahren und das aus eigener Kraft. Darauf haben wir uns all die Jahre schon gefreut.

Aber auch das haben wir gemeistert und erreichen nach 62 km um halb vier endlich den Platz „Camping Montpellier Plage“ kurz vor „Palavas-les-Flots“. Ein echt großer Platz, aktuell aber noch nicht sonderlich stark belegt. Wir bauen erstmal das Zelt auf, ziehen uns dann die hier leider notwendigen „Badeklamotten“ an und gehen zum Strand zum ersten Bad im Mittelmeer. Herrlich!
Wie lästig Badebekleidung ist, merkt man unter anderem dann, wenn man nur ein Handtuch dabei hat, dieses auch zum abtrocknen nach dem Duschen braucht und auch die Picknickdecke auch nass werden soll, weil diese im Zelt unter den Luftmatratzen liegt. Will noch eine Weile am Strand sitzen, muss man sich auf das Handtuch setzen, damit ebend die Picknickdecke nicht nass wird. Was für ein Aufriss – wir freuen uns schon auf morgen in Cap d’Adge…
Insgesamt hätte ich keine Lust, hier in der Gegend Urlaub zu machen, es wirklich schon so touristisch völlig überlaufen, überall Klimbim-Geschäfte und zur Haupturlaubszeit sicher schwarz vor Menschen.
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 62 km
Insgesamt geradelte Reise: 1428 km
Platten: 2
