Wie auch in den letzten Tagen sind wir auch heute recht früh hoch um den kühleren Morgen zum Fahren nutzen zu könen und sind bereits um 8:30 Uhr wieder auf der Bahn. Unser Weg führt uns heute nach „Saint-Michel-Chef-Chef“ mit etwas „Optimierung“ sagt uns der Brouter, dass es ungefähr 48 km werden sollen. Es kommen heute mal wieder am Schluss ein paar Höhenmeter, die sich leider nicht wegrechnen lassen, da müssen wir wohl hoch. Man muss allerdings dazu sagen, dass sie sich über die ganze Strecke auf knapp 300 Meter summieren, also nichts, was wir nicht schon gehabt hätten, nichts was uns noch Angst macht.
Der erste Weg führt uns wieder zum Bäcker, bevor es durch den zweiten Teil des Sumpf-/Schwemmlandes (Marschland?) hier in der Gegend geht. Gestern war es noch nicht so eindeutig zu sehen, heute ist aber deutlich zu sehen, es hat schon eine gewisse Ähnlichkeit mit der „Carmarque“ im Süden.

Vermutlich wurde dieser Landstrich über die letzten Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte dem Meer abgetrotzt, die ganze Gegend liegt kaum höher als das Meer. Die Landschaft ist durchzogen von Wasserzügen – eigentlich – denn auch hier merkt man inzwischen die große Trockenheit, die große Teile Frankreichs (im Grunde große Teile Europas) fest im Griff hat. Auch die nächsten 14 Tage soll es hier in der „Vendée“, dem „Pay de Loire“ und der „Bretange“, also die nächsten Landzüge durch die wir fahren, keinen Tropfen Regen geben.
Es ist zwar nicht alles ganz so braun, wie im Mai/Juni am Mittelmeer, trotzdem schaudert es einen schon etwas, wenn man darüber nachdenkt, wie lange wir schon keinen richtigen Regen mehr gesehen haben.

Es gibt hier viele kleine Ansiedlungen, oftmals auch nur ein oder zwei Häuser. Mitten in diesem Landstrich liegt der Ort „Bouin“, den wir aber auch recht zügig durchfahren.
Heute ärgert uns ein recht strammer Wind aus Nordost, der uns unseren hohen cW-Wert deutlich spüren lässt, mit nur knapp 13 km/h sind wir recht langsam unterwegs. Hier gibt es auch kaum höhere Vegetation in Form von Büschen und Bäumen, so dass weder Wind- noch Sonnenschatten gibt. Das geht auch die ganze Zeit so weiter bis „Polder-du-Collet“, wo wir wieder an die Küste kommen. Da hier wieder mehr Bäume, Büsche und Häuser stehen, merkt man den Wind jetzt weniger.
An dieser Stelle kommen wir auch wieder an den EuroVelo 1, der die letzten Kilometer wieder viel „herumgeschlängelt“ hat und unter anderem auch auf Grund der augenscheinlich schlechten Oberflächenqualität durch uns gemieden wurde. Die nächsten Kilometer ist er aber wieder unser Begleiter.
Im gesamten Bereich hier an der Küste bis „Les-Moutiers-en-Retz“ stehen direkt am Strand viele kleine Fischerhütten mit großen „Keschernetzen“ – schon ein interessanter Anblick.

Bei „La Bernerie-en-Retz“ verlassen wir den EV1 wieder, unser Track führt uns wieder weiter ins Landesinnere, wo es jetzt auch hügeliger wird, die angekündigten Höhenmeter, es wird anstrengender, die zunehmende Temperatur tut ihr übriges dazu.
Wir sind wieder auf kleinen und kleinsten Straßen unterwegs, die sich gut fahren lassen. Als wir jedoch auf „Le Clion-sur-mer“ zufahren wollen, wird der Asphalt zu einem Schotterweg – was hat uns der Brouter hier wieder rausgesucht? Hier spricht uns ein Anwohner der Straße, der gerade draußen am Arbeiten ist, an. Zunächst auf französisch, was wir nicht ganz richtig interpretieren können. Als er merkt, dass wir nicht verstehen, fragt er, ob wir englisch verstehen und er erklärt uns dann, dass wir mit unseren Rädern am Ende nicht durchkommen werden, weil dort ein großes Hindernis liegt und erklärt uns dann, wie wir weiterkommen können – wirklich supernett und erspart uns entweder einen Weg (weil wir zurück müssten), oder sogar den Versuch am Hindernis durch ab- und wieder aufpacken vorbeizukommen.
Der notwendige Umweg ist auch nicht wirklich dramatisch, vielleicht ein paar hundert Meter, und schnell sind wir wieder auf unserem Track. Im weiteren Verlauf durchfahren wir einige kleine und winzige Orte. Und hier ist es jetzt auch interessanterweise wieder grüner.

Bis kurz vor „La Cornière“ (ebenfalls sehr klein) sind wir in nördlicher Richtung unterwegs, danach geht es nach Westen weiter Richtung „Saint-Michel-Chef-Chef“. Kurz vorher müssen wir nach „Le Haute Village“ abbiegen um zum gleichnamigen Campingplatz zu kommen, den wir ohne weitere Vorkommnisse erreichen. Es ist ein etwas größerer Campingplatz, familiengeführt und trotzdem mit Animation und dadurch etwas teurer, was uns aber hier egal ist – denn heute ich unser Hochzeitstag und wir wollen nicht kochen – hier gibt es die Möglichkeit warmes Essen zu bekommen.
Auf dem Platz hat die Familie viele interessanter Unterkünfte geschaffen, von umgebauten Eisenbahnwaggons für 10 bzw. 16 Personen, über Bus, Metro, Tram, Flugzeugrümpfe ist alles dabei.



Es gibt ein kleines Schwimmbad mit Rutschen und die Snackbar, wo wir heute Abend essen werden. Interessant ist auch die Zuteilung von Sanitärkabinen: alle WCs, Duschen und Waschbecken sind je in eine Gruppe zusammengefasst und alphabetisch durchgezählt. Man bekommt dann einen Schlüssel mit einem Buchstaben (A, B, C usw.) für eine solche Kombination und teilt sich dann mit einigen (wahrscheinlich wenigen) anderen Gästen jeweils eine Toilette, ein Waschbecken und eine Dusche. Wir haben ein „K“ bekommen und unsere Kombination ist eine Behindertenkabine, in der alles zusammen untergebracht ist, dafür ist es dann auch keine Kriecherei, weil alles so eng ist. Und es ist alles sehr sauber.
Ein Kritikpunkt hier ist allerdings die Snackbar: unglaublich was hier an Abfall produziert wird. Man bekommt seine Getränke in Plastikbechern, auch zum Wein, den wir uns zur Feier des Tages genehmigen.

Selbst die Snacks werden auch dann, wenn man auf den Plätzen an der Bar isst, in den gleichen Verpackungen serviert, wie für die Gäste, die ihr Essen abholen. Nachhaltig ist Sowas gewiss nicht!
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 48 km
Insgesamt geradelte Reise: 2802 km
Platten: 5
