Obwohl wir wegen der Lautstärke auf dem Platz erst spät eingeschlafen sind, beginnt unser Tag wieder früh, man gewöhnt sich halt doch an solche Zeiten. Mitten in der Nacht (OK, es war sehr früh morgens) ist unser Platznachbar aus GB aufgebrochen um mit seiner Familie bei Caen die Fähre nach GB zu bekommen. Dabei hat er sein Auto so platziert, dass die Scheinwerfer die ganze Zeit in unsere Richtung gestrahlt haben. Und damit nicht genug: das bei ständig laufendem Motor. Wir waren echt froh, als er endlich die Biege gemacht hat.
Es ist ganz schön abgekühlt die Nacht, ein Vorbote darauf, was uns in den nächsten Wochen wohl wieder erwarten wird. Das Außenzelt ist durch Tau ziemlich nass, so dass wir hoffen, dass es heute Nachmittag am nächsten Zwischenziel nicht regnet, damit alles wieder trocken ist, bevor wir in den Schlafsack kriechen.
Unsere nächste Übernachtung ist dann schon nicht mehr am Meer, es geht ein Stück die „Seine“ rauf, der Ort Toutainville liegt dann etwas Abseits der „Seine“, getrennt durch einen Höhenzug, an einem kleinen Fluss der „Risle“. Vor uns liegen wieder 57 km, gleich zu Anfang müssen wir direkt am Ortsrand von „Houlgate“ die schon beschriebene Kurbelarie beschreiten und mehrfach klettern, es kommen einige Hügel mit einigen Höhenmetern.
Zunächst, wie so oft, zum Bäcker, dann führt unser Track für einige Kilometer wieder zum EV4, bevor wir dann seine Schlenker wieder nicht mitmachen. Auf dem Weg zur „Seine“ durchfahren wir „Villers-sur-mer“, „Blonville“, „Deauville“, „Villerville“, mehr oder weniger nette, auf den Tourismus ausgelegte Orte an der Küste

und streifen dann „Honfleur“. Hier ist wieder viel Betrieb, viele Menschen durchstreifen den Hafenbereich, wo unser Weg entlangführt. Der Ort hat sich einen gewissen Charme erhalten, es stehen noch einige ältere Häuser, allerdings stören auch (Industrie?)Ruinen im Hafenbereich das Bild.

Im Anschluss daran geht es an die „Seine“ auf eine Straße, die eigentlich nur dem Hafenbereich zugeordnet ist, ansonsten dürfen hier keine Fahrzeuge durch. In den Karten ist der Bereich allerdings bereits als Radroute eingezeichnet und wir nutzen ihn auch als solchen. Von hier kann man dann auch schon die Autobahnbrücke „Pont du Normandie“ sehen, die sich im hohen Bogen über die Seine spannt.

Über die mautpflichtige Brücke führt auch die Route des EV4, was wir aber für uns schon lange ausgeschlossen haben und wir lieber eine der kostenlosen Fähren etwas Seine aufwärts nutzen wollen. Als ich dann auch noch den Naturistenplatz „La Chênaie“ entdeckt habe, der etwas weiter flussaufwärts in einer der „Schleifen“ der Seine liegt, war klar, wir fahren definitiv nicht über diese Brücke. Im Grunde handelt es sich um eine Autobahnbrücke, die „Radspur“ am Rand dort ist derart schmal, dass man kaum darauf Platz hat und die seitlichen Wasserabläufe, die auch nicht oberflächeneben integriert sind machen die Überfahrt nicht gerade attraktiver. Dann lieber eine Tagesreise weiter ins Landesinnere.
Der „Radweg“ hier an der „Seine“ entlang führt nun über knapp 10 km geradeaus über die breite, doppelspurige Straße, auf der uns während der gesamten Strecke nur ein einziges Auto begegnet. Am Ende führt die Radroute und unser Track dann wieder über kleine und mittlere „Ds“ durch „Berville-sur-Mer“, „Conteville“, „Foulbec“

nach „Toutainville“ und weiter zum „Camping Risle Seine“, der uns sofort gefallen hat. Er ist gepflegt und schön an einem „Etang“ gelegen. Die Plätze sind verhältnismäßig eben, saubere Sanitäranlagen und kostet nicht einmal die Hälfte vom letzten Platz (abgesehen davon, dass wir 8 Euro Reservierungsgebühr zahlen mussten). Trotzdem würden wir diesen Platz immer wieder vorziehen. Gut dafür hat der Platz auch keinerlei „Animation“, was wir so gar nicht vermissen…

Heute bauen wir zunächst das Zelt auf, damit es abtrocknen kann und fahren dann zum Nachbarort „Pont Audemer“ um einzukaufen. Heute wollen wir mal wieder selbst was kochen, nachdem wir zuletzt meistens „auswärts“ Essen waren. „Pont Audemer“ ist allerdings wieder ein Ort zum Abgewöhnen, wie eine typische abgewrackte Industriestadt mit fürchterlicher Verkehrsführung (Einbahnstraßen wohin man blick) wo zudem die Radfahrer auch noch zu Außenseitern erklärt werden, absolut schlimm.
Wieder am Platz machen machen wir unser Abendessen und sind dann recht schnell im Zelt verschwunden, weil es sobald die Sonne weg ist recht schnell kühl wird. Außerdem machen sich dann auch langsam wieder die Fahrtage bemerkbar, immerhin sind wir schon wieder seit 7 Tagen unterwegs. Aber nur noch eine etwas kürzere Etappe, dann folgt unsere vorletzte, etwas längere Pause.
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 58 km
Insgesamt geradelte Reise: 3413 km
Platten: 5
