Heute Morgen hatte ich irgendwie ein wenig Flattern im Bauch – vor uns liegt die zwar relativ kurze Strecke von 37 km um zum Naturistenplatz „Val Drôme Soleil“ zu fahren. Laut Steigungsprofil soll es zwar am Anfang recht moderat zugehen mit einem relativ unspannenden Anstieg während des größten Teils der Strecke. Aber die letzten knapp 3 km sieht es richtig knackig aus. Und da es heute auch noch recht warm werden soll, habe ich schon ein wenig Bammel, was sich bei mir sofort im Magen zeigt. Marion hat mir dann im Nachhinein gesagt, dass es ihr genauso ging.

Wir sind in Charmes zu unserer fast schon typischen Zeit um 10:30 Uhr losgekommen und uns beide einig darin, dass wir es langsam und gemütlich angehen lassen wollen, um die Kräfte für den Schluss zu sparen. Am Anfang führt uns der Brouter an einer typischen D-Straße entlang, recht gut fahrbar und, vielleicht auf Grund des Sonntags, relativ verkehrsarm. Dann geht der Weg in kleinere Nebenstraßen über, letztlich sind wir auf einem regionalen Radweg im Bereich des „Dëpartements Drôme“ unterwegs, der sich gut fahren lässt und „über die Dörfer“ führt. Auch mal ganz schön. Nach einer Weile nähern wir uns dann der Drôme (oder dem?), einem kleinen Fluss, der in die Rhône mündet, an dem es schließlich auch eine recht lange Strecke entlang geht. Damit erklärt sich auch der über lange Zeit relativ regelmäßige Anstieg, den uns der Brouter angezeigt hat.

Nicht ganz auf der Hälfte der Strecke haben wir schon zwei der drei größeren Anstiegsbereiche hinter uns – wobei eben der „Bauchschmerzbereich“ der Letzte vor den Campingplatz ist. Hier in „Allex“ machen wir Pause. Ein schön herausgeputzter Ort, wo wir dann auch einen schön gemachten Pausenplatz gefunden haben, direkt daneben praktischerweise ein Bäcker. Erfahrungsgemäß ist es besser in den „echten“ kleinen Boulangerien Brot zu kaufen, weil die Qualität einfach besser, leckerer ist. Leider ist es für unsere typische Leckerei schon etwas spät und so gibt es nur zwei Briocheteilchen (vermutlich vom Vortag), aber was will man auch erwarten, wenn man an einem Feiertagssonntag nach Mittag zum Bäcker geht, der kurz vor dem Feierabend steht?

Nach Allex geht es dann eine Weile bergab und unser Weg führt uns weiter auf absoluten Nebenstraßen ab jetzt mehr oder weniger parallel zur Drôme. Hier zeigt sich, dass auch regionale Radwege gut ausgebaut sein können. Landschaftlich hat auch das Drôme-Tal definitv seinen Reiz und wir können einige tolle Bilder machen. Wir durchfahren „Crest“ am Rand Auch von den weiteren, anliegenden Orten wie „Aouste-sur-Sye“ und „Mirabel-et-Bancons“ bekommt man allenfalls nur die Randbereiche mit.

Hinter „Mirabel-et-Bancons“ können immer noch nicht glauben, dass wir schon fast 2/3 der Höhenmeter bereits bewältigt haben, aber jetzt erwartet uns dann die Prüfung des Tages, so meinen wir. Der Track führte uns jetzt vom Radwanderweg weg hoch zum Camp – der Angstgegner. Letztlich ist es bis zur Einfahrt zum Gelände vom „Val Drôme Soleil“-Gelände aber viel weniger schlimm, als uns unser Bauchgefühl vermittelt hat. Ja, wir machen immer wieder kurze Verschnaufpausen, aber der eigentliche Hammer sind dann die letzten 200 Meter Wegstrecke auf dem Gelände hoch zum Empfang – puh ist das steil…

Letztlich sind wir um 16:30 Uhr am Ziel, haben insgesamt knapp 38 km gefahren und 260 Meter an Höhe erklommen, sind aber weniger geschafft als gestern. Sicherlich auch deswegen, dass wir es so ruhig angehen lassen haben.

Wir werden von Chef Tjerk und seinem Team absolut freundlich empfangen, man fühlt sich gleich wie in der Familie aufgenommen, ein unheimlich gutes Gefühl. Wir bekommen 5 Platznummern genannt, die wir uns ansehen dürfen. Das gesamte Gelände befindet sich am Berghang und ist terrassiert. Wir suchen uns den für uns schönsten Platz aus, „schleifen“ die Trikes dorthin, entledigen uns all’ unserer Klamotten (endlich mal wieder) und bauen das Zelt auf und richten uns ein.

Alle Stellplätze sind (leider) als Schwemmschutz mit relativ groben Kieseln bedeckt, so dass wir hier unsere Picknickdecken nicht in, sondern unter das Zelt gelegt haben um den Zeltboden zu schützen. Damit wir das Zelt aufgestellt bekommen, hat uns Tjerk sogar noch einen Hammer und Zeltnägel zur Verfügung gestellt.

Als das Zelt steht haben wir uns umgesehen und ein erster Blick in die Anlagen des Geländes zeigt uns: hier können wir locker die 4 Tage zur Regeneration verbringen, hier kann man sich wohlfühlen. Der Platz wird seit drei Generationen von der Familie betrieben und man merkt, dass es ein Herzensprojekt ist.

Abends nehmen wir dann noch an einem „Dinner together“ teil, woran alle Gäste nach Anmeldung teilnehmen können. Es gibt ein 3 Gänge Menü und der Chef weist die Plätze zu, so dass wir bei einem anderen deutschen Paar gesessen haben. Aber auch die daneben sitzenden niederländischen Gäste hatten unser Projekt bzw. die Anreise mitbekommen und wir haben uns in der großen Runde ziemlich wohl gefühlt.

Insgesamt ist Val Drôme Soleil quasi eine niederländische Enklave, der allergrößte Teil der Gäste kommt aus den Niederlanden, mit Sicherheit der Tatsache geschuldet, dass auch die Betreiberfamilie Niederländer sind, die sich fast unheimlich um das Wohl der Gäste kümmern.

Etwas Statistik

Zurückgelegte Tagesetappe: 38 km

Insgesamt geradelte Reise: 1194 km

Platten: 2

Val Drôme Soleil – ein paar Tage Urlaub (08.05.2022)

Beitragsnavigation