Auch in Chaussin haben wir prima geschlafen, anfangs glühten meine Oberschenkel zwar noch leicht, es hielt sich aber noch in Grenzen. Auch hier gab‘ es wieder Froschkonzert, aber etwas weiter weg. Und eine Nachtigall hat ab und an auch vor sich hingeträllert. Die zweite Nacht recht weitab vom Lärm der Zivilisation, insbesondere Autolärm, solche Plätze lieben wir. Insgesamt kann man den Platz durchaus empfehlen, wenn man als Zelter einen einigermaßen grünen Platz bekommt.

Da es heute 27 Grad werden sollen (wie gesagt: Spätwinter direkt in den Sommer), sind wir bereits um halb Acht auf den Beinen, das Einräumen geht auch fix, weil wir das meiste Geraffel am Rad lassen konnten, auch Tisch und Stühle sind schon seit gestern Abend wieder verpackt. Beim Abbau des Zeltes fällt auf, dass es von unten sehr feucht ist, man merkt auch, dass der Boden hier eine hohe Feuchtigkeit hat. Aber da es heute auch beim „Minicamping Les Pompiers“ auch über 25 Grad sein soll, wird es trotzdem so nass wie es ist verpackt, das wird schon wieder trocken.

Wir cremen uns ein, ich fahre heute trotzdem mit langer Radlerhose, einfach, weil weil ich Angst habe, dass der Sonnenbrand noch schlimmer wird. Gegen 8:30 Uhr verlassen wir den Platz in Richtung Chaussin, wo wir noch Marschverpflegung beim Intermarché kaufen. Hier merkt man einmal mehr, dass wir mit unseren Rädern sehr auffällig sind, wir werden oft angesprochen, so auch hier. Eine Frau, die neben mir im Schatten etwas abseits der Trikes steht, fragt, ob sie sich die Räder ansehen darf, was ich natürlich bejahe. Und dann die Fragen, woher kommt ihr, wohin wollt ihr, wow einfach toll usw., dann kommt noch ihr Mann dazu und die beiden verabschieden sich. Inzwischen merke ich, dass ich mit der französischen Sprache immer besser zurechtkomme, zumindest den Sinn verstehe, was es viel einfacher macht – fast 4 Jahre lernen machen sich jetzt doch bemerkbar.

Nun geht es für uns zurück an die „Bahnstrecke“. Heute liegen ca. 73 km vor uns, zum größten Teil müssten es ehemalige Bahntrassen sein, entsprechend gering sollten wieder die Steigungen sein. Die Strecke ist wirklich größtenteils richtig gut, wenige Abschnitte sind mit feinem Kies oder Splitt belegt, es hält sich aber wirklich in Grenzen. Wir fahren viel durch Wälder, was für meinen Sonnenbrand natürlich sehr entgegenkommend ist. Die größten Höhepunkte unterwegs sind im Grunde wieder die alten Bahnhöfe, an denen wir immer wieder vorbeikommen, z.B in Gatey, Pleure und Bletterans vorbei, die oftmal offensichtlich in privater Hand und schön zurechtgemacht sind.

Ansonsten ist die Strecke aber ziemlich unspektakulär, viel Wald halt. Was aber überhaupt nichts macht, das viele Grün ist sehr erholsam.

Mittagessen gibt es auf einem wunderschönen Picknickplatz direkt an der Strecke

Bei Le Gravier dann aber doch noch eine unangenehme Erfahrung: hier fehlt ein Teilstück als Lückenschluß, wahrscheinlich, weil die Autobahn und eine dahin führende größere „D“ eine einfache Lösung verhindert, die alte Trasse ist hier offensichtlich vollständig überbaut. Es gibt offensichtliche eine Streckenführung für Radfahrer, die aber nicht ausgeschildert ist – oder wir haben Sie nicht gefunden.

So hilft es nicht, wir fahren dann für vielleicht 4 km auf der D470, was leider wieder einmal sehr unschön ist, weil sogar Busse mit Schulkindern an unmöglichen Stellen teilweise bei nahenden Gegenverkehr überholen. Glücklicherweise biegen wir dann kurz nach der Autobahnüberführung (A39) ab und scheren anschließend wieder auf den Bahnradweg ein. Bei Courlans ändert sich unsere Fahrtrichtung von Süden nach Westen und es geht bis Louhans schnell weiter voran. Schon vor dem Ort wird dann der Wegebelag deutlich schlechter, was sich dann bis Le Pontot bei Juif so fortzieht. Dort müssen wir dann den knappen letzten Kilometer bis zum Camping Les Pommiers 71 auf der „normalen“ Straße fahren, hier ist aber wörtlich „nix los“.

Als wir auf den Hof rollen,

begrüßt uns Pat, der Besitzer und einen Augenblick später führt er uns über den Platz, zeigt uns, wo wir unser Zelt aufstellen können, den Sanitärbereich und die „Küche“ mit Abwaschbecken, Waschmaschine und sogar einem Kühlschrank. Hier können wir unsere Akkus laden, an den Plätzen gibt es keine Stromanschlüsse.

Anschließend lässt er uns allein, damit wir uns einrichten können, zum Bezahlen können wir dann in die Bar kommen. Wir bauen das Zelt auf, Marion bezahlt und trifft dabei Cécile, die quasi als „Pizzafee“ vorgestellt wird. Danach ist Teatime im Schatten eines Baumes angesagt.

Der Platz ist für uns einfach phantastisch, der Sanitärbereich sieht sehr neu aus, ist innen so sauber, dass sich die meisten Campingplätze davon eine große Scheibe abschneiden könnten.

Abends gehen wir natürlich rüber zur Bar, die sich ebenfalls messen lassen kann und Pizza zu essen. Wir setzen uns dann aber in den Garten, wo die beiden vorhin mehrere Tische und Stühle aufgebaut haben. Die Pizza ist lecker und die Getränke günstig, was will man mehr?

Sollte sich die Gelegenheit ergeben, würden wir die beiden sicher noch einmal besuchen und die Nacht auf dem Platz verbringen.

Reisetag 7
Tagesstrecke: 73 km
Tourstrecke: 434 km
Pannen: keine
CP Kosten: 16 €

Juif (22.05.2026)

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