Mit gerade man 3 Grad hatten wir erneut eine richtig kalte Nacht in der wir wieder froh waren, den Mini-Heizlüfter dabei zu haben. Unsere Schlafsäcke haben eine Komfortemperatur von 5 Grad aber selbst mit Fleecedecke und Merino-Wäsche war es ziemlich frisch.
Morgens haben wir dann gefrühstück, gepackt und sind um 10:30 Uhr auf der Bahn. Heute sollte uns der EV15 Richtung und durch Straßburg führen. Wir haben uns noch nicht entschieden, wo wir heute übernachten wollen, zur Auswahl steht der CP direkt in Straßburg bei etwa km 50 oder weiter raus bis Erstein/Gerstheim – die Entscheidung wollen wir treffen, je nachdem wie wir uns in Straßburg fühlen.
Der erste Streckenteil des EV15 führt und wieder „über die Dörfer“, also mäßig schön durch den Autoverkehr. Allerdings Dank des Ostermontag ist verhältnismäßig wenig Autoverkehr unterwegs.

Die Kilometer vor Straßburg sind dann landschaftlich und verkehr-technisch deutlich angenehmer, weil die Route wieder über eigene Wege führt. Richtig positiv überrascht werden wir dann in Straßburg, wo der Track mittendurch führt. Die Radverkehrsführung ist eigentlich ähnlich angenehm wie in Karlsruhe, hier oft am Wasser/Kanälen/Hafen lang und im letzten Teil in Straßburg dann schon am Rhein-Rhone-Kanal, der uns noch viele Kilometer begleiten wird.
In diesem Bereich meint Marion dann schon, dass wir nicht zum CP in Straßburg fahren, hier möchte sie nicht übernachten. Also sind wir dann Richtung Süden „abgebogen“ und weiter am Kanal entlang um weitere ca. 15 km bis zum nächsten Campingplatz zu fahren . Dort zur Auswahl stehen „Wagelrott“ in Erstein oder „Au Clair du Ruisseau“ in Gerstheim.
Der erste Teil dieser fast schnurgeraden Strecke ist entgegen vieler Aussagen aus dem Internet nicht so angenehm zu fahren wie oft gepriesen. Durch die großen Bäume gibt es viele Wurzelaufbrüche, die offensichtlich schon vor längerer Zeit abgefräst wurden, die Fräsrillen wurden aber nicht wieder geschlossen/geglättet. Und so ist die Oberfläche dann über eine längere Zeit mehr „Bremsasphalt“, wo man zudem regelmäßig wieder abbremsen muss, weil es neue Wurzelaufbrüche gibt.
Und als es dann endlich besser wird, die nächste Überraschung: bei Eschau ist der komplette Radweg gesperrt, weil eine Brücke erneuert wird. Die ausgeschilderte „Umleitung“ ist dann zudem sehr verwirrend, so dass wir auch prompt falsch gefahren sind. Wir kommen dann zwar bis zur Brücke, die erneuert wird, aber der Weg auf den EV15 ist auch dort dummerweise mit schweren Absperrgitter vollständig abgesperrt. Auch die Weiterfahrt auf der Straße (in Richtung der eigentlichen Umleitung) ist durch Gitter versperrt, nur seitlich sieht man, dass dort schon viele Radfahrer entlang geschoben haben. Der „Weg“ ist nur für unsere schwer beladenen Trikes zu schmal und gefährlich, da sich direkt daneben eine steile Böschung befindet, die mindestens 2-3 m runter geht.
Die einzige Chance: das Gepäck abladen, auf die andere Seite bringen und anschließend mit dem leeren Trike rüberschieben. Die Aktion hat schließlich geklappt, hat aber mal wieder Zeit gekostet, zumal wir danach noch den Umweg über die Landstraße zum Nachbarort Plobsheim fahren müssen, wo wir dann wieder an den Kanal fahren können. Solche Sachen sind nie angenehm, aber wenn man schon über 50 km hinter sich hat…

Die weitere Strecke bis Erstein ist dann ganz angenehm und rollt gut. Wir entscheiden uns dann zunächst zum CP Wagelrot zu fahren, wo sich aber leider herausstellt, dass dieser geschlossen wurde. Für uns heißt das: dieser Weg war umsonst. Also knapp 8 km zusätzlich zurück zum Kanal und auf die andere Seite Richtung Gerstheim zum Camping „Au Claire Ruisseau“, nochmal 4 km. Aber dort werden wir dann sehr positiv überrascht: die Betreiber sind supernett, der Platz sieht schön aus (hat was von einer Ranch), hat verhältnismäßig gepflegte Sanitäranlagen, Brot-/Brötchenservice, gekühlte Getränke, Eis und die Möglichkeit das „Nötigste“ zu kaufen. Für „nur“ 2 Sterne kann man absolut nicht meckern und der Preis passt mit knapp 22 Euro inkl. Strom auch.
Letztlich haben sich die zusätzlichen Kilometer absolut gelohnt und wir haben heute einen neuen Etappenrekord aufgestellt. Die zwei kalten Biere von der Rezeption haben wir uns redlich verdient.
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 75 km
Insgesamt geradelte Reise: 459 km
Platten: 2
