Im Grunde könnte ich den ersten Absatz von gestern wiederholen, daher nur die Kurzform: 6 Uhr hoch, einpacken um 7:20 Uhr auf der Bahn.
Wir wollen heute nach Condrieu, laut Track ca. 72 km, vor uns liegt der Großraum Lyon, den wir noch von 2022 berühmt-berüchtigt in Erinnerung haben. Wir fahren auch heute an den V50 zurück, er ist jetzt auch hier gut befahrbar. Marschverpflegung haben wir gestern noch eingekauft, um heute nicht erneut in den Ort zu müssen.
Nach einer Weile merkt man dann, dass wir uns mehr und mehr urbanerer Umgebung nähern, der Weg führt durch Gewerbegebiete, ist oftmals asphaltiert und wir fahren wieder immer wieder „partagé“, also zusammen mit dem Autoverkehr. Dann geht’s durch die Orte Neuville- und Fleurieu-sur-Saône, dann machen wir unser (kurze) Frühstückpause an der Saône zwischen zwei Orten, wo es etwas beschaulicher ist. Danach verläuft der Radweg lange direkt neben der größeren D433, auf der viel los ist (Berufsverkehr), entsprechend laut ist es. Trotz allem kommen wir gut voran.
Dann wird es langsam nerviger, immer wieder müssen wir die Fahrbahnseite wechseln, trägt bei dem dichten Verkehr unbedingt zur Sicherheit der Radfahrer bei – nicht. Wir erreichen Lyon und den Stadtteil Valmy bzw. Serin, wo sich der ehemalige Autotunnel befindet, von dem jetzt eine Tunnelröhre für den Radverkehr und eine Busspur umfunktioniert wurde. Total smart geplant man dadurch direkt ans Zentrum von Lyon und wir überqueren zum ersten Mal die Rhône
Von dort (u.a.) kommt man dann in Lyon über ein städtischen Radverkehrsnetz relativ gut weiter in den Süden, immer parallel zur RhôneRhône bis zum Stadtteil Gerland und dort über die uns schon bekannte Rad- und Straßenbahnbrücke wieder auf die andere Seite der Rhône und direkt im Anschluss queren wir ein letztes Mal die Saône, die hier in die Rhône mündet.
Jetzt geht es in den anstrengesten Teil des Großraums über, es gibt nur noch in Pierre-Benite eigene Spuren (bzw. sie werden zum Teil gerade gebaut, alles ist irgendwie wuselig und man muss immer schauen, ob man nicht irgendwo wieder abbiegen soll. Direkt nach dem Ort dann die totale Verwirrung, ein Kreisverkehr, wo mehrere „Radfahrer verboten“-Schilder zu sehen sind, aber wir müssen eigentlich laut Track daran vorbei um dem EV weiter zu folgen. Ein anderes Paar steht auch fragend da. Letztlich fahren wir dann alle zusammen in die Richtung wo wir hinmüssen – und siehe da, beim Weiterfahren sieht man das „Radfahrer“-symbol auf der Fahrbahn, aber eben auch erst dann. Ein kleines EV-Schildchen würde hier Wunder bewirken.
Danach geht es dann an Irigny vorbei nach Vernaisson zu der dort befindlichen Brücke (bzw. zu den Brücken), wo wir vier dann zweimal problematisch überholt werden – und das ist die offizielle Route der „Via Rhôna“ (EV17). Direkt hinter der Brücke folgt, wenn man den Planern folgt, der „Ritt an der Böschung (siehe 2022). Hier müssen wir erstmal eine Verschnaufpause machen und was trinken.
Das Aufrechtradler-Paar kommt nun doch noch in diesen Bereich, sie haben wohl festgestellt, dass die offizielle Route hier lang führt. Wir quatschen etwas, auch die beiden empfanden die Verkehrsführung südlich von Lyon ziemlich Sche..recklich, dann ziehen die beiden weiter, aber sie bleiben auf dem Schotterbereich oben, fahren auch nicht an der Böschung.
Wir beschließen es den beiden nachzumachen, auch weil zwischenzeitlich mehrere weitere Radfahrer an uns vorbei und weiter auf dem „Weg“ gefahren sind.

Es ist zwar nicht wirklich gut zu fahren, es geht nur langsam voran, auch weil teilweise grobe Steine verwendet wurden, aber auch wir schaffen die 4 km in der mittlerweile Recht hoch stehenden Sonne mit entsprechenden Temperaturen. PS: die Steine am Ende liegen immer noch da, es sind sogar noch reichlich weitere dazu gekommen, irgendwie passen wir nun aber dort hindurch.
Wie wir schon aus 2022 wissen, kommt jetzt der nächste blöde Abschnitt, eigentlich sollen wir hier über die Autobahn, dann die D312 queren und schließlich die Bahnlinie durch die Unterführung durch um ins Dorf Ternay zu kommen. Am Ende wartet dann wieder ein „Singletrail“ – NEIN DANKE! Stattdessen fahren wir gleich die D312 bis zum Punkt, wo der Singletrail wieder auf die Straße trifft. Dort wollen wir dann wieder dem normalen Verlauf des EV17 folgen – hatte ich jedenfalls geplant. Doch diese Idee haben wir im Anblick der Böschung und des oben befindlichen Weges gleich wieder verworfen, quasi eine Wiederholung des Weges von vorhin.
Also den Rest bis zur Brücke bei Givors weiter auf der D, was auch fast ohne weitere Zwischenfälle ganz gut läuft. Wir starten bei Grün über die einspurige Brücke und direkt vor der Mündung steht eine weitere Ampel, die gerade rot wird – nun stehen wir dem auf die Brücke einfahrenden Autoverkehr im Weg, kann mir mal einer erklären, wer solch einen Mist plant? Wir rücken nun auf die linke! Seite der Straße, wo eigentlich gar kein Platz ist, weil andere Radfahrer dort schon stehen um die Querstraße zu kreuzen vor, was aber platzmäßig eigentlich gar nicht passt.
Irgendwie schaffen wir es dann, auf die andere Seite und fahren ein Stück rechtsseitig (wie es sich gehört), dann sollen wir wieder die Straßenseite wechseln, weil man dort beide Radspuren zusammenführt – um dann nach ca. 500 m wieder auf die andere Seite wechseln zu müssen. Der eigentliche EV17 führt dort nun irgendwie durch die Wohngebiete von Loire-sur-Rhône, wir fahren geradeaus weiter, auch wenn die seitliche Radspur hier aufhört – um ca. weitere 500 m weiter wieder zu neu beginnen. Nun noch etwa 700 m, dann treffen wir wieder auf den EV17, der von rechts nach links die Straße kreuzt auf der wir fahren. Wir ordnen und ein um fahren wieder auf dem EV, anschließend wir es endlich besser, wir haben aber auch schon deutlich mehr als die Hälfte der Tagestour hinter uns…
An der Ausfühlichkeit will ich verdeutlichen wie seltsam hier im Großraum der internationale Fernradweg EV17 geführt wird, er ist auch hier in Frankreich ein großes Ding und heißt eben „Via Rhôna“ und wird entsprechend beworben.
Direkt in Lyon funktioniert der Radverkehr offensichtlich einigermaßen gut, man räumt ihm immer mehr Platz ein. Aber das? Es ist eine Schande und ließe sich ganz sicher besser lösen.
So, genug ausgek*tzt, weiter im Text. Eigentlich gäbe es gar nicht mehr viel zu erzählen, es sind jetzt noch ca. 15 km bis Condrieu, abschnittsweise iwirst die Strecke wirklich sehenswert

fahren an Vienne vorbei (liegt auf der anderen Uferseite), fahren bei Ampuis wieder durch die „Zone agriculture“ – hier wird viel Gemüse angebaut – dann kommt die Strecke an der „Ile de Beurre“ und „Ile de chevre“, die wirklich schön, aber leider zu kurz ist, bislang hinter Lyon eine der wenigen Strecken mit nennenswert Schatten.

Und anschließend kommt Condrieu, Camping L’Île de Pêcheurs – und wir stehen vor verschlossenen Tor, man öffnet erst um 15 Uhr, jetzt ist es nicht einmal 14 Uhr. Also suchen wir uns erstmal Schatten und sinnieren vor uns hin – wo ist denn der nächste Platz, zumal die Bewertungen für diesen nicht gerade berauschend sind und mit 31 Euro auch nicht gerade günstig.
In ca. 12 km Entfernung liegt Saint-Pierre-de-Bœff, wo auch ein Campingplatz ist. Also jetzt hier eine Stunde rumhängen oder die Stunde nutzen – Letzteres siegt, wir fahren die Strecke um es dann kurz hinter Condrieu etwas zu bereuen. Hier steht ein LKW mitten auf dem Radweg und wir sollen nun mit den Rädern eine Böschung höhere Böschung hoch und auf dem Gras – das ist wohl nicht deren Ernst. Aber wir machen es dann doch, zusammen die Räder hochschieben

und dann über den alten Seitenstreifen der Autoverkehrsbrücke und hinterher wieder auf den Radweg zurück – wenn da nicht ein zweiter LKW und ein Traktor und natürlich so, dann kaum Platz seitlich ist. Eigentlich sollen wir auch daran noch auf der Böschung vorbei, doch ich schaue mir die Lücke zwischen Laneitplanke und LKW an, sie scheint gerade breit genug zu sein.
Darum schieben wir nun einen Pylon beiseite und lassen vorsichtig die Räder auf den Radweg zurückrollen. Am LKW passen wir dann vorbei und können unseren Weg fortsetzen. Kurz nach 15 Uhr sind wir beim „Camping de la Lône“ – und müssen eine Sunde warten, die Rezeption macht erst um 16 Uhr auf.
Wir sind etwas geschafft, aber so brauchen wir morgen keine 50 km fahren, was bei den Temperaturen auch was wert ist – seit einer Woche fahren wir nun bei Temperaturen nahe oder über 30 Grad, ganz schön anstrengend.
Und heute mussten wir dann sogar unsere Notration essen, der Vival hier im Ort hatte leider geschlossen. Aber genau für solche Fälle haben wir die dabei.
Reisetag 11 (+ 1 Ruhetag)
Tagesstrecke: 87 km (+5 km)
Tourstrecke 713 km 713
Pannen: keine
CP Kosten: 22,40 €
