Heute morgen „dito“, oder so ähnlich – einziger Unterschied, wir sind etwas später hoch, ich bin noch kurz ohne Gepäck hoch ins Dorf und habe Brot geholt und wir sind mit 7:50 Uhr geringfügig später unterwegs.

Weil wir gestern etwas weiter vorgerückt sind, ist die Strecke nach Tournon-sur-Rhône heute etwas kürzer, statt ca. 60 sollten es heute etwas weniger als 50 km sein. Nun sollten wir auch in den „gesitteteren“ Bereich der „Via Rhôna“ kommen, mehr in der Nähe des Wassers und mehr auf eigenen Wegen, mehr grün, mehr für’s Auge. aber es soll auch heute erneut wieder über 30 Grad warm werden. Ähnliche Temperaturen haben wir nun seit mehr als eine Woche, erst am Wochenende soll es etwas zurückgehen.

Anfangs sind wir an einem Seitenkanal der Rhône unterwegs, derzeit ist es hier schattig, die Sonne steht aktuell noch recht tief. Aufregend ist es hier nicht, aber es rollt gut. Nach ca. 15 km kommen wir durch Saint-Rambert-d’Albon. Da wir vor dem Ort nach einer Brücke das Abzweigen des EV verpasst haben, rollen wir ungewollt doch noch an dem Campingplatz vorbei, wo wir 2022 übernachtet haben. Nicht weiter schlimm, etwas weiter kommt man dann wieder auf den Radwanderweg.

Den nächsten Ort Andancette streifen wir am Rand, es ist noch ein verhältnismäßig junger Ort bzw. Gemeinde, sie ist erst 1872 entstanden (*). Im Ortsausgangsbereich gibt es noch einige schöne Ausblicke auf die Rhône und den Nachbarort Andance am anderen Ufer.

Danach fahren wir viel am Ufer entlang, Orte gibt es da nur wenige zu sehen, aber teilweise auch wieder durch Obst- und Gemüseanbauflächen. Die Motoren sind eine unglaubliche Hilfe, man muss zwar immer noch treten, aber Anstiege verlieren fast vollständig ihren Schrecken. Es ist immer noch früh, wenn wir so schnell weiter vorankommen, sind wir noch vor Mittag in Tounon.

Bei der Brücke kurz vor Saint-Vallier, wo wir die Seite des Flussufers wieder wechseln müssen, kommen wir dann auf eine Stelle, über die wir uns schon vor 4 Jahren aufgeregt haben (und wie damals haben wir wieder kein Bild davon): man muss zur Brücke hoch und fährt dafür zunächst auf eine Rampe, dann soll es im 90 Grad Winkel dazu über … eine Treppe weiter nach oben gehen. Zwar mit Schiebe-spur, allerdings natürlich nur für Einspurer bzw. Aufrechträder, alle anderen, z.B. auch mit Anhänger sind hier die Gelackmeierten. Wie vor vier Jahren fahren wir ein Stück zurück, nehmen die nächste Querstraße „nach oben“ kommen dann bequem zur Brücke und können darüber fahren.

Der weitere Verlauf ist weiterhin viel durch Obst- und Gemüseanbau geprägt – Kirschen, Pflaumen oder Zwetschgen, Aprikosen, dazwischen mal Weinstöcke, Kartoffeln, Zwiebeln usw.. Etwas weiter auf dem Weg, als es wieder zurück zum Ufer gehen soll, weist uns ein Schild an weiter zu fahren, der Weg ist gesperrt, vielleicht sind im letzten Winter massive Schäden am Weg entstanden, wer weiß. Man muss schon sagen, so oft, wie wir auf dieser Reise schon auf „Route bareé“ gestossen sind ist schon erstaunlich.

So schlecht ist es aber in diesem Fall nicht, es bedeutet keinen Umweg, die Fahrbahn ist OK, also halb so schlimm. Also weiter durch die Plantagen, wir sehen Erntearbeiter, die gerade einpacken nachdem sie Aprikosen geerntet haben und bemerken, dass alle Bäume nur so hoch gehalten werden, dass man mit einer normalen Trittleiter überall ernten kann. Das müssen wir zu Hause auch so machen…

Auf den letzten Kilometern wollen wir nun noch was essen, aber die Suche nach einem geeigneten Plätzchen gestaltet sich schwierig, keine Bänke, keine netten Flächen direkt am Wasser. Kurz hinter Arras-sur-Rhône dann doch ein schöner Ausblick, eine Seite ein Wasserkraftwerk, im weiteren Verlauf haben sich kleine Inseln gebildet – hier blieben wir, legen die Decke im Schatten ins hohe Gras und schnabulieren unser Brot mit Blick auf den rückseitigen Bereich der Staumauer.

Die Staumauer von Arras hat eine Länge von 158 Metern und eine Höhe 15,2 Metern Höhe und wurde 1970 über einen Teil der Rhône gebaut. Das Wasserkraftwerk ist mit vier Turbogeneratoren mit einer Leistung von jeweils 30.000 kVA ausgestattet und erzeugt durchschnittlich 700 Millionen kWh pro Jahr. Es nutzt das Wasser, das nach dem Absturz über den Staudamm durch den Umleitungskanal fließt; man spricht daher von einem „Laufwasserkraftwerk“ (*).

Doch die Sonne wandert schnell, unser Schatten wird immer kleiner, bald brechen wir wieder auf und legen die letzten Kilometer bis Tournon zurück. Im Ort angekommen, auf der Uferseite von Tournon bieten sich dann noch ein paar Fotomotive an,

darauf geht es über eine historische Brücke (Hängebrücke Passerelle Marc Seguin, die Tain-l’Hermitage mit dem gegenüberliegenden Tournon-sur-Rhône verbindet) über Holzbohlen auf die andere Seite

in den Ort Tain-l’Hermitage, der sich aus der keltischen Siedlung Tegna (später Tinctum) an der Heerstraße zwischen dem Mittelmeer und dem zentralen Europa entwickelte. Die Siedlung wurde mit einer Stadtmauer umgeben, von der bis heute das Batie-Tor erhalten ist. Tain ist damit älter als Tournon.

Wir müssen nun ein Stück „schlängelnd“ zur Uferpromenade zurück und radeln dort langsam bis zum städtischen Campingplatz. Quasi in dem Moment, wo wir an der Tür der Rezeption stehen, öffnet die Dame die Tür und bittet uns rein.

Sie berät uns und anschließend dürfen wir uns einen Platz im Zelterbereich ansehen, der im Grunde perfekt für uns ist. Gras statt Schotter, wie die meisten „normalen“ Stellplätze hier, Stromsäulen und Bänke, was wollen wir mehr. Hier sind die sanitären Anlagen auch wieder tippitoppi, es ist zwar etwas lauter, weil eine größere Straße direkt daran entlang läuft – das wir aber Abends garantiert noch leiser.

PS: dieser Bericht enthält zum Teil Informationen aus Wikipedia (durch * gekennzeichnet)

Reisetag 11 (+ 1 Ruhetag)
Tagesstrecke: 50 km (+3 km)
Tourstrecke 763 km
Pannen: keine
CP Kosten: 20,30 €

Tournon-sur-Rhône (28.05.2026)

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