Die heutige Nacht war entgegen unseren Hoffnungen alles andere als erholsam, wir sind uns vorgekommen, als ob wir mitten auf einer Verkehrsinsel umgeben von dichtem Verkehr übernachtet hätten. Der Autolärm hat die ganze Nacht nicht wirklich abgenommen, mit Zelt ist damit dieser Platz alles andere als empfehlenswert. Da wir dadurch sowieso früh morgens bereits wach sind, unterscheidet sich der weitere Ablauf heute wieder nicht von den vorherigen Tagen und wir starten erneut gegen 7:30 Uhr.
Es geht heute weiter der Ardeche entgegen, das Ziel heute ist Cruas, mit laut Track ca. 67 km wieder eine etwas längere Etappe. Immer noch liegen die Tagestemperaturen über 30 Grad, wir freuen uns über jeden Schatten auf dem Weg.
Vom Campingplatz in Tain geht es für uns direkt auf den Radweg, der Platz liegt ja, wie gesagt, direkt daneben. Wir fahren in Richtung Pont-de-l’Isère, kurz vor dem Ort trifft auch die „Via Rhôna“ wieder auf unseren Track.

Etwas weiter durchfahren wir Valence. Eigentlich bekommen wir von der Stadt nicht allzuviel zu sehen, bis auf einen schön angelegten Park

Valence ist eine sehr alte Stadt, sie war Hauptort eines keltischen Stammes bis sie wahrscheinlich unter dem römischen Kaiser Caesar Mitte des 1 Jahrhunderts eine römische Kolonie wurde. Wenn es nicht immer so heiß werden würde, lohnte es sich bestimmt sie etwas näher anzusehen. Da wir aber wissen, was uns heute temperaturmäßig noch erwartet, durchfahren wir Valence auf der Route der „Via Rhôna“ und sind relativ schnell wieder raus und wechseln wiedereinmal die Flussseite.
Anschließend nähern wir uns Charmes-sur-Rhône, wo ich leider einen Patzer in den Track eingebaut habe. In der Annahme, dass man auf einigermaßen fahrbarem Untergrund weiter am Fluss entlang fahren könnten, bin ich an dieser Stelle von der Eurovelo-Route abgewichen – dieser Weg ist Sch*iße und das über mehrere Kilometer. Relativ grober Schotter, ausgewaschene Schlaglöcher, sehr unschön. Aber irgendwann endet auch der längste Mistweg und wir rollen wieder auf Asphalt, kommen am Campingplatz vorbei, wo wir vor vier Jahren übernachtet haben und kommen dann auf einen für uns neuen Abschnitt. 2022 sind wir an dieser Stelle ja ins Drôme-Tal gefahren um zum Naturisten-Platz „Val Drôme Soleil“ zu kommen (sehr schöne Strecke, siehe entsprechenden Bericht).
Für uns geht es jetzt jedoch weiter Rhône abwärts weiter, die Strecke ist relativ unspektakulär, landschaftlich mal mehr, mal weniger attraktiv.

Bei Beaucastel macht der Radweg einige „Verschwenkungen um über die Mündung des Flusses „l’Eyrieux“ zu kommen, was bestimmt 5 Extrakilometer bedeutet, aber zumindest schattige Kilometer fast ohne Autoverkehr.
Von Beaucastel bekommen wir wieder nicht viel zu sehen, der Weg führt nur am Rand des Ortes entlang. Der Name des Ortes stammt von der Burg „Bel Castrum“ (12. Jahrhundert) und war seinerzeit wichtiger Umschlageplatz von Schiffsgütern, allerdings zeigen Passagen einer alten römischen Straße, dass der Ort auch schon in der Antike besiedelt war. Bekannt wurde die Gemeinde auch als eine von 70 Salzlagerstätten Frankreichs vom 16. bis ins 18. Jahrhundert.
Der Ort wurde im Hugenottenkrieg fast vollständig zerstört und wuchs erst durch nach der Errichtung eines Deiches wieder seine ursprüngliche Größe, weil bis dahin der Ort offensichtlich häufig vom Fluss „l’Eyrieux“ überschwemmt wurde. Es gibt noch einen mittelalterlichen Stadtkern. (*)
Als nächstes folgt La Voulte-sur-Rhône, ebenfalls ein im Mittelalter gegründeter Ort, entstanden durch die Schenkung des Bischof von Vivers an den lokalen Prior (Abt) und der etwas späteren Erlaubnis des römisch-deutsche König Konrad III hier Wegezoll zu erheben. Hier dürfen wir dann zum wiederholten Mal die Uferseite wechseln. (*)
Hinter La Voulte wollen wir uns dann einen Platz für unser Mittags-Picknick suchen und finden eine schöne Ecke mit mehreren Parkbänken – direkt davor ein Schild, welches wir nicht so toll finden: erneut ist unser Weg gesperrt und wir müssen eine Umleitung fahren. Es fahren zwar einige Radfahrer trotzdem die Strecke weiter und kommen nicht zurück – wir machen uns schon Hoffnung, dass die Strecke doch offen ist – dann kommt aber ein Radfahrer zurück und erzählt uns, dass im weiteren Verlauf eine Brücke gesperrt ist.
Also müssen wir nach unserem Mittagessen dann doch der Umleitung folgen, was letztlich dann zu einem insgesamt fast 15 km Umweg summiert. Der Weg führt rüber bis Livron-sur-Drôme, dort befindet sich die einzige durch Radfahrer befahrbare Brücke über den Drôme. Über diese Brücke und einen Teil der folgenden Strecke zurück zu unserem Track sind wir schon 2022 gefahren. Sogar einige Plätze, wo wir damals kurz pausiert haben, erkennen wir wieder. Und ab und an kann man sogar noch was nettes fotografieren.

Nach etwa einer zusätzlichen Stunden sind wir dann quasi wieder an unserem Ausgangspunkt – auf der anderen Seite der gesperrten Brücke. Wir müssen hier zwar noch ein Stück weiter parallel zur Route fahren, weil es keine „Überwegung“ gibt, landen aber letztlich an der nächsten Querstraße dann wieder auf unserem Track und müssen … na, wer weiß es? Richtig wieder rüber ans andere Ufer (’22 sind wir auf dieser Seite geblieben um zum damaligen CP zu kommen).
Bevor wir Cruas erreichen noch eine interessante Stelle: hier wird der Radweg inzwischen über eine Brücke geführt

Ursprünglich musste man an der Stelle einen Bach wohl über eine künstliche Furt überqueren

Danach kommen wir noch durch Baix. Dem in die Länge gezogenem Ort sieht man die Geschichte schon an und ist liebevoll restauriert (das ist nicht immer so). Die Römer gründeten an der Stelle der heutigen Ortschaft die Siedlung Batiana (von lat. batos = einfach und -ana = Überquerung), da hier die Rhône besonders flach ist und Inseln in der Mitte des Flusses liegen. Damals lief durch die Stadt eine der wenigen Verbindungsrouten zwischen dem linken und dem rechten Ufer der Rhône.
Infolge der Völkerwanderung wurde die Stadt zwei Mal fast vollständig zerstört, 411 durch die Vandalen und 735 durch die Sarazenen. Die griechischsprachige Bevölkerung errichtete die Siedlung Baios, aus dem Baix hervorgegangen ist. Im Mittelalter trug die Gemeinde den Namen Bays-sur-Bays (*).

Von Baix ist es dann nur noch ein kurzer Weg bis Cruas, wo der Campingplatz direkt neben der Radroute liegt. Die Rezeption ist nicht besetzt, aber ein Schild besagt, dass man sich schon vorab einen Platz aussuchen darf, was wir auch tun. Durch die Umleitung sind dann aus den geplanten 67 km fast 82 km geworden und statt 14 Uhr ist 15 Uhr bei der Ankunft – und das in der Hitze des Tages. Zum Glück gibt es hier einen Pool, den wir nach der Anmeldung auch noch „zur Normalisierung der Körperkerntemperatur“ nutzen.
Bei der Anmeldung werden wir noch auf das Restaurant auf dem Platz hingewiesen und wir beschließen uns zum Essen anzumelden, was sich dann auch als Glücksgriff herausstelt: die Köchin ist ein supernette Person, hat ein sehr leckeres Essen gezaubert, bei dem wir uns dann sogar noch einen Nachschlag holen können. Und sie freut sich sehr ehrlich, wie wir das Essen „trés bon“ (sehr lecker) beim Bezahlen beschreiben.
PS: dieser Bericht enthält zum Teil Informationen aus Wikipedia (durch * gekennzeichnet)
Reisetag 12 (+ 1 Ruhetag)
Tagesstrecke: 82 km (+1 km)
Tourstrecke 845 km
Pannen: keine
CP Kosten: 26,32 €
