Da wir uns gestern „versehentlich“ Brot bestellt hatten, weil ich mich versehen habe – statt um 8 Uhr kann man es aber erst um 9 Uhr abholen. Darum können wir auch erst dann starten. Ursprünglich war für heute eine kurze Etappe bis etwas hinter Toulouse geplant, knapp über 40 km. Doch wir haben gestern dann noch beschlossen bis Montech zu fahren. Der Platz dort hat uns auf der letzten Reise gut gefallen, gepflegt, sehr gut ausgestattet für Radreisende und es gibt einen Pool. Damit sind es dann zwar knapp 66 km, aber wir wissen ja, dass die Strecke bis dahin gut zu fahren ist.

Außerdem wird es jetzt wieder jeden Tag heißer, die kommenden Tage sind wieder Temperaturen über 30 Grad vorhergesagt. So können wir die Etappe morgen dann stark verkürzen, an den darauf folgenden Tagen, starten wir dann wieder sehr früh…

Die Strecke bis Toulouse am Canal du Midi entlang ist uns aus 2022 noch in Erinnerung. Die ersten Kilometer hat es geregnet, heute herrscht bereits strahlender Sonnenschein und es ist schon relativ warm. Je mehr man sich der Stadt nähert, um so mehr Boote und Schiffe liegen am gegenüberliegendem Ufer. Schön zurecht gemachte Hausboote und alte Lastkäne, andere gehören eher zu Kategorie Moderboot. Aber schon allein die Anzahl ist beeindruckend.

Da unser Weg (fast) immer am Kanal entlang geführt ist, sehen wir, dass sich die Liegeplätze fast bis ans Zentrum heran befinden, mal weniger Schiffe, mal „geballt“. Halb Toulouse hat offensichtlich ein Faible für Schiffe. Und offensichtlich hat auch Toulouse verstanden, dass man dem Radverkehr mehr Platz einräumen muss. Während 2022 zweidrittel der Strecke hindurch sehr angenehm zu fahren war, weil es eigene Streifen, eigene Bereiche gab, gilt dies nun fast durchgehend bis zu dem Punkt, wo der Canal du Midi in den Canal Latéral à La Garonne übergeht.

An einer Stelle zwischendurch ist es etwas unübersichtlich, wo wir die Uferseite wechseln müssen, aber die blöde Situation, wo plötzlich die Fahrbahnmarkierung „Fahrrad“ aufhört und man seitlich teilweise von 3 Spuren fährt ohne Orientierung, ohne Beschilderung gibt es nicht mehr – sehr löblich.

Am Ende kreuzt man dann (wie auch 2022) zwei Fahrbahnen und fährt auf den Kanalseitenweg ein, sogar ausgeschildert ist es vorher. Ab hier geht es jetzt peu à peu aus Toulouse heraus.

Bis hier haben wir auch noch kein einziges Bild geschossen, die Schiffe vorher haben wir 2022 bereits ausgiebig festgehalten und in der Stadt war es heute sehr wuselig, extrem viele Fußgänger, Radfahrer, Jogger usw., so dass wir nicht unbedingt stehen bleiben wollten. Sogar an einem der wenigen Motive, dem Bahnhof, sind wir vorbeigedüst.

Auch hier am „neuen“ Kanal ist immer noch relativ viel los und erst später bemerken wir, dass der eigentlich Weg des V80 auf der anderen Uferseite gewesen wäre. So müssen wir uns hier dem Fußgänger unterordnen, denn die haben hier Vorrang. Die meisten treten ganz von alleine zur Seite, andere gar nicht und wir müssen abwarten und hinterherfahren, bis wieder Platz ist. Eigentlich kann ich die sogar verstehen, hier ist am Anfang dann eine falsche Beschilderung vorhanden, aber egal, wir sind ja durchgekommen.

Nach einigen Kilometern dann die nächste Verwirrung, weil die Beschilderung wieder nicht vollständig ist. Es sieht zunächst so aus, als ob wir hier ein Stück vom Kanal weggeführt werden, was aber nicht so ist. Wir hätten sofort links über eine Brücke und dann auf den (eigentlich korrekten) Routenverlauf.

Danach habe ich dann die Strecke irgendwie falsch in Erinnerung. Ich war der Meinung, dass sie relativ eintönig und schlechter zu fahren sei. Dem ist aber gar nicht so, es gibt recht viel Bäume, die Schatten werfen, der Untergrund ist gar nicht übel und optisch ist auch nicht schlecht. So kann man sich täuschen…

Wir passieren die „Abfahrt“ nach Saint-Sauveur, wo wir heute ursprünglich auf einem Bauernhof-Camping übernachten wollten, kommen durch Grisolles, wo ein alternativer Campingplatz wäre. Wir kommen wirklich gut voran, aber langsam merkt man, dass es wärmer wird – und immer Mal wenig Schatten.

Bei Dieupentale sehen wir dann ein Hinweisschild „Montech 13 km“, also sind wir fast da. Darum wollen wir eigentlich Mittag machen, aber leider sind alle Bänke besetzt. An dieser Stelle mussten wir 2022 eine Umleitung fahren, weil der Radweg durch Brückenbauarbeiten gesperrt war. Jetzt können wir einfach weiterfahren, aber Rastplätze gibt es weiter keine. Also halten wir an einer passenden Stelle mit Schatten an und nutzen wieder unsere Picknickdecke.

Danach machen wir uns dann auf den Weg um die letzten Kilometer bis Montech zurückzulegen. Beim Campingplatz können wir uns direkt anmelden, das weitere Prozedere kennen wir ja schon, also wo die Zelter stehen, den Zugang zum Sanitärgebäude (über einen Code), den Code zum „hinteren Ausgang“ um fußläufig zum Supermarkt zu kommen. Eigentlich hätten wir die Entscheidung für Montech auch schon im Vorfeld treffen können. Jetzt haben wir zwar morgen nicht einmal 25 km bis Mossiac, aber einen quasi Ruhetag bei diesen Temperaturen zu haben, ist ja auch nicht das Schlechteste.

In Montech steht übrigens das weltweit erste Wasserkeilhebewerk. Das als Pilotprojekt 1974 konzipierte und in Betrieb genomme Hebewerk konnte Schiffe bis zu 40 m Länge anstelle der fünfstufigen Schleusenanlage in einem Zug über den Höhenunterschied von 13,30 m zu heben oder abzusenken. Über die fünf Schleusen, die immer noch bestehen und genutzt werden können, dauert der Vorgang 65 Minuten und es können maximal 30,50 m lange Schiffe geschleust werden.

Nach einem Motorschaden in einem der Antriebseinheiten ist die Anlage seit 2009 außer Betrieb und ist für touristische Zwecke museal aufbereitet. Sie können im Heimatmuseum in einer alten Papierfabrik besichtigt werden.

Es wurde 1983 nur ein weiteres Wasserkeilhebewerk in Fonseranes am Canal du Midi in Betrieb genommen, welches ebenfalls (seit 2001) stillgelegt wurde (*).

PS: dieser Bericht enthält zum Teil Informationen aus Wikipedia (durch * gekennzeichnet)

Reisetag 22 (+ 8 Ruhetage)
Tagesstrecke: 66 km
Tourstrecke 1399 km
Pannen: keine
CP Kosten: 15 €

Montech (13.06.2026)

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