Es ist schon 9 Uhr, als wir vom Campingplatz fahren, aber weil zum einen die Strecke bis Revel heute „nur“ 55 km lang ist und zum anderen ein größerer Teil davon zudem auch noch auf Ds und kleineren Straßen verläuft, sollten wir trotzdem verhältnismäßig früh wieder auf dem Campingplatz sein.

Heute morgen ist es fast schon als „kalt“ zu bezeichnen, immer noch weht ein ungemütlicher Wind und wir beschließen mit langen Ärmeln und langer Hose zu starten, was den Vorteil hat, dass man weniger einzucremen hat…

Der erste Weg führt, wie fast jeden Morgen, zur Verpflegungsstation, in diesem Fall der kleine Spar Markt, den wir gestern noch gesehen hatten, danach zurück auf die Bahnstrecke in Richtung Mazamet. Die Oberfläche ändert sich wie gestern quasi „minütlich“, aber die wenigen Kilometer bis zu unserer Abzweigung lassen sich im Großen und Ganzen ganz gut fahren.

Noch vor Mazamet, an einer Abzweigung von der D612, an der die alte Eisenbahnstrecke hier entlangläuft, fahren wir in Richtung Bout-du-Pont-du-l’Arn und weiter nach Pont-du-l’Arn ab, hier beginnen für uns wieder die ersten Anstiege, dafür gibt es einige schöne Ausblicke ins Tal und die Berge auf der anderen Seite, man merkt aber immer mehr, dass dies die letzten Ausläufer sind.

Wir folgen dann der D65 noch ein ganzes Stück, z.B. Durch Payrin-Augmontel und andere kleinere und größere Orte, aktuell befinden wir uns wieder auf der Verlängerung des nationalen Radweges V84, zu dem auch der Bahntrassenradweg gehörte. Etwas weiter trennen sich unsere Wege aber wieder, weil der V84 einen größeren Schlenker Richtung Castres macht, was für uns einige unnötige zusätzliche Kilometer bedeuten würde.

Statt dessen verläuft unsere geplante Route etwas weiter südlich, meist auf kleinen Ds oder sogar auf Wirtschaftwegen, die sich erstaunlich gut fahren lassen und auch zwischendurch was für das Auge bieten. An einer kurzen Stelle hinter Caucalières, müssen wir für vielleicht 500m auf die N112, aber ansonsten ist die Strecke ruhig, was den Autoverkehr betrifft.

Es geht weiter nach Labrugière und wieder „über die Dörfer“ bis nach Viviers-les-Montages, wo wir an einem „Hahnenkreuz“ (Croix de Coq) Mittagspause machen.

Hier treffen wir auch wieder auf den V84, dem wir ab jetzt wieder bis Revel wieder folgen und der über kleine Straßen führt.

Insgesamt muss man diesem Landstrich aber bescheinigen, dass er relativ wenig interessante Fotomotive bietet – teilweise könnte man meinen, man ist in Ostfriesland unterwegs – kleine bäuerliche Betriebe, Felder usw., wenn da nicht immer Mal wieder An- und Abstiege im Weg wären.

Kurz vor Revel zeigt der Richtungspfeil nach rechts , hier geht der V84 dann plötzlich in einen geschotterten Feldweg über.

In der Hoffnung, dass es nur wenige hundert Meter sind, leisten wir dem Folge, was sich im Nachhinein als Fehler herausstellt: mehr als 2 Kilometer bis an die Stadtgrenze von Revel stehen uns 2 geschotterten Spuren mit einem Grünstreifen in der Mitte zur Verfügung.

Die letzten Meter rollen wir auf Asphalt bis zum „Camping municipale du Moulin du Roy“.

Die Rezeption ist um kurz vor 14 Uhr nicht besetzt, wir können uns erst um 15 Uhr anmelden, aber wir suchen uns schon mal einen Platz. Wieder einmal zeigt sich hier, dass die (meisten) kommunalen Plätze („Municipal“) für uns die Besseren sind: die sanitären Einrichtungen sind hier sehr sauber und hier auch wieder relativ modern. Es gibt Ausrüstung und Sitzmöglichkeiten für Radreisende und das Ganze für einen guten Kurs – nur auf Strom verzichten wir heute, das soll 6 Euro die Nacht kosten, bei vielleicht 0,5 kWh Verbrauch für die kWh 12 Euro kosten. Dann wird halt während der Dusche usw. ein wenig nachgeladen, für die Strecke von Morgen reicht das, die Akkus sind noch mehr als halb voll…

Wir fahren dann noch einkaufen und testen dabei einen kurzen Abschnitts des Weges, den wir morgen befahren werden – wassergebunden, aber einigermaßen befahrbar.

Revel selbst haben wir nicht besucht, die Stadt wurde 1342 von Philipp VI. als Bastide mitten im Wald von Vauré gegründet, um den umliegenden Bewohnern Schutz vor den ständigen Raubüberfällen zu gewähren.

Im 15. und 16. Jahrhundert blühte die Wirtschaft durch Anbau und Handel des Pastels (Färberwaid, eine Pflanze zum färben in der Farbe Indigo, wird auch als Holzschutzmittel verwendet), im 18. Jahrhundert gab es eine Seidenstrumpffabrik, die in ganz Südfrankreich und Katalonien bekannt war. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Holz- und Möbelindustrie vorherrschend, mit einer Spezialisierung auf dem Gebiet der Holz-Einlegearbeiten, die mittlerweile einen internationalen Ruf hat.

Prägend für die Stadt ist die zentrale Markthalle mit Glockenturm, die gegen 1342 errichtet wurde. Sie ist seit 2006 als Monument historique klassifiziert (*).

PS: dieser Bericht enthält zum Teil Informationen aus Wikipedia (durch * gekennzeichnet)

Reisetag 21 (+ 8 Ruhetage)
Tagesstrecke: 55 km
Tourstrecke 1269 km
Pannen: keine
CP Kosten: 15,58 €

Revel (11.06.2026)

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