Heute Nachmittag sind 35 Grad vorhergesagt, daher beginnt unser Tag um 6 Uhr und wir schaffen es um 7:20 Uhr vom Platz zu rollen und steuern in Moissac einen Bäcker an, was aus „Einbahnstraßengründen“ etwas mühselig ist, danach geht es wieder an den Kanal.
Anfangs ist es oftmals wieder „Midi-typisch“, häufig gesäumt von vielen Platanen, wieder schöner als ich es in Erinnerung habe. Überhaupt fehlen mir hier Anhaltspunkte, das wir schon mal hier waren, aber OK, 2022 war es hier schon das zweite Drittel von damals 82 km, vielleicht liegt es auch daran. Und ja, natürlich sieht es immer mal wieder sehr ähnlich aus. Aber trotzdem ist der V80, auch „La Vélo Voie Verte du Canal des Deux Mers“ genannt, für uns weiter der schönste Radwanderweg von allen, die wir bislang befahren haben.

Wir fahren seitlich an Maleuse und Valence d’Agen vorbei, langsam aber sicher werden jetzt aber die Bäume an den Seiten weniger, nicht das es gar keinen Schatten mehr gibt, aber der Vollschatten durch große Bäume wird weniger, wir kommen sehr gut voran. Wenn es so weiter läuft, sind wir zu Mittag in Sérignac.

Vor Agen (wir passieren die „Grenze“ zum Departement „Lot et Garonne) wird plötzlich die Oberflächenqualität des Weg deutlich nach, es hat wieder den Eindruckt, dass hier kein Geld für den Radtourismus übrig ist. In Agen dann wieder einmal ein „Route barrée“, haben wir ja schon lange nicht mehr gehabt. Also in Richtung des Umleitungspfeils abgebogen und … ja und dann? Es folgt kein weiteres Schild, wir suchen etwas ratlos, ich schaue in die Karte und wir folgen der Straße direkt neben dem Radweg und vielleicht 100 oder 200 Meter weiter ist dann eine aspaltierte Stelle über einen Wall, die da offensichtlich eigentlich nicht hingehört – hier werden wir wohl wieder auf den Radweg geführt.
Im weiteren ist dann die Radverkehrsführung nicht ganz so optimal, aber man kommt ganz gut hindurch, zumal der Kanal die Stadt sowieso mehr in den Randbereichen durchquert.

Agen ist sehr alt, die Gegend wahrscheinlich schon in der Jungsteinzeit besiedelt. 200 v Chr. W dort eine keltische Siedlungs, die Aginnum oder Agennum genannt wurde und ca. 56 v. Chr. von Gaius Iulius Caesar erobert wurde.
Sehenswert ist unter anderem die 580 Meter lange Kanalbrücke als Trogbrücke (über die auch unser Weg führt) mit ihren 23 Bögen aus den Jahren 1839-1842, wo der Canal Latéral à La Garonne über die Garonne geführt wird.
In der Umgebung von Agen gibt es riesige Plantagen mit Pflaumenbäumen, jährlich werden (u.a.?) rund 35.000 Tonnen Dörrpflaumen, was möglicherweise auf Mönche im Lot-Tal zurückgeht, die, nachdem die Pflaume im Zuge der Kreuzzüge hier eingeführt wurde, Bäume angepflanzt und die Früchte seinerzeit getrocknet und verkauft haben. (*)
Nach der beschriebenen Kanalbrücke

folgen mehrere Schleusen hintereinander

an der soeben ein Schiff eingefahren und kaum mehr zu sehen ist. Wir wollen uns den Vorgang ansehen und stellen fest, dass die Besitzer aus Deutschland stammen.

Wir tauschen uns „quer“ über die Schleuse über unsere bisherigen Reiseverläufe aus, die beiden haben schon eine lange Reise hinter sich, den gesamten Kanal bis Bordeaux rauf, jetzt geht es wieder runter. Vorher haben sie in Spanien überwintert. Cool, wenn man sowas machen kann, da muss dann aber sicher ein größerer, finanzieller Hintergrund vorhanden sein – so billig ist das Leben und Fahren auf einem Schiff schließlich auch nicht…
Wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg der letzten 10 Kilometer – die wir beide noch als sehr eintönig und nicht endend wollen auf schlechter Fahrbahn in Erinnerung habe. Da hat sich auch nicht viel getan, die Fahrbahn ist nach wie vor nicht superduper und an den langen geraden Strecken mit wenig Highlights hat sich (logischerweise) nichts getan.
Wir erreichen den kleinen kommunalen Zeltplatz in Sérignac um ca. 12 Uhr, es ist keiner da und wir können uns unseren Platz aussuchen. Als wir gerade mit dem Aufbau des Zeltes anfangen, tauchen zwei Polizisten auf – auf einem der Stellplätze liegen „Dinge“ herum, Warnwesten, Kleidung, sieht irgendwie wild aus. Sie fragen uns noch, ob wir gerade gehen wollen und wir sagen, dass wir gerade angekommen sind. Ob wir uns schon angemeldet hätten, was wir verneinen, wir würden das gleich noch machen. Das ist dann offensichtlich in Ordnung und die beiden gehen wieder – wir sehen dann noch, dass sie den Müll (?) einsammeln. Wer weiß, was hier los gewesen ist…
Unser Versuch uns anzumelden ist dann aber zunächst fehlgeschlagen, das Bureau de Tourisme, welches wir aufsuchen, ist nicht zuständig, aber die sehr nette Dame will uns später noch helfen. Danach fahren wir noch am kleinen Supermarkt und an der Pizzeria, wo wir heute Abend essen wollen (wie 2022, darum sind wir hier) vorbei. In dem Moment, wo wir an der Tür vorbeirollen tritt eine der Besitzerinnen (?) an die gläserene Tür uns sieht uns. Sie und ihre Kollegin kommen raus und wir unterhalten uns – wir können heute Abend kommen.
Der zweite Gang zum Tourismusbüro hat dann keine weiteren Klarheit erbracht, wir können die Nacht auf dem Platz verbringen. Wir wissen also nach wie vor nicht wie die Zahlung abläuft, vielleicht kommt noch jemand, vielleicht auch nicht. Sei es drum, wir würden die 5 € gerne bezahlen…
Die restliche Zeit bis zum Essen haben wir im Schatten unseres Platzes verbracht, in der Spitze hatten wir 33 Grad, wir sind froh nicht mehr unterwegs sein zu müssen. Zwischendurch hatten wir noch tierischen Besuch auf unserem Platz ein „hechelndes Huhn“ (sah irgendwie so aus), was irgendwie die nächste Zeit hier auf dem Platz rumwanderte

Gegen 19 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Pizzeria, wir bestellen und während wir warten, zeige ich den beiden Damen ein Bild aus 2022 und versuchen zu erklären, dass wir nur wegen dieser Pizza wir dieses Mal erneut Station in Sérignac machen um wieder ihr Geschäft zu besuchen und wieder die leckere Pizza essen zu können. Dem ist dann auch wieder so: die Pizzen sind wieder phantastisch, wir bekommen sie heute sogar auf einem Teller serviert, es gibt Besteck und für die Flasche Wein sogar Gläser.

Zwischendurch werden wir noch bedient, die Flasche landet immer wieder im Kühlschrank. Die Beiden sind einfach supernett, dafür gibt es natürlich auch extra „Pourboire“ – Trinkgeld.
Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir diese Pizzeria aufsuchen, irgendwie wird es wieder klappen, z.B. bei der geplanten „Tour de Naturiste“…
PS: dieser Bericht enthält zum Teil Informationen aus Wikipedia (durch * gekennzeichnet)
Reisetag 24 (+ 8 Ruhetage)
Tagesstrecke: 60 km
Tourstrecke 1459 km
Pannen: keine
CP Kosten: 5 € (theoretisch)
