Wir starten auch heute wieder früh in den Tag, heute allerdings ohne gleich im Ort Cruas die Tagesverpflegung zu kaufen – die Höhenmeter in den Ort sparen wir uns und beschließen im Nachbarort Rochemaure einen Boulanger anzufahren.

Direkt hinter Cruas müssen wir den Kernkraft-Standort „Cruas-Meysse“ umfahren

Das Kernkraftwerk besteht aus vier Druckwasserreaktoren. Mit dem Bau des ersten Reaktorblockes wurde am 1. August 1978 begonnen, dieser ging am 29. April 1983 in Betrieb. In den Jahren 1978 und 1979 wurde mit dem Bau von drei weiteren Reaktorblöcken begonnen, von denen der letzte am 27. Oktober 1984 in Betrieb genommen wurde. Die installierte Gesamtleistung liegt bei 3824 Megawatt, damit zählt das Kernkraftwerk zu den größeren in Frankreich.

2020 wurde eine Verlängerung der Laufzeit von 40 auf 50 Jahre durch die französische Regierung angekündigt und von der Autorité de sûreté nucléaire (ASN) 2021 unter Auflagen genehmigt. Die Blöcke laufen damit noch bis 2034/2035. (*).

So nah wie hier sind wir noch nie entlang gefahren, man konnte sogar das Rauschen des Kühlwassers hören, welches in den Kühltürmen kondensiert und im unteren Bereich wieder austritt. Dem Kraftwerk sieht man das Alter inzwischen irgendwie an, es hat auch nicht die typischen großen Kuppeln der Reaktorkerne. Es mag irrational sein, aber wir sind froh als wir uns vom Gelände wieder entfernen.

Der Stadt Rochemaure kommen wir dann Recht nah, weil sich die Radroute bis an den Rand der Stadt nähert. Ein Blick in die Osmand-Karte zeigt uns hier dann den kürzesten Weg zum Boulanger.

Die Anfänge des Ortes stammen aus dem 10 Jahrhundert. Oberhalb des heutigen Ortes auf einem Hügel befinden sich die Ruinen der Burg Rochemaure aus dem 12. Jahrhundert und einem Vorgängerbau Tour du Guast aus dem 10. Jahrhundert sowie die befestigte Altstadt.

Eine Sehenswürdigkeit ist die von Marc Seguin erbaute Hängebrücke aus dem Jahr 1859. Da diese marode war, wurde sie 2013 erneuert und steht seither wieder Fußgängern und Radfahrern zum Überqueren der Rhône zur Verfügung. Die drei Brückenpfeiler der sogenannten „Passarelle Himalayenne“ sind im mittelalterlichen Stil gestaltet, angepasst an die restliche Bebauung des Ortes (*).

Über diese Brücke führt auch unser Weg.

Der „Bodenbelag“ besteht aus Metallplatten, die beim Überfahren klappern. Seitlich ist neben der Bespannung noch ein Metallnetz als „Durchrutschschutz“ befestigt. Aufrechtradler sollen zudem die Brücke „á pied“ also zu Fuß nutzen, was für uns Liegereisende schwierig ist und darum weiter liegen bleiben. Trotzdem hat man beim Befahren irgendwie schon ein „Gefühl“ in der Magengrube, zumal die „Fahrbahn“ nicht so breit ist, dass sich zwei Radfahrer begegnen, dies geht nur in den Stützpfeilern selbst. Beim letzten Abschnitt sehen Entgegenkommende dann auch im letzten Moment, dass wir uns bereits auf der Brücke befinden und warten dankenswerterweise.

Nächster Halt ist dann der Intermarché in Le Teil – auf der anderen Flussseite liegt die Stadt Montélimar, die als Hauptstadt des Nougat gilt. Für den Montélimarnougat werden provenzalischer Honig und Mandeln aus der Umgebung verarbeitet (*).

Nach dem Einkauf noch ein kurzer Weg durch Le Teil und wir sind auf der nächsten, ehemaligen Bahntrasse, in diesem Fall ist sie Teil des Radwegs „Via Ardeche“ ist. Leider ist der nun durch uns befahrene Abschnitt noch nicht vollständig bis Saint-Jean-de-Sentenier – es fehlen noch ca. 4 km, die man dann auf der teilweise daneben verlaufenden Nationale N102 fahren muss – aber der fertige Teil von Le Teil aus ist wirklich schön (Spoiler: und schöner als der Rest, den wir später befahren).

Anfangs geht es für eine Bahnlinie mit ungewöhnlich starker Steigung los, nicht steil, aber für eine alte Eisenbahnline doch deutlich. Der Belag ist gut, wir werden durch mehrere Tunnel geführt

richtig schön.

Schließlich kommen wir an das aktuell offizielle Ende, es ist zwar noch weiter gebaut, aber ein Schild weist darauf hin, dass dies nur noch 1350 m so ist. Da ich beim Straßenbilderdienst im Internet gesehen, habe, dass es dann nur wenige hundert Meter danach auch eine „Abfahrt“ zu einer „normalen“ Straße gibt und der nicht fertige Bereich irgendwie befahrbar aussieht, wollen wir eigentlich weiter fahren. Ein uns entgegenkommender Radfahrer rät uns dann auf französisch davon ab, er meint mit unseren Rädern und dem Gepäck sollten wir nicht auf dem dort noch liegenden, offenen Schotter fahren.

Also drehen wir zur N102 ab und überwinden dann dort die Kilometer bis zum wieder fertigen Teil der „Via Ardeche“. Erstaunlicherweise läßt es sich hier auf der „Nationale“ ganz gut fahren, teilweise ist ein fast ausreichend breiter Seitenstreifen vorhanden und die verhältnismäßig leichten Steigungen werden durch unsere Motoren ausgeglichen. Da wir vorher vereinbart haben, dass wir versuchen mit maximaler Geschwindigkeit, also 25 km/h, fahren wollen, ist die Strecke auch schnell überwunden und wir fahren kurz vor Saint-Jean-de-Sentenier wieder auf die „Via Ardeche“ ein – und stehen vor einer „großen Schaufel Sand“, die Mitten auf dem Weg liegt, davor eine Gruppe anderer Radfahrer.

Wir versuchen herauszufinden, ob wir nun weiterfahren könnten (auf einer Seite des Haufens ist eine Lücke, die passen könnte), aber in der Gruppe reden mehrere gleichzeitig auf uns ein und bekommen nicht richtig mit, was nun Phase ist – bis eine Frau dann fragt, welche Sprache wir sprechen, als wir „englisch“, „deutsch“ sagen, können wir uns in Recht gutem Deutsch unterhalten (hätte auch auf Französisch geklappt, wenn nicht alle durcheinander geredet hätten.
Letztlich kommt heraus, dass wir weiterkönnen, wenn wir durch die Lücke passen, und dass die Strecke ab da durchgehend fertig/befahrbar ist. Also bedanken und verabschieden wir uns, „quetschen“ uns am Haufen vorbei auf die dahinter liegende Fahrbahn und setzen unsere Fahrt fort.

Hier ist die Oberfläche nicht mehr so glatt, wie beim Abschnitt zuvor, aber vielleicht ist er auch noch nicht vollständig fertig. Er besteht aus kleinen Kieseln, die (noch?) nicht durch Asphalt mit dem Untergrund „verklebt“ sind.

Im weiteren Verlauf dann immer Mal wieder „wunderschöne Fotomotive“, über Schluchten, landschaftlich ist es auch hier richtig schön.

Kurz vor Vogüé-Gare trifft dann von rechts der Bahnlinien-Radweg aus Aubenas auf unsere Strecke. Hier wusste ich durch den Internetstraßenbilderdienst, dass es sich lohnt noch einige hundert Meter in die Richtung zu fahren, weil dort die Linie über ein größeres Viadukt verläuft und der gesamte Bereich wirklich sehenswert ist – was sich dann auch bestätigt.

Nach ausgiebiger Fotosession geht es dann zurück nach Vogüé-Gare und wir suchen uns einen Platz im Schatten um zu essen. Da wir bis jetzt nur theoretisch wissen, wie weit wir heute fahren wollen – Balazuc war die Idee – schauen wir nach weiter hinten auf der Strecke liegenden Campingplätzen um heute noch dichter an die Domaine Sablière heranzurücken. Herausgekommen ist dann der Campingplatz Peyroche in der Nähe des gleichnamigen Ortes, gleich neben Ruoms, von hier keine 13 km mehr.

Der weitere Verlauf ist dann (wie schon angedeutet) leider eher unspektakulär, leider nicht so spannend und sehenswert, wie ich die Strecke insgesamt erwartet hatte. Ab und an öffnen sich immer Mal „Fenster in die Landschaft der Ardeche“, ich hatte mir aber mehr Nähe zum Fluss, zu den Schluchten usw. erhofft. „Via Ardeche“ bezieht sich beim Radweg also auf die Ardeche als Departement, nicht auf den Fluss und die bekannten Felsformationen usw..

Wer mehr über die ehemalige Bahnlinie und das „Werden“ zum Radweg der „Via Ardeche“ wissen möchte, der kann sich ev. den französischen Wikipedia-Artikel ansehen, den es leider nicht in deutscher Sprache gibt:

https://fr.wikipedia.org/wiki/Via_Ard%C3%A8che

Oder auch die offizielle Seite der Route:

https://via-ardeche.fr

Bei Balazuc fahren wir an der „Abfahrt“ zum zunächst anvisierten Campingplatz vorbei und werden bestätigt, dass wir weiterfahren sollten: es geht über einen „Sandweg“ relativ steil abwärts – da hätten wir morgen beim Wiederauffahren wahrscheinlich Probleme bekommen. Also weiter bis Ruoms, noch ca. 8 km, wo die Bahnlinie wieder mitten durch den Ort führt. Dort sollte sich die Zufahrt zu den Campingplätzen wieder einfacher gestalten, was dann letztlich auch so ist.

Balazuc selbst soll eigentlich ein sehr sehenswerter, alter Ort sein. Es ist eine französische Gemeinde mit 389 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Ardèche der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Die Bewohner werden Balazucains und Balazucaines genannt. Der Ort thront malerisch gelegen auf der Spitze eines steilen Felsenhanges, der die Ardèche überragt und ist deshalb als eines der Plus beaux villages de France (schönste Dörfer Frankreichs) klassifiziert (*).

Also für Radfahrer offensichtlich nicht so einfach zu erreichen.

Schließlich erreichen wir Ruoms, zweigen ab Richtung Peyroche und dem Campingplatz. Auf dem Camping Peyroche können wir uns dann wieder einen Platz aussuchen und planschen auch hier anschließend zur Abkühlung wieder in den – neuen und sehr schönen – Pool. Zur Abwechslung ist dieser Mal nicht in typischen „Pool-blau“, sondern in edlem schwarz-grau, sehr schick.

PS: dieser Bericht enthält zum Teil Informationen aus Wikipedia (durch * gekennzeichnet)

Reisetag 14 (+ 1 Ruhetag)
Tagesstrecke: 68 km (+1 km)
Tourstrecke 913 km
Pannen: keine
CP Kosten: 25,52 €

Ruoms (30.05.2026)

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