Die Nacht in Besançon war nicht mehr so kalt wie die Letzten, zum ersten Mal brauchten wir nicht mehr neben den Decken noch die Jacken auf die Schlafsäcke um nicht zu frieren. Es soll insgesamt jetzt auch von der Wetterseite her schnell (eher sehr schnell) wärmer werden, wahrscheinlich ist heute der letzte Tag, wo wir noch mit langen Ärmeln fahren, weil der Wind bei durchziehenden Wolken noch frisch ist – in der Sonne ist es schon richtig warm.

Wie bis jetzt jeden Morgen muss auch heute das Zelt wieder trocken gewischt werden, es hat auch heute Nacht wieder einen Schauer gegeben. Mittlerweile geht auch das wieder schneller von der Hand und wird können es einpacken – gut so, denn es zieht eine dicke Wolke über uns, die wieder nach Regen aussieht, aber es bleibt trocken.

Es geht heute nach Orchamps, laut Track etwa 52 km. Erneut verabschieden wir uns von Axel und Milan, deren Ziel heute Dole ist (etwa 15 km weiter) und ziehen gegen halb Elf von Dannen.

Unsere Verpflegung wollen wir uns in Besançon holen, noch etwas 8 km von hier. Anfangs geht es wieder an der Straße zurück zum Radweg am Kanal, teilweise wird der Weg anschließend auch immer Mal zusammen mit dem Autoverkehr geführt, aber hier fahren die Autofahrer wieder wieder gewohnt rücksichtsvoll und überholen in weitem Bogen.

Als wir auf dem uns schon bekannten Weg Richtung Festungsberg, vor dem Kanaltunnel sind (siehe 2022), stehen wir dann plötzlich vor einem Bauzaun – Route barré – Strecke gesperrt, der EV6 wird hier umgeleitet. Na toll denke ich dann so bei mir, jetzt fahren wir also nicht durch den Tunnel auf die andere Seite sondern müssen womöglich das ganze Stück dem Doubs folgen, was mehrere Kilometer Umweg bedeutet.

Aber was hilft es, weiter geht es hier definitiv nicht. Also fahren wir auf die andere Seite und müssen dann ein ganzes Stück durch ein Industriegebiet fahren, nicht schön zu fahren, unterhalb der Festung wäre deutlich schöner. Nun taucht links auf der anderen Seite der uns schon bekannte Tunnel auf, doch wir müssen daran vorbeiziehen, rüber geht es hier nicht. Dann kommt wieder ein Schild „Déviation“ – Umleitung, zurück Richtung Ufer, ein wenig später taucht eine Brücke auf über die wir dann wieder auf die „richtige“ Seite fahren und auf der anderen Seite werden wir jetzt tatsächlich zum Tunnel geführt, allerdings steht direkt vor der Brücke vor dem Tunnel ein Servicewagen, wie wir schon von oberhalb sehen können – dürfen wir trotzdem durch?

Die Schleife runter und ja, an der Seite hat der Fahrer eine Gasse gelassen und wir fahren durch, werden hinter dem Fahrzeug noch vom Arbeiter gegrüßt. Dieses Mal will ich dann noch ein Bild machen, rechts ran, Handy raus, knips, fertig und weiter (siehe Titelbild).

Im Tunnel kommt uns dann noch ein Radfahrer ohne Licht entgegen, da wir, wie wir gerade feststellen, vergessen haben die Sonnenbrille abzunehmen nicht ganz so angenehm, aber sonst ist die Fahrt hindurch recht schnell beendet

TUNNEL DE LA CITADELLE
(Zitate von http://www.fluviacarte.com/)

Der Tunnel der Zitadelle führt mit seinen 375 m unter der Altstadt von Besançon hindurch und kürzt die grosse Schleife durch die Stadt ab. Am westlichen Eingang der Abzweigung befindet sich die Schleuse in den ersten Metern des Tunnels, was ziemlich einzigartig ist.

Auf der anderen Seite müssen wir uns noch kurz orientieren, hier ganz in der Nähe ist der Bäcker, wo wir unser Brot kaufen wollen, es riecht hier auch schon nach frisch gebackenen Brot. Etwas weiter links ist einn Parkplatz, wir stellen uns dort hin und ich gehe in die Bäcker. Ein ganz kleiner Laden, links und vorne ein Tresen, rechts kann man in die Backstube schauen, wo der Bäcker gerade dabei ist weiteres Brot zu wirken. Das haben wir auch noch nicht gehabt und – Spoileralarm – das gekaufte Brot ist sehr lecker.

Danach geht es weiter, nächster größerer Ort ist Thoraise, wo der Kanal auch wieder durch einen Tunnel führt und wir machen dieses Mal auch ordentlich Bilder.

Hier fährt man als Radfahrer leider nicht den leichten Weg neben dem Kanal, wir müssen jetzt aber über den Berg. Unseren Motoren sei Dank ist das dieses Mal aber deutlich weniger anstrengend, es ist auch nicht so hoch wie in Besançon.

Unterwegs immer wieder Schleusen, eingerahmt von wunderschöner Landschaft.

Nur wenige Kilometer, kurz vor Oselle wird dann am Kanal gearbeitet, ein Bagger vor uns auf dem Weg „deutet an“ warum wir erneut auf das Schild „Route barré“ blicken. Also folgen wir der Umleitung, einmal rechts, etwa 500 Meter wieder links und nach wenigen weiteren 100 Metern sind wir wieder auf dem Radweg. Etwas weiter in Osselle, wo damals der Campingplatz geschlossen war und wir uns über den Berg gequält haben. Es sieht zwar so aus, als ob an dem Platz was passiert, insgesamt gepflegt, aber geöffnet ist er wieder nicht, erst ab 1. Juni könnte man dort übernachten. Da wir eh nicht wussten, ob hier geöffnet wäre, haben wir diesen Platz gar nicht erst in Betracht gezogen.

Manche Fotos passen vielleicht nicht immer zum Text, aber um die Vielfalt der Route zu zeigen…

Statt über den Berg nach Quingey verläuft unsere Route dieses Malweiter den Kanalweg entlang – den nun folgenden Abschnitt bis Dole bzw. Chiossey kennen wir somit noch nicht. Um es vorwegzunehmen: er ist auch nicht mehr annähern so toll wie die Etappen zuvor, was aber vor allem daran liegt, dass wir hier aus den Bergformationen des französischen Jura herausfahren, es wird merklich flacher, im Bereich von Dole ist es sehr flach, quasi „plattes Land“, wie wir 2022 ja auf dem Rückweg von Arbois auch schon festgestellt haben. Hier ist es darum oft so wie an jedem anderem Kanal auch, es geht viel geradeaus, Schleusen und Brücken sorgen für etwas „Abwechslung“, spannend ist anders.

Etwa 5 km vor Orchamps steht uns dann erneut eine Sperre im Weg, dieses Mal aber keine „ortsnahe Umleitung“, stattdessen werden wir etwas weiter weg geführt über eine „normale D“ in Richtung der Nachbarorte. Nach etwa 4 Kilometern dann zurück zum Kanal und auf direkten Weg auf Orchamps zu. Vor dem Kanal sehen wir schon das Schild zum Campingplatz Municipal Orchamps, noch etwas weniger als einen Kilometer und wir sind da. Ein sehr interessant gelegener Platz, begrenzt auf der einen Seite durch den Doubs, auf der anderen Seite der Kanal mit dem seitlichen Radweg, insgesamt vielleicht 15-20 Meter breit, vielleicht 200 Meter lang, keine 30 Stellplätze und keine Abgrenzung zum Radweg. In der Mitte ein Container als Rezeption und ein Gebäude mit Saniär.

An der Rezeption steht „Ouvert“, was aber nicht verwunderlich ist, einige Plätze sind belegt, aber die Tür des Containers ist geschlossen. Wir schauen uns noch die Tarife an, es steht eine Nummer dabei, die man anrufen soll. Wir drehen uns um und wollen uns erstmal einen Platz aussuchen, als ein Mann aus dem Vorzelt des neben der Rezeption stehenden Wohnwagens tritt und uns anspricht, ob er helfen könne. Letztlich können wir gleich bezahlen – Platz für Radfahrer mit Zelt, inkl. warmer Dusche und Elektrizität für 10 Euro, so günstig haben wir die ganzen Tage noch nicht gestanden.

Und wir dürfen unter einem (Party-)Zeltdach aufbauen, ein Service des Platzes. Ja wie geil ist das denn? Das sollte dafür sorgen, dass wir morgen früh ein quasi trockenes Zelt habe, ohne viel Kondens.

Die Entscheidung für diesen Platz war absolut richtig. Einziger Nachteil: Einkaufen ist hier schwieriger (nicht unmöglich), aber wir gehen den einfacheren Weg: abends Essen in Orchamps.

Tagesstrecke: 55 km
Tourstrecke: 323 km
Pannen: keine
CP Kosten: 10 €

Orchamps (20.05.2026)

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