Als wir heute Morgen aufgestanden sind – etwas später als sonst, weil wir kein Zelt abbauen mussten und die heutige Etappe nur knapp 23 km lang werden würde – war es schon bewölkt und es war auch Regen vorhergesagt. Bis 11 Uhr mussten wir das Pod gereinigt übergeben, darum sind wir nach dem Frühstück mit dem Packen angefangen. Und dann das erste positive Erlebnis heute: als ich Wasser zum Wischen hole, begegnete mir der Herr, der für die Kontrolle zuständig ist und er versuchte mir verständlich zu machen, dass wir nicht sauber machen müssten.

Er begleitet mich dann zum Pod und versucht auch Marion noch klar zu machen, dass er es machen würde, wir sollten einfach zur Rezeption gehen und sagen, dass er das Pod abgenommen hätte und wir so die Kaution zurückbekommen würden. Letztlich begegnet er Marion dann noch bei der Rezeption und er erklärte dann dem Empfang, dass alles in Ordnung wäre, Marion bekommt die 250 Euro zurück und alles ist gut.

Zurück beim Pod taucht er dann wieder auf und beginnt zu reinigen, dabei drückt er uns noch einen weiteren Karton mit dem „Begrüßungsgeschenk“ in die Hand und zwei weitere der darin enthaltenen kleinen Spülmittelfläschen. Wir haben uns dann für alles mit einem „kleinen Trinkgeld“ bedankt. Das war schon ein schöner Start in den Tag!

Anschließend machen wir uns auf den Weg Richtung Retzwiller, wo uns Claudia und Henri als Warmshowers-Gäste empfangen werden. Allerdings erst um 17 Uhr, daher brauchen wir uns auch unterwegs überhaupt nicht zu beeilen.

Der EV6 verläuft direkt vor dem CP , wir sind dann auch schnell aus Mulhouse raus und wir hatten wieder den Radweg mehr oder weniger für uns. Abseits vom Autoverkehr, es wird landschaftlich immer schöner und wir geniessen die Ruhe und die Umgebung.

Wie schon durch Christine beschrieben wird der Kanal durch viele Schleusen geführt. Da wir aktuell zur Wasserscheide hinauf fahren, machen wir Schritt für Schritt durch die Schleusen recht ordentlich Höhenmeter. Allerdings merkte man diese kaum, weil die Anstiege immer „kurz und knackig“ direkt bei den Schleusen sind (und davon gibt es reichlich). Dazwischen verläuft der Radweg mehr oder weniger plan und ist prima zu befahren. Die Schleusen sind teilweise richtig alt und urig anzusehen, man hat teilweise den Eindruck die Zeit sei hier stehengeblieben.

Je näher wir Dannemarie kommen, um so kürzer wurden die Strecken zwischen den einzelnen Schleusen. Wie wir noch erfahren werden ist die Wasserscheide etwas hinter Retzwiller, danach beginnt dann der Abstieg.

Irgendwann treffen wir dann wieder unseren alten Bekannten: den Regen. Erst tröpfelt es nur, geht dann aber langsam aber sicher in einen richtigen Dauerregen über – es wird richtiggehend ätzend. Obwohl es nur eine so kurze Strecke ist, dauerte es über zwei Stunden bis wir endlich in Dannemarie sind – vorher gab es nirgendwo eine Möglichkeit sich unterzustellen. In Dannemarie ist direkt an der Route ein kleines Restaurant wo wir Licht entdecken. Wir stellen unsere Räder ab, ziehen die Regenklamotten aus und gehen rein. Es gibt unterschiedliche Nudeln mit unterschiedlichen Saucen – lecker aber für die Portionen (in kleinen Papp-Behältern) doch recht teuer.

Was uns aber im Moment egal war, innen ist es warm und trocken und sagte ich schon, dass es warm ist?

Dann bemerkt Marion, dass Claudia geschrieben hat, dass wir auch früher kommen könnten. Wir fahren also nach dem Essen direkt weiter, es sind jetzt noch knapp 2 Kilometer bis Retzwiller. Der Regen hat zwischenzeitlich auch etwas nachgelassen und nach weniger als 15 Minuten stenhen wir vor dem Haus unserer Gastgeber, ein wunderschönes, liebevoll restauriertes, älteres Haus.

Claudia öffnete uns und bittet uns in den Hof zu fahren. Dort begrüßen wir uns richtig und wir können unsere Räder in eine offene Garage fahren. Nachdem wir uns die nassen Regensachen und die Radschuhe wieder ausgezogen haben, folgen wir Claudia mit unserer „Klamotten-Ortlieb“ ins Haus, wo sie uns „unser“ Zimmer im zweiten Obergeschoss zeigt, welches für für heute Nacht beziehen dürfen. Hier erleben wir die die zweite tolle Erfahrung heute: Claudia hat sich sehr viel Umstände für uns gemacht: nicht nur das eigene Zimmer, darin frisch bezogene Betten und ein eigens Bad mit Details wie im Hotel: z.B. die gefaltete Spitze des Toilettenpapiers usw.

Auf dem Bett liegt ein vollständiges Handtuch-Set und jeweils zwei „Betthupferl“ auf den Kopfkissen, an der Tür ein kleines Willkommens-Schild mit unseren Namen und und und.

Kurzum tut diese Warmherzigkeit einfach gut nach dem Regen des Tages.

Wir duschen, ziehen uns trockene Sachen an und gehen dann runter ins Wohnzimmer und tauschen uns erst einmal aus. Nach einer Weile kommt auch ihr Mann Henri dazu, es gibt Wein, französischen Käse, ein leckeres Essen, Nachtisch darf nicht fehlen und der Tag endete mit einem schönen gemeinsamen Abend und guten Gesprächen.

Etwas Statistik

Zurückgelegte Tagesetappe: 23 km

Insgesamt geradelte Reise: 605 km

Platten: 2

Retzwiller (24.4.2022)

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