Eigentlich hatten wir für heute Nacht starken Wind erwarten und hatten sogar unser Zelt rundum komplett „verpinnt“, also alle Abpannungen mit Heringen an den Boden gespannt, aber es war dann letztlich nur ein „laues Lüftchen“. Aber es ist mal wieder kühler heute morgen, nur 13 Grad. Daher entschließen wir uns zumindest anfänglich mit langen Ärmeln zu fahren.
Da wir hier im Ort keine Marschverpflegung bekommen können, wie wir gestern auf der Suche nach einem Abendessen schon festgestellt haben, wurde als erste Station ein kleiner Lebensmittelladen – Épicherie genannt in Soubès, etwa 12 km von hier ausgewählt. Das ist halt der Nachteil, wenn man im „ruralen“ Frankreich unterwegs ist, die Versorgung ist nicht besser…
Um 9 Uhr rollen wir vom Campingplatz und es geht (immer noch über die D25) gleich am Anfang mehr runter als rauf, aber nichts, was man unbedingt immer wegbremsen muss. Das geht erst hinter Saint-Pierre-de-la-Fage los, das Gefälle ist schon ordentlich, klar, alles was wir gestern hochgekurbelt haben, muss auch wieder runter. Hier sind es allerdings keine Serpentinen, es geht zwar kurvig nach unten, aber eben keine Spitzkehren. Wir lassen immer Mal wieder rollen um dann die Geschwindigkeit vor allem vor Kurven wieder fast vollständig rauszunehmen und machen zusätzlich an entsprechenden Möglichkeiten Pausen um den Bremsen die Möglichkeit zu geben etwas abzukühlen. Zum Glück ist es aktuell immer noch nicht wirklich warm, was dem Prozedere durchaus entgegen kommt und wir erreichen ohne „Blessuren“ das Ende des starken Gefälles bei Soubès.
Ich suche mir den besten Weg zur Épicherie raus – rauffahren lohnt nicht, wäre ein ziemlicher Umweg und deutlich nach oben, maschiere also los, der Ort ist durchaus ansehnlich.

Leider muss ich ohne Beute zurückkehren, der Laden hatte kein Brot (mehr), obwohl draußen sogar groß „Depot du Pain“ am Gebäude steht. Auskunft des Verkäufers: nächster Bäcker in Lodève, dem nächsten größeren Ort. Also den gleichen Weg zu den Rädern zurück, wo Marion wartet und weiter.
Zum Glück ist es bis Lodève wirklich nicht mehr weit, weiterhin meist bergab und ich kürze die Strecke noch durch den „Hop“ über die größere D609 den Track etwas ab, denn es ist nicht viel los. Einen kurzen Moment später sind wir in Lodève und steuern einen E’leclerc an, bei dem wir dann unser Frühstück, unser Mittagsbrot und ein paar andere Dinge einkaufen – irgendwie ist es doch schön wieder in „versorgteren“ Umgebungen unterwegs zu sein.
Der Abstecher war wirklich schön, wir bereuen diesen Weg kein Stück, es war von der Landschaft her eine absolute Wucht – aber die Versorgung mit Essen ist gerade wenn man mit Rädern unterwegs essentiell.
Lodève ist nun auch keine große Stadt und so sind wir auch schnell wieder raus, anfangs geht es über die D148 durch einen Bereich, der offensichtlich Mal sowas wie ein Gewerbegebiet war. Alte Fabrikgebäude am Straßenrand, teilweise verfallen, aber irgendwie auch sehenswert. Dann geht es endgültig wieder in ländlichere Bereiche und langsam verändert sich die Landschaft erneut. Es tauchen immer mehr rötliche Fels-/Steinformationen auf für die diese Gegend auch bekannt ist. Und wir müssen Mal wieder einen Hügel überwinden, der uns auf der anderen Seite eine schöne, schnelle Abfahrt beschert bevor wir an den See „Lac du Salagou“ kommen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Lac_du_Salagou
In dem Artikel wird auch das rote Gestein beschrieben, lesenswert…

Nach unserer Mittagspause weicht unsere Route dann von den größeren Ds ab, wir fahren wieder Mal „übers Land“ unter anderem durch „Mas du Clergues“, die Oberfläche der Straße lässt hier doch stark zu wünschen übrig, aber es sind kaum Autos unterwegs. Dann geht es auf die D8 E3, eine relativ kleine Straße und auch wieder über die Dörfer. Inzwischen ist das Gestein durchgängig rötlich, wo viel offener Fels zu sehen ist, hat es teilweise schon ein bißchen von „Grad Canyon“.

Die Landschaft rund um uns herum ist fast unbeschreiblich schön – und es geht wieder bergauf, wir sind auf dem Weg des letzten größeren Aufstiegs unserer Reise. Kein Vergleich zu gestern, aber ca. 200 hm sind es auch heute wieder.
Wir wechseln auf die D8 und müssen immer wieder Fotopause machen um die Momente festzuhalten.

Auf dem Col, der Passhöhe, ist der Blick nach unten zwar nicht so gigantisch, wie gestern, trotzdem macht sich ein gutes Gefühl breit.

Dann geht es relativ gemächlich Richtung Le Mas Blanc und Bédarieux wieder runter – schneller als rauf…
In Bédarieux fahren wir noch ein gutes Stück durch die Stadt, bevor wir auf den Bahnhof zufahren, dahinter beginnt dann (wieder) eine alte Bahntrassen, die bis Mazamet unser Weg sein wird. Am Bahnhof fahren wir noch kurz auf die linke Seite der Straße, weil ich ihn fotografieren will.

Hier gilt Partagé, also gemeinsam mit dem Autoverkehr, von daher dürfen wir hier sein. Und wie es der Teufel will, genau in dem Moment, wo ich das Foto schieße, kommt ein Autofahrer, der genau gegenüber unserer Räder abbiegen will. Es ist nun nicht so, dass es an der Stelle super eng und superschmal wäre, aber der alte, grießgrämige weiße Mann am Lenkrad macht ein solch unverschämt muffeliges Gesicht, dass andeutet: „seht zu, dass ihr Land gewinnt“. Marion hätte er dann fast noch gestreift und wir sind kopfschüttelnd von Dannen gezogen. Menschen ging’s…
Völlig unverständlich wie man so unfreundlich sein kann, der Begriff „alter weißer Mann“ trifft hier vollends zu! Ein kurzer Blick in unsere Richtung, einfach andeuten, dass man „da“ rein will und wir hätten freundlichst Platz gemacht, doch so … sorry, ich fand das so unmöglich, das musste hier jetzt genau so in den Bericht rein…
Der weitere Weg bis zu unserem (eigentlich) geplanten Weg ist dann unspektakulär, wir fahren auf dem Bahntrassenradweg bis Lamalou-les-Bains, kaufen ein und radeln dann zum Campingplatz „Domaine de Gatiné“, wo uns dann recht unfreundlich bekanntgegeben wird „nous sommes complét“, also voll. Dabei haben die sogar das „Accueil vélo“ Zeichen, und ein Platz für ein Zelt dürfte es fast immer irgendwo geben, soooo voll sah es nun auch wieder nicht aus. Aber egal, wäre wahrscheinlich sowieso nur teuer geworden. Wir schauen, wo ist der nächste Platz, was hier zum Glück keine -zig Kilometer bedeutet, finden einen Ferme-Campingplatz, also Bauernhof, etwa 8 km weiter.
Dort werden wir absolut freundlich von einer Dame empfangen, sie hat Platz, wir bekommen alles gezeigt und können unser Zelt aufschlagen. Es ist zwar wieder alles relativ einfach, Dusche und Toilette in einem Raum, nicht abschließebar usw. aber es ist sauber und wir können Herd, Kühlschrank usw. nutzen.
PS: dieser Bericht enthält zum Teil Informationen aus Wikipedia (durch * gekennzeichnet)
Reisetag 18 (+ 8 Ruhetage)
Tagesstrecke: 70 km
Tourstrecke 1162 km
Pannen: keine
CP Kosten: 22 €
