Die Nacht in „Bredene“ war feucht, eher nass, es hat ordentlich Regen gegeben und als ich morgens aufwache sehe ich auf dem Regenradar, dass es möglicherweise nur eine relativ kurze, trockene Phase gibt. Also wieder sofort aufstehen und im Eiltempo alles zusammenpacken, das Zelt von außen trocknen – genau wie gestern…
Darüber, dass wir heute Belgien verlassen – noch ca. 35 km bis zur niederländischen Grenze – sind wir nicht unbedingt traurig. Wie schon gesagt: diese zugebaute Küstenlinie ist nicht unsers, Urlaub hier? Never! Heute soll es nach „Zeeland“, genauer nach „Middelburg“ gehen, laut Track 69 km, davon allerdings etwa 4 km Seeweg per Fähre.
In „De Haan“ weichen wir dann noch vom Track ab um Wegzehrung einzukaufen, dabei müssen wir dann auch noch zweimal umplanen, weil zwei Straßen gesperrt sind, einmal wegen eines (Floh?)Marktes und einmal wegen Straßenbauarbeiten. Dann geht es weiter nach „Wenduine“, „Blankenberge“, „Zeebrugge“, „Heist-aan-Zee“, „Knokke“. Mittlerweile fahren wir meistens auch nicht mehr an der sowieso nicht schönen Küstenlinie auf der Promenade, wo es eigentlich dem EV4 nach langgehen soll, sondern auf dem Radweg der parallel verlaufenden N-Straße. Optisch natürlich nicht schön, aber hier braucht man wenigstens nicht ständig Fußgängern ausweichen, die blindlings kreuz und quer über die Promenade laufen.
Zum Glück hat sich der angekündigte Regen nicht bewahrheitet, im Gegenteil, es ist zeitweise richtig schön mit einem Sonne-Wolken-Mix und angenehm warm.
Hinter „Knokke“ wird es dann wieder etwas „augenfreundlicher“, denn es geht durch ein Dünen und Poldergebiet

und dann über einen Deich um das „Natuurreservat Het Zwin“. Hier befindet sich auch die Grenze zu den Niederlanden befindet – wieder heißt es umflaggen.

Auf der niederländischen Seite führt der EV12 dann über einen Radweg mitten durch die Stranddünen. Eigentlich auch ganz schön, aber auch ganz schön anstrengend. Nicht nur, dass es in den Dünen rauf und runter geht – nein – immer wieder wird man auch ganz runter auf eine Straße geführt um dann kurze Zeit wieder rauffahren zu müssen, eigentlich dachten wir die Höhenmeter liegen hinter uns. Und dann auch dort flanierende Touristen, zu dritt nebeneinander fahrende Fahrradfahrer usw…

Irgendwann wird es uns dann zu bunt und wir bleiben unten um auf einer parallelen Straße so lange es geht. Die letzten Kilometer zur Fähre bei „Brekens“ müssen wir dann aber auch „oben“ fahren um nicht einen großen Umweg in Kauf zu nehmen.
Die Fähre ist dann mal eine angenehme, weil sehr positive und entgegenkommende Erfahrung. Eine Dame des Personals bei der Ticketstation erklärt sehr nett die Bedienung des Automaten und wie wir mit unseren Rädern zu Fähre kommen. Im (recht großen) Warteraum brauchen wir dann auch nur kurz zu warten, dann kommt auch schon die Fähre an den Anleger gefahren und wir können auffahren.
Die Überfahrt nutzen wir für eine Kaffeepause, es gibt einen Automaten an Bord

und nach 15 Minuten erreichen wir schon „Vlissingen“. Am Ausgang des Fähranleger haben wir dann noch einen längeren Plausch mit zwei Damen, die offensichtlich auch die Überfahrt genutzt haben, und die äußerst begeistert über unsere Erzählungen der Reise sind.
Von „Vlissingen“ aus sind es dann nur noch etwa 7 oder 8 Kilometer bis zum „Stadscamping Middelburg“. Es geht wieder einmal ein Stück am Kanal entlang und über eigens für Radfahrer angelegte „Fietspadd“ über die quasi höhenmeterfreien Lande.

Am CP werden wir ebenfalls sehr freundlich bedient und wir können unser Zelt aufbauen.
Letztlich ist es auch heute wieder den ganzen Tag über trocken gewesen (bis auf wenige kleine Tropfen Marke „Mückenpisse“). aber auch jetzt sieht es wieder nach Regen auf. Somit „same prcedure as yesterday“: zügig das Zelt aufbauen bevor es losgeht und wieder ist es seitens des Wetters nur bangemachen.
Aber irgendwie schafft es der Regen doch immer uns ausfindig zu machen, als wir wieder abends in die Stadt gehen fängt es an zu regnen,

was uns dazu verführt in ein Lokal einer Burgerkette (burgerme) zu gehen. Im Lokal ist nichts los (hätte uns schon stutzig machen müssen) und wir bestellen jeder ein „Burgermenü mit Vorspeise und Pommes. Der Preis hat sich dann wirklich gewaschen: wir zahlen mit einem Getränk insgesamt 40 € (was auch noch ein Angebot ist) – da muss jetzt aber was kommen. Aber Pustekuchen: durchschnittliche Burger, ja mit frischen Auflagen, aber so großartig, dass sie das Geld wert gewesen wären nicht. Erklärt wohl selbstredend, warum im Lokal nichts, gar nichts los war, während wir gegessen haben.
Naja, wenigstens sind wir satt geworden und machen uns auf den Weg zurück zum Campingplatz, wobei wir uns noch ärgern nicht früher gegangen zu sein. Erstens wäre es da noch trocken gewesen, zweitens hätten wir dann noch was von der offensichtlich ganz hübschen Stadt gesehen


und drittens wäre unser Ziel dann eine „normale“ Frittenbude mit Frikandel, Kroket usw. gewesen – die machen aber hier um 20 Uhr schon zu. Schon blöd, wenn man noch französische Essenszeiten gewohnt ist, da geht es in der Regel erst um 19 Uhr los.
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 67 km
Insgesamt geradelte Reise: 3967 km
Platten: 5
