Vorab noch eine Information: wir hatten zwischendurch relativ schlechten Empfang, oder hatten schlicht keine Lust mehr. Darum kann es immer Mal vorkommen, dass scheinbar nicht mehr weitergeht. Dem ist nicht so, wir werden weiter berichten, es kann nur immer Mal ein paar Tage dauern…

Die Nacht war recht ruhig in Liouc, es gab zwar ein paar, die meinen, dass deren Motorradläm auch andere Menschen erfreut, aber sonst haben wir gut geschlafen und sind gegen 7 Uhr aufgestanden und um 8:30 Uhr wieder unterwegs mit dem Ziel La-Vaquerie. Es stehen zwar „nur“ 68 km auf dem Plan, aber die Höhenmeter haben es heute in sich. Auf dem anfänglichen Bahntrassenradweg zwischen Quissac und Ganges hält es sich prinzipbedingt noch in Grenzen, aber hinter Ganges fahren wir im Tal der Vis mit anschließender Auffahrt auf eine Art Hochplateau. Doch der Reihe nach…

Die wenigen Kilometer zwischen Liouc und Quissac legen wir schnell zurück, holen uns wieder Verpflegung beim Boulanger und steuern dann den Radweg an.

Die ehemalige Bahntrasse ist Teil der Strecke Le Vigan-Quissac, wobei derzeit nur der Teil zwischen Sumène und Quissac als Radweg (V85) ausgebaut ist, wir fahren heute „nur“ bis Ganges. Der Bahnverkehr wurde 1872-1874 in Betrieb genommen, diente dem Personen- und Güterverkehr und wurde zwischen 1969 und 1986 geschlossen (*).

Den Abschnitt, den wir heute befahren ist wieder asphaltiert, so dass wir relativ gut vorankommen. Anfangs haben wir in Quissac noch ein Schild ignorieren können, dass der Weg auf Grund von Mäharbeiten geschlossen sein sollte. Etwas weiter waren dann tatsächlich Mäharbeiten in Gange, die Arbeiter haben kurz gestoppt und wir konnten problemlos passieren.

Wir hatten vorher besprochen, dass wir erst einmal mit der Motorunterstützung sparsam sein wollen, so dass unsere Geschwindigkeit mehr bei 15 als 20 km/h beträgt, es geht also etwas langsamer voran, was aber auf Grund der Schönheit dieses Streckenabschnitts überhaupt nichts macht, so bekommt man noch mehr mit, kann länger genießen.

Etwa 15 km weiter, an einer Kreuzung ein Stück vor Saint-Hippolyte-du-Fort dann das nächste Schild „Route barrée“, dieses Mal ist die Wiederauffahrt auf den Radweg abgesperrt und es ist keine Umleitung ausgeschildert. Ein Blick in die Karte zeigt, wir können jetzt ein Stück die Straße nutzen, kommen dann auch in den gerade genannten Ort und können dort (hoffentlich) den Radweg weiter nutzen – was dann auch klappt.

Im weiteren Verlauf tauchen immer wieder sehenswerte Fotomotive auf

wir durchfahren wieder einmal einen Tunnel und nähern uns langsam aber sicher Ganges, auch wieder eine alte Stadt, die erstmals im 12 JH urkundlich erwähnt wird, aber Funde von gallo-römischen Gräbern und Münzen beweisen eine deutlich frühere Besiedlung.

Der Ort ist nicht ganz klein, aber wir werden einigermaßen „smart“ durchgeleitet, zwar mit den in Frankreich typischen Verschwenkungen, aber letztlich funktioniert es irgendwie.

Schließlich überqueren wir über eine alte Brücke, die nur noch für Radfahrer und Fußgänger freigegeben ist, den Fluss „L’Herault“

und kommen so in das Tal der Vis. Wunderschön, fast schon malerisch, gut zu fahren, auch wenn die D25 eine „normale“ Straße ist. Wahrscheinlich bedingt durch die zum Teil sehr nah an die Fahrbahn herabragenden Felsen auf der einen Seite, der Mauer auf der Seite des Flusses und den vielen Kurven verhalten sich die Autofahrer hier zumeist ziemlich gesittet, es ist insgesamt auch wenig Verkehr unterwegs, so dass es sich angenehm fahren lässt.

Je weiter wir vorankommen um so höher und schroffer werden die Berge, in solchen Bereichen sind wir noch nie mit den Rädern unterwegs gewesen und wir bereuen es kein Stück uns für diesen Abschnitt entschieden zu haben. Wieder zeigt sich, dass die Motoren Landstriche für uns erschließbar machen, die wir ohne gemieden hätten.

In L’Escoutet entdecken wir einen Parc Municipal direkt an der Fahrbahn, mit großen Bäumen, Bänken, Wasserstelle und Toiletten, wie gemacht für uns und wir beschließen hier unsere Mittagspause zu machen – kommt zeitlich auch perfekt hin. Im Park sehen wir dann auch noch Steckdosensäulen, ich teste, ob die Strom haben – leider nein, schade, ein wenig nachladen während der Pause wäre schon cool gewesen.

Hinter dem Ort steigt die Straße langsam stärker an, wir nähern uns auch den Serpentinen, die uns insgesamt deutlich über 300 m höher auf über 600 m bringen werden. Landschaftlich ist es weiterhin eine wahre Wonne, auch wenn es jetzt durch die stärkere Steigung auch für uns anstrengender wird. Wir halten mehrfach auf dem Weg nach oben an den Spitzkehren der Serpentinen an, gönnen den Motoren Pause, machen Bilder und können fast von ganz oben nach ganz unten sehen, atemberaubend schön…

Auf dem letzten Teil vor Saint-Maurice-Navacelles steigt es dann wieder gemäßigter an. Leider findet sich kein Passhöhenschild, so dass das Ortsschild als „Beweis“ dienen muss.

Im Ort herrscht mehr Betrieb als erwartet, vermutlich hängt das mit der relativen Nähe zum „Cirque de Navacelles“ zusammen

Cirque de Navacelles

Der Cirque de Navacelles (ein Talkessel) ist eine große Karformation in Okzitanien im Süden von Frankreich, südlich des Zentralmassivs, die durch Erosion entstanden ist (*).

https://de.wikipedia.org/wiki/Cirque_de_Navacelles

Denn eigentlich ist Saint-Maurice-Navacelles ein ziemlich kleiner Ort, den wir auch schnell durchquert habe.

Jetzt sind es noch wenige Kilometer quasi fast immer geradeaus bis zu unserem Ziel. Es handelt sich um einen kleinen Camping Municipal, alles sehr einfach, aber sauber und wir können unsere und die Akkus der Räder wieder aufladen.

Und heute mussten wir schon zum zweiten Mal auf unsere Notration zurückgreifen. Eigentlich wollten wir zur Pizzeria, die heute laut Suchmaschine geöffent haben sollte – aber geschlossen hatte. Einem Hinweis eines Passanten auf ein anderes Restaurant, welches heute offen haben sollte, sind wir dann noch nachgegangen. Nach ca. 1 km Fußmarsch hieß es dann nur: haben Sie reserviert? Nein, na dann tut es uns leid.

Und so sind wir mit knurrendem Magen zurück zum Platz und haben uns unsere „Nudeln mit Sauce“ gemäht, verfeinert mit etwas Chorizo-Wurst, die wir noch im Gepäck haben…

PS: dieser Bericht enthält zum Teil Informationen aus Wikipedia (durch * gekennzeichnet)

Reisetag 17 (+ 8 Ruhetage)
Tagesstrecke: 68 km
Tourstrecke 1092 km
Pannen: keine
CP Kosten: 16 €

La-Vacquerie-et-Saint-Martin-de-Castries (08.06.2026)

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