Wir haben auf dem BauernPferdehof ganz gut geschlafen, es war ruhig und wir hatten ein relativ ebene Liegefläche. Heute sollte die Strecke, dank der ungeplanten Mehrkilometer gestern, um fast 10 km kürzer ausfallen, also etwas mehr als 50 statt 60 km. Um kurz vor 9 Uhr fahren wir den kurzen, holperigen Weg zurück zur Bahnlinie, auf der wir heute den ganzen Tag unterwegs sein werden, bis zum Bäcker in Olargues sind es nicht ganz 9 km.

Auf dem wassergebundenen Weg kommen wir nicht ganz so gut voran, es stehen häufiger weniger als 15 km/h auf dem Tacho und man muss oft langsamer werden, weil wieder eine Kreuzung mit unmöglichen Umlaufsperren im Weg sind, es dauert über eine Stunde, bis bis in Olargues sind – und an der Tür steht „Congé“, was heißt, dass er Urlaub hat. Aber darunter steht, dass gegnüber in der Èpicherie ein „Depot du Pain“ ist. Wir also rüber und bekommen dort unsere Verpflegung. Beim Bezahlen spricht und dann die Verkäuferin an, ob wir aus Deutschland kommen, was wir bejahen – sie hat auf meinem T-Shirt „liegereisen.de“ gelesen und wünscht uns noch eine gute Reise und es geht zurück zum Radweg. Spannend, da fährt man nach Frankreich und „im entferntesten Dorf“ wird man von einer deutschen Verkäuferin angesprochen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bahnradwegen sieht man hier zwischendurch tatsächlich was von der Strecke, das gibt schon ein richtig tolles Panorama ab, wenn man z.B. Auf Brücken oder Viadukten auf beiden Seiten des Tals die hohen Berge so sieht – in einer solch umwerfenden Berglandschaft waren wir 2022 nicht unterwegs, auch nicht in der Normandie. Das entschädigt die leider oft zu Wünschen lassende Oberfläche…

Kurz hinter Olargues weicht der Weg dann von der ehemaligen Bahntrasse ab, auf der Karte ist der ehemalige Verlauf zu sehen, warum man dem Verlauf nicht folgt, ist nicht zu erkennen – aber unser Weg ist ausgewiesen, wir müssen plötzlich recht steil nach oben. Und es geht wirklich viel rauf und runter, wie eine Berg-und-Talbahn oder „Raupenbahn“, der Weg ist schmal und an der Seite oft kein Geländer, obwohl es dort steil runtergeht.

Es macht den Eindruck, also ob es irgend ein alter Weg ist, zwischendurch sieht man halb verfallene kleine Gebäude, nur für uns Radreisende wurde der wohl nicht angelegt.

Vielleicht früher mal ein Weg durch Weinberge, oder so? Irgendwie interessant hier zu fahren, man hat teilweise einen phänomenalen Ausblick ins Tal. Aber es ist auch anstrengend, der Belag ist mäßig bis schlecht und wenn es runter geht muss man alles wegbremsen. Kurz bevor unser Weg dann wieder auf die Trasse trifft geht es richtig steil runter, 10% bzw. sogar 15% Gefälle geht es runter, die Bremsen müssen (wieder) alles geben.

Der weitere Weg bietet immer Mal wieder sehenswerte Momente, aus dieser Brille betrachtet, hat es sich gelohnt hier entlang zu fahren,

aber was den Untergrund betrifft, kann ich hier nur die Schulnote 4 mit starker Tendenz zur 5 – ausreichend bis mangelhaft vergeben. Je weiter wir uns dem Ziel nähern, um so schlechter wird es, es ist alles dabei.

Der Belag der Trasse ist seit Anfang an wassergebunden, was bei der aktuellen Trockenheit sehr staubt. Unsere Taschen sehen inzwischen wieder grausam aus, nachdem Marion sie in Sablière weitestgehend wieder sauber bekommen hatte. Das alleine wäre ja noch nicht so schlimm, aber hier gibt es dann immer wieder Bereiche mit „Mullsand“ und hat man zusätzlich eine Vorliebe für groben Schotter, was das Fahren anstrengend macht. Dann noch schlechter bis sehr schlechter Asphalt, natürlich teilweise mit losem Splitt. In Abschnitten hatte man dazu noch den Eindruck, wir befinden uns auf einem mittelmäßigem Feldweg mit fettem Grünstreifen in der Mitte.

So lange wie heute haben wir auch 2022 ohne Motoren für 50 km selten gebraucht, mehr als 5,5 Stunden ist schon eine Ansage – gestern haben wir noch gedacht, dass es heute easypeasy wird, aber Pustekuchen. Und es war den ganzen Tag ziemlich kühl und windig, wir haben uns bisher immer über Schatten gefreut, heute waren wir froh, mal in der Sonne zu fahren.

Es ist fast 15 Uhr, als wir in Saint-Amans-Soult ankommen, einem kleinen Ort mit ca. 1500 Einwohnern in der Gemeinde am Fuße der „Montagne Noire“ zu deutsch „schwarzes Gebirge etwas 25 km von Castres entfernt (*). So richtig spannend ist der Ort nicht, irgendwie wirkt er, wie leider viele abgelegenere Dörfer und Städte etwas heruntergekommen, zumindest der Bereich an der relativ vielbefahrenen D612, die den Ort durchzieht.

Aber dafür ist der Campingplatz gut, günstig mit nicht einmal 18 Euro inkl. Strom, sauberen sanitären Anlagen, Aufenthaltsraum mit Ausrüstung wie Microwelle, Kühlschrank usw. passt heute wieder alles und der Stellplatz ist auch noch grün und gerade – was wollen wir mehr…

PS: dieser Bericht enthält zum Teil Informationen aus Wikipedia (durch * gekennzeichnet)

Reisetag 20 (+ 8 Ruhetage)
Tagesstrecke: 52 km
Tourstrecke 1214 km
Pannen: keine
CP Kosten: 17,58 €

Saint-Amans-Soult (10.06.2026)

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