Die Nacht hier in Gergy war wieder ziemlich kalt, so dass unser Heizlüfter in den frühen Morgenstunden noch einmal zum Einsatz kam. Langsam wird es echt Zeit, dass es auch Nachts endlich wärmer wird, von den Abenden ganz zu schweigen. Bislang konnten wir noch keinen Abend länger vor dem Zelt sitzen und einen Wein genießen. Zum Glück sind aber dafür die Tage wunderschön und wir sind froh schon seit über einer Woche keinen Regen mehr gehabt zu haben.

Da das Zelt heute günstiger stand und früh Sonne abbekommen hat, konnten wir heute auch früher einpacken und sind „schon“ um 10:15 Uhr auf der Bahn für die heute geplanten 53 km nach „Tournus“. Das Wetter ist wieder sehr angenehm, sonnig und schon recht deutlich über 10 Grad beim Start.

Offensichtlich finden es auch die Insekten gerade ziemlich nett, denn auf dem anfänglichen Weg an der Saône entlang treffen wir regelmäßig auf große Schwärme kleiner Fliegen die natürlich auf der eingecremten Haut prima kleben bleiben, wie an einem dieser klebrigen Fliegenfänger – brrrrr. Die Landschaft hier ist nicht oberspektakulär, aber durchaus schön, wir rollen mal dichter mal etwas weiter weg vom Fluss. Leider ist die Oberfläche wieder nur mittelmäßig, so das wir nicht gerade Spitzengeschwindigkeiten fahren. Aber so bleibt halt mehr Zeit um das „Links und Rechts“ aufzunehmen. Pferde auf einer blühenden Weide, alte Häuser, die Ufer der Saône – man muss sich nur Zeit nehmen um das Schöne zu entdecken.

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Nach einigen Kilometern kommt „Chalon-sur-Saône“ in Sicht, kurze Zeit später sind wir mittendrin. Da wir uns noch Proviant besorgen wollen, sind wir in einem Vorort noch vom Track abgewichen und haben bei einem Bäcker „Pain au chocolat“ besorgt, da der Bäcker in „Gergy“ leider Montags geschlossen hatte. Bei der Rückkehr zum Track haben wir uns dann auch noch verhaspelt, weil wir der Beschilderung des EV6 in die falsche Richtung gefolgt sind. Zum Glück haben wir es früh genug gemerkt, weil die Beschilderung plötzlich „Gergy“ anzeigt, also wären wir zurück gefahren. Der Umweg von weniger als 1 km ist „gerade noch so“ zu verkraften. Einem anderen Paar, welches wir an der entsprechenden Abzweigung getroffen haben, erging es aber offensichtlich genauso, auch die standen mit „Fragezeichen im Gesicht“ vor der Beschilderung.

Also dem Track auf dem Handy wieder in die entgegengesetzte Richtung folgen. Etwas erschwerend kommt in diese Situation, dass uns genau in dem Bereich der EuroVelo 6 velässt, das hat auch zur Verwirrung beigetragen. Ab jetzt werden wir bis „Lyon“ auf einem nationalen Radwanderwegen (keine „EuroVelos) unterwegs sein.

Jetzt heißt es: weiter durch die „schrecklichen“ Ortsteile von „Chalon-sur-Saône“. So gut wie es zuletzt bei allen andern größeren Städten verlaufen ist, so schlecht ist es für Radfahrer hier. Mag sein, das die Altstadt usw. von Chalon sehenswert ist, aber wir haben die Nase voll und wollten so schnell wie möglich die Stadt verlassen. Nachdem wir uns neu sortiert haben, klappt es dann letztlich auch ganz gut.

Witziges Detail: etwas außerhalb wurde der Radweg mal nicht „irgendwie“ über die Kreuzungen großer Straßen geführt, sondern drunterdurch in zum Teil „winzigen“ Tunneln. Wir witzeln darüber und nennen sie „Krötentunnel“. Die Unterführungen sahen teilweise etwas wie Dachsbauten aus und warten zum Teil so niedrig, dass (Aufrecht-Radler) absteigen sollten/mussten. Wir konnten aber immer sitzenbleiben und weiterfahren.

Bei „Èpervans“ werden wir dann zur Abwechslung mal wieder auf eine alte Bahntrasse geführt, so dass wir weitestgehend entfernt vom Autotrubel fahren können. Bahntrassen haben auch immer den Vorteil, dass sie quasi mitten durchs Grüne führen und – hier nicht relevant – kaum Höhenmeter aufweisen, sehr angenehm! Wieder mal klagen auf hohem Niveau: die Oberfläche des Bahnradwegs wechselt von supergut fahrbar, über in Ordnung bis hin zu Bremsasphalt ist alles dabei. Überhaupt müssen wir hier feststellen, dass die Fahrbahnoberflächen im Schnitt deutlich besser sind als zuvor, vermutlich ein etwas „wohlhabeneres“ Département.

Bei „Ouroux-su-Saône“ werden wir dann über eine Landstraße zurück an den Fluss geführt (der hier schon ziemlich breit ist) und damit wieder an die Uferstraße des „Voie verte“, die mehr oder weniger dem Radverkehr vorbehalten ist. Auch hier wechselt der Belag munter weiter, einige Zeit miserabel, einige Zeit extrem gut fahrbar. Egal wie, am Fluss entlang fahren ist hier schon richtig schön.

Je näher wir „Tournus“ kommen um so hügeliger wird es links und rechts von uns, man merkt, dass wir uns im Burgund unterwegs sind, welches wir in den kommenden Tagen auf dem Weg zum Rhône-Tal weiter durchfahren werden. Interessant ist hier auch, dass der Radweg zum Teil mitten durch Weidegebiete geführt wird, man muss immer wieder Tiersperren – mehrere quer zur Fahrbahn, im Boden eingelassene Metallrohre – überfahren und manchmal liegen nicht weit vom Weg entfernt die Kühe im Gras.

Um 16 Uhr erreichen wir den Campingplatz „Camping de Tournus“, gegenüber den beiden letzten Plätzen eine Klasse besser, gute Sanitäranlagen, insgesamt gepflegterer Eindruck und relativ günstig – OK, auch hier könnten die Stellplätze mal gemäht werden, aber dafür sind sie wenigstens nicht so „knubbelig“.

Da es noch recht früh ist, machen wir noch eine „Touri-Tour“ durch Tournus, die Stadt ist „einigermaßen sehenswert“ mit vielen alten Gebäuden.

Zurück am Platz gönnen wir uns zum Abendessen mal eine Pizza und eine Flasche Wein im Restaurant des CP und lassen den Abend so ausklingen.

Etwas Statistik

Zurückgelegte Tagesetappe: 53 km

Insgesamt geradelte Reise: 962 km

Platten: 2

Tournus (02.05.2022)

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