Heute soll uns die Tagesetappe zur Naturisten-Stadt „Centre Hélio Marin“ in „Cap d’Adge“ auf den dort eingegliederten Campingplatz „Rene Oltra“ führen, etwa 60 km, was auf Grund der zu erwartenden Sonnenstrahlung (UV Index 10!) auch eine körperlich anstrengende Aufgabe verspricht.

Das Zelt ist heute morgen patschnass, weil sich in der Morgendämmerung recht starker Nebel gebildet hat. Auf ein abtrocknen wollen wir heute nicht warten um nicht unnötig lange in der Sonne fahren zu müssen. Also wird nass eingepackt und so starten wir um 9:30 Uhr. Den Track habe ich heute wieder am EV17/EV8 ausgerichtet, der uns direkt nach Adge führt. Schon kurz nach dem losfahren lichtet sich der Nebel langsam und die Sonne kommt raus.

Anfangs durchfahren wir „Palavas-les-Flots“ und werden dann wieder aufs Festland in Richtung „Villeneuve-lès-Maguelone“ geführt. Die Strecke ist mehr oder weniger gut ausgebaut, landschaftlich hier aber nicht gerade der Bringer und es fehlt Schatten (bedingt durch die Lage wachsen hier kaum größere Bäume) der das Ganze etwas angenehmer machen könnte.

An „Maguelone“ werden wir seitlich vorbeigeführt und danach führt der Weg etwas abseits der großen Straßen. Hier ist die Vegetation wieder etwas üppiger und Bäume spenden auch mal Schatten um eine Pause machen zu können.

Weiter auf dem Weg liegt dann „Vic-la-Gardiole“, wo uns der EV ausnahmsweise mal mittendurch führt.

Es ist ein hübsches Dorf mit großen, typisch vor langer Zeit auf einer Höhe geköpften Platanen auf dem Dorplatz bzw. der Haupt-Dorfstraße. Das ist immer wieder schön anzusehen, wirkt ein bisschen so wie man sich ein französisches Dorf vorstellt und bietet in den Hochsommermonaten bestimmt eine tolle Atmosphäre darunter zu essen oder einen Wein zu genießen.

Kaum zu glauben, dass die französischen Platanen von einem Pilz bedroht werden, der die Wurzeln zerstört und nicht behandelt werden kann. Es wäre wirklich traurig, wenn dieses Bild aus Frankreich dadurch verschwinden würde. Am Canal-du-Midi mussten bereits tausende Platanen deshalb gefällt werden, was der Route seinen Reiz nehmen soll. Was passiert mit diesen Dörfern, wenn sie ihren Charakter verlieren?

Hinter dem Dorf werden wir wieder auf die Sandbank zurückgeführt und wir fahren an einem Schild „Route barrée“, also „Straße gesperrt, welches auf der Fahrtbahn steht vorbei – der Radweg ist nicht abgesperrt und auch nicht entsprechend beschildert, also daran vorbei. Etwas komisch ist uns schon, weil auch sehr wenig los ist, uns kommt längere Zeit niemand entgegen.

Aber nach einigen Kilometern sehen wir dann die Sperre, eine Brücke wird erneuert und der Radweg ist nicht betroffen, wir können unbehelligt weiterfahren. Erneut geht es zurück zum Festland über „Frontignan“, „La Peyrade“ und „Sėte“, wo manchmal die Beschilderung des EV zu wünschen übrig lässt, so dass wir auch prompt wieder einmal von der vorgesehenen Route abkommen. Gut das auf dem Handy die korrekte (bzw. gewünschte) Route geladen ist und ich uns dadurch wieder relativ einfach im weiteren Verlauf wieder darauf zurück führen kann. Aber ersteinmal heißt es hier dann: durch die Promenade, durch Fußgängerbereiche bis wir wieder auf den Track treffen.

Hinter „Sète“ geht es dann für 20 km in den Dünenbereich der Sandbank, der EV verläuft hier durchgehend bis Adge in diesem Bereich, prinzipiell gut fahrbar, auch wenn anfangs etwas schwergängig – weil rauh – aber eben auch keine lästigen Autos mehr. Was hier aber richtig an die Substanz geht ist die von oben brennende Sonne bei völlig fehlendem Schatten. Dabei sind es heute „nur“ ca. 23 Grad, aber die Sonnenstrahlung in Kombination mit den Reflexionen des hellen Sandes lässt unseren Sonnenschutz langsam versagen…

Dabei ist die Vegetation der Dünen eigentlich richtig schön, überall blüht es, es ist noch nicht alles vertrocknet, wieder einmal gilt: man muss nur ein Auge für das Schöne haben.

Meer/Wasser sieht man allerdings eher selten, weil der Weg nicht in vorderster Front geführt wird. Man sieht immer wieder Zugänge zum Meer mit Duschen, Toiletten und Wasserstellen.

Gerade die letzten zwei Tage haben gezeigt, wie wichtig es ist genügend Trinkwasser dabei zu haben. Die vorher völlig ausreichenden 1,8 l Flüssigkeit hätten in dieser Umgebung nicht mehr gereicht und wir haben jeder über 2,5l dabei, weil es zuvor nicht so leicht war, frisches Wasser zu bekommen. Hier wäre es allerdings nun kein Problem mehr. Egel, besser haben als brauchen…

In Adge angekommen greifen wir dann mal wieder auf die Google-Navigation zurück, um uns zum „Centre Hèlio Marin“ leiten zu lassen. Wie immer ist es gruselig, welche Wege Google meint, dass sie zum Radfahen geeignet sind. Schwer zu beschrieben das Ganze – schön war er am Anfang – schön eng, aber rundum wunderschön blühend. Es wurde immer schmaler, die Taschen rascheln in der Vegetation bis wird dann endlich wieder auf eine öffentliche Straße durchgebrochen sind – irgendwie „im wahrsten Sinne des Wortes“.

Danach ist es dann nicht mehr weit und wir stehen vor der Anmeldung zum Eingang in die Naturisten-Stadt von Cap d’Adge. Der ganze Einfahrtsbereich hat was von „Hochsicherheitsbereich“.

Da wir noch nie hier waren, ist es Anfangs etwas „merkwürdig“, aber letztlich doch einfach: man braucht eine Reservierung innerhalb der Stadt oder vom Campingplatz. Hat man die nicht, bekommt man eine temporäre „Eintrittskarte“ um an der Security vorbeizukommen. Ich muss nun alleine zum Campingplatz laufen, uns Anmelden und dann zurück zum Eingang. Dort bekommen wir dann beide (gegen Abgabe kleiner Münzen) eine offizielle Zugangskarte, womit wir dann in die Stadt einfahren dürfen.

Der Weg zum CP ist relativ kurz, nach der endgültigen Anmeldung dann endlich wieder Klamotten aus und Zelt aufbauen, was wir trotz der immer noch starken Sonne sofort gemacht haben, da es ja heute Morgen nass eingepackt wurde. Während das Zelt trocknet laufen wir zum Strand und kühlen uns im Meer ab.

Hier in Cap d’Adge werden wir einen zusätzlichen Ruhetag einlegen und erst am Donnerstag weiterfahren. Die letzten Tage waren doch sehr anstrengend und haben uns gefühlt ziemlich viel abverlangt. Es soll ja immer noch Spaß machen zu fahren – außerdem haben wir uns das verdient…

Etwas Statistik

Zurückgelegte Tagesetappe: 61 km

Insgesamt geradelte Reise: 1489 km

Platten: 2

Cap d’Adge (17.05.2022)

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