Heute morgen ist unser Zelt RICHTIG nass, es hat offensichtlich in der Nacht noch einmal geregnet. So kann ich es nicht einpacken und ich beginne sofort damit es zunächst von außen abzutrocknen, unglaublich wie oft ich den Lappen auswringen muss. Einziger Vorteil: der Staub, die Pollen usw. der letzten Wochen sind jetzt auch mal richtig abgespült. Marion bereitet inzwischen das Frühstück vor, wir wollen heute mal wieder Haferflocken essen, um für eine längere Strecke eine bessere Basis zu bekommen. Letztlich habe ich das Zelt dann auch noch innen abgewischt, weil sich der Tau heute auch sehr stark innen abgesetzt hat.

Wir sind uns noch nicht so sicher, ob wir „nur“ 67 km bis „Agen“ fahren wollen um dort ein B&B Zimmer zu nehmen, oder ob wir 13 km weiter – und damit 80 km – fahren bis nach „Sérignac-sur-Garonne“ zu einem von der Gemeinde kostenlos für Radreisende bereitgestellten Platz mit warmer Dusche und Toilette zu besuchen. Letzterer hätte den Vorteil, dass die Strecke des morgigen Tag diese Kilometer kürzer ausfallen würde, mit einigen Höhenmetern und höheren Temperaturen sicher deutlich angenehmer. Wir werden das kurzfristig in „Agen“ entscheiden.

Um 9:30 Uhr geht die Reise wieder los, schnell ist der Kanalradweg erreicht. Bei „Castelsarrasin“ nutzen wir die Gelegenheit in ein direkt am Kanal liegendes Gewerbegebiet „einzufahren“ und kaufen bei „Intermarché“ die Tagesverpflegung ein.

Bei „Mossiac“ wird der Kanal dann über eine Brücke über den Fluss „Le Tarn“ geführt, schon ein imposantes Bauwerk, denn schmal ist der Tarn hier nicht gerade.

An dieser Stelle treffen wir auch die Radreisende aus „Montech“ wieder, sie muss genau in dem Moment an uns vorbeigezogen sein, als wir einkaufen waren. Nach kurzem Gespräch fahren wir weiter über die „integrierte Radweg-Kanal-Brücke“ Richtung „Mossiac“.

Am Ende des Ortes fahren wir dann an einem großen, mit Platanen bewachsenen Dorfplatz vorbei, an dessen Ende sich eine öffentliche Toilette befindet. Wir nutzen Diese und wiedereinmal die Gelegenheit um Wasser aufzutanken, als auch die Radfahrerin von der Brücke uns wieder eingeholt hat. Dies wird aber das letzte Mal gewesen sein, danach sehen wir sie nicht mehr wieder.

Weiter geht es Richtung Agen und heute zieht sich die Strecke. Die Oberflächenqualität zieht zusätzlich Körner, es wird wärmer und man merkt, dass es tags zuvor auch bereits über 60 Kilometer waren. Ich für mich hatte zwischendurch schon entschieden, dass wir in Agen bleiben, aber kommt anders als man denkt…

Irgendwann gegen 17 Uhr erreichen wir „Agen“ und Marion meint, dass wir die letzten 13 jetzt auch noch schaffen. Also weiter. Nach einer Weile sind wir dann durch „Agen“ durch und es wird wieder ländlich, wobei man hier noch weniger mitbekommt, weil es links und rechts des Kanals dicht bewachsen ist, selbst der Kanal ist nur ab und an zu sehen, er liegt hier meistens einige Meter tiefer als der Weg. Und es läuft wieder zäh, wir merken beide, dass es eigentlich jetzt genug ist. Noch 9 km, noch 8, 7, es zieht sich wie Gummi…

Um kurz nach 18 Uhr erreichen wir dann „Sérignac“ und fahren zum Platz, wo wir zunächst die Zufahrt nicht sehen. Eine Gruppe Pétanque-Spieler weist uns den Weg und vom Platz, den wir in dem Moment auch sehen, winken uns zwei bereits anwesende Radweise heran, und wir werden sehr nett von ihnen empfangen (und ausgefragt). Wir hatten uns unterwegs schon Gedanken gemacht, was wäre, wenn der Platz voll belegt wäre. Aber nur zwei weitere ist noch lange nicht „complét“…

Es ist zwar wirklich nur eine kleine Fläche, aber sehr nett gemacht, einige Plätze zum Teil so groß, dass 2-3 Zelte drauf stehen könnten, getrennt durch Hecken, insgesamt vielleicht Platz ca. 15 Zelte. Es gibt ein kleines Gebäude mit der Dusche, der Toilette und einem Abwaschbecken, wo sich sogar ein Wasserkocher befindet.

Wir bauen unser Zelt auf, duschen und gehen dann in den Ort um der Empfehlung von Rezensionen zu folgen: uns eine Pizza und eine Flasche Wein an der örtlichen Pizzeria zu gönnen

die im übrigen wirklich äußerst lecker ist und die beiden Damen (die Betreiberinnen?) waren , wie ebenfalls angemerkt, ebenfalls supernett. Allein für die Pizzen haben sich die 13 zusätzlichen Kilometer absolut gelohnt, die Anstrengungen sind schnell vergessen.

Anschließend machen wir noch einen kurzen Schlenker durch den kleinen Ortskern und dann ab ins Zelt, wo wir ziemlich schnell in einen tiefen Schlaf fallen.

Es waren heute letztlich dann 80 km, also mal wieder ein neuer Rekord!

Etwas Statistik

Zurückgelegte Tagesetappe: 80 km

Insgesamt geradelte Reise: 1979 km

Platten: 2

Sérignac-sur-Garonne (09.06.2022)

Beitragsnavigation