Heute Nacht hat es wieder einmal geregnet, aber besser Nachts als tagsüber, wenn wir unterwegs sind. Und gut, dass wir uns gestern entschieden haben unser Zelt auf einen Bereich zu stellen, der noch einigermaßen von Gras bedeckt ist. Aber um das Zelt nicht patschnass wegpacken zu müssen, trockne ich es wie gehabt weitestgehend ab, so dass es einigermaßen trocken in die Tasche kommt.
Um heute „unnütze“ Höhenmeter und einige zusätzliche Kilometer zu sparen, ist der Track mal wieder auf Nutzung von D-Straßen angepasst. So sind es nur knapp 50 km mit kaum Steigungen statt über 60 km mit „auf und ab“ in den Dünen bei Nutzung des EV1. Zudem wollen wir heute noch bei „Decathlon“ vorbei, wo wir uns eine neue Campingdecke für das Zelt bestellt haben, weil unsere alten Decken inzwischen extrem „fusseln“.
Wir verlassen den CP um 10:30 Uhr in Richtung „Parentis-en-Born“, ein kurzes Stück verläuft der EV1 anfangs noch abseits der Hauptstraße um dann wieder parallel zu verlaufen. Schon wenige Meter später holt uns der Regen wiedermal ein (hätte ich mal nix gesagt). Wir schaffen es gerade noch die Regenklamotten anzuziehen, dann schüttet es wie aus Kübeln. Wir kurbeln uns langsam in Richtung „Parentis“ weiter, kurz vor dem Ort verlässt der Radweg wieder die D und wir sind in „grünerer“ Umgebung unterwegs. Bei trockenem Wetter wäre es hier bestimmt ganz nett gewesen, so bekommt man aber nur am Rand davon mit. Zum Glück ist es nicht kalt, was das Ganze noch unangenehmer machen würde.
Nach einer Weile erreichen wir dann „Parentis-en-Born“, wo wir für heute den EV verlassen und wieder „durch die Landes ziehen“. Der Ort ist schnell durchfahren und wir finden uns auf einer kleinen D wieder, wo sehr wenig Verkehr herrscht. Irgendwann fahren wir rechts an „Sanguinet“ vorbei, anschließend kommt erneut ein großes Militärgelände bei „Cazaux“. Es geht fast immer geradeaus und ist wieder eine unheimlich öde Strecke, die sich unglaublich zieht, obwohl wir eigentlich ganz gut vorankommen, zum Glück ist es inzwischen wieder trocken. Nach einer gefühlten Unendlichkeit erreichen wir um kurz nach 14 Uhr „La-Test-de-Buch“ – also 3,5 Stunden für 45 km, so schlecht ist das inkl. Pausen nicht.
Der Track führt uns direkt zum anvisierten Decathlon. Das Paket mit der großen Picknikdecke ist angekommen, wir nehmen es entgegen und „schlendern“ noch etwas durch den Laden, weil Marion noch auf der Suche nach ein paar Sachen ist. Aber letztlich verlassen wir ihn ohne weitere „Beute“ und machen uns auf den letzten Teil des heutigen Wegs zum „Camping municipal de Verdalle“ direkt am „Becken von Archachon“.
Der Weg dorthin verläuft unerwartet angenehm. Wer schon einmal hier am Becken von Archachon in der Nähe der „Düne von Pilat“ (Pyla) gewesen ist, kann vielleicht unser Erstaunen nachvollziehen: durch die gesamte Gegend, durch alle Orte, die sich wie Perlen auf einer Schnur am Ufer langziehen schiebt sich in der Hochsaison eine Autokolonne, wie in den Großstädten zur Hauptverkehrszeit und das den ganzen Tag lang – einfach absolut schrecklich. Mit diesem Bild im Kopf haben wir uns auf den Weg der letzten ca. 5 km begeben und sind überrascht, dass man ausgerechnet hier ein gut ausgebautes Netz an Wegen für Radfahrer vorfindet, klar die üblichen kleinen Einschränkungen sind auch hier gegeben, aber keine absolut behindernden Poller, einigermaßen ausreichende Breite, passt schon.
Nach ca. 25 Minuten erreichen wir dann den CP und melden uns an. Wir bekommen diesmal einen Platz zugewiesen, den wir erst mal begutachten – man kennt ja inzwischen die Unzulänglichkeiten. Schon auf dem Weg zum Platz befürchten wir Schlimmstes: die meisten Plätze sind quasi „schwarz“, also kaum Grasfläche. Warum das so ist, haben wir ja inzwischen gelernt: hier ist es für Wohnwagen- bzw. Wohnmobil-Fahrer wohl üblich fast die gesamte Fläche des Stellplatzes mit Folie zu belegen. Und wenn die dann länger stehen, kann man sich ja ausmalen, was passiert…
„Unser Platz“ ist dann auch wie erwartet ungerade und die einzige gerade grüne Fläche wird mittig durch einen Baum unterbrochen. Also schauen wir uns um und sehen, dass der Nachbarplatz wenigstens einigermaßen grün und gerade ist. Also noch einmal zur Anmeldung und fragen, ob wir auch den Platz nehmen dürfen – und wir dürfen. Da es noch recht warm ist, warten wir noch mit dem Aufbau des Zeltes.
An sich ist der CP eigentlich ganz schön und auch schön gelegen mit direktem Blick auf das „Bassin d’Arcachon“.
Zitat Wikipedia:
… Das Bassin d’Arcachon (Becken von Arcachon oder Bucht von Arcachon) ist eine etwa 155 Quadratkilometer große Bucht im Südwesten Frankreichs. Es gehört zum Meeresnaturpark Bassin d’Arcachon …
… Das Bassin hat eine annähernd dreieckige Form und wird durch die Halbinsel Cap Ferret fast vom Atlantik abgetrennt. In der Bucht befinden sich ausgedehnte, von Prielen durchzogene Wattflächen, auf denen Gezeitenfischerei betrieben wird …
… In der Bucht wird noch von fast 350 Fischern (in abnehmender Anzahl) Austernzucht betrieben, deren Erzeugnisse in den Restaurants der umliegenden Ferienorte, aber auch weltweit als Delikatesse gelten. …
Der Sanitärblock ist sauber und wird auch offensichtlich mehrfach gereinigt. Immer wieder zeigt sich, dass „Municipal-Plätze“ im Schnitt die bessere Wahl sind.
Da wir heute bislang keine Möglichkeit hatten einzukaufen, haben wir auch kein Brot oder dergleichen mehr. Ich düse nochmal ein kurzes Stück in den Ort und besorge uns ein Brot, auf warmes Essen verzichten wir heute. Beim Essen werden wir dann von einer Horde von Spatzen regelrecht „belästigt“. Bestimmt 10 Vögel warten in einem Abstand von zum Teil nur einen Meter nur darauf, dass für sie Krümel abfallen – das haben wir so auch noch nie erlebt und ist schon witzig.

Die neue Decke passt perfekt in das Zelt, so ist das schon fast „glamping“ – im übrigen seltsamerweise das einzige Foto heute von uns…
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 52 km
Insgesamt geradelte Reise: 2319 km
Platten: 2
