Natürlich musste es auch heute Nacht noch wieder Regen geben, so dass die Außenhaut wieder patschnass ist. Als ich um kurz nach 7 Uhr aufwache, ist es momentan trocken. Aber als ich auf das Regenradar schaue, sehe ich, dass es nicht mehr allzulange so sein dürfte. Also stehen wir zügig auf, Marion räumt wieder innen alles in die Taschen, während ich wieder trockne.
Wir haben gerade das Zelt in der Tasche, als es anfängt zu tröpfeln. Es ist zwar noch nicht der Schauer, den ich gesehen hatte – der ist inzwischen „zerfleddert“ – aber auch die Tropfen hätten wieder für Nässe auf dem Zelt gesorgt. Sollte unsere Serie jetzt endgültig reißen?
Nachdem alles verstaut ist noch zum Waschhaus und um 9 Uhr Brot abholen, was wir „gerade so“ schaffen. Eine ganze Weile haben wir uns nämlich noch ein sehr interessantes Gespräch mit einer „Aktivistin“ der Gruppe „Save our soil“, die sich für den Schutz unserer Böden einsetzt.
Anschließend legen wir uns in unsere Räder und starten die heutige Etappe. Es geht nach „Condé-en-Normadie“, etwa 45 km von Domfront entfernt auf den dortigen kleinen Camping municipale. Etwa 20 km davon noch auf einer weiteren Bahntrasse des nationalen Radwegs V40/V43 in Richtung „Flers“, aber dann geht es auf „normalen“ Straßen mit entsprechenden Höhenmetern weiter.
Wieder sehen wir offizielle Schilder zum Radweg, diesmal verlassen wir uns nicht darauf, sondern folgen unserem Track, wodurch wir reichlich unnütze Höhenmeter sparen. Kurz vor dem Auffahren fahren wir in eine Straße ein, die ein schon malerisches Bild mit kleinen Häusern einer kleinen Straße,

dekoriert mit Blumen usw. bietet – und beim Fahren um eine kleine Kurve herum dann ein kleiner Schreck in der Morgenstunde: wir müssen über ein kleines Wehr über die „La Varenne“, ein Weg der kaum breiter als die Spurbreite der Trikes ist. Zum Glück mit Geländer, so dass man nicht in den Fluss rutschen kann.

Mit etwas Unterstützung, damit jeder sich auf das Spurhalten konzentrieren kann, meistern wir auch diese Engstelle wieder und brauchen dann im direkten Anschluss doch noch wieder richtige Schiebehilfe um die steile, grob geschotterte Rampe rauf zur Bahntrasse zu kommen. Langsam reichen uns diese „grandiosen Zufahrten“ aber auch…

Wir sind noch gar nicht ganz in Bewegung, da fängt es an zu Regnen, also wieder Regenklamotten anziehen. Da es immer stärker regnet, suchen wir etwas weiter zunächst noch Schutz unter einem großen Baum mit dichtem Blätterdach und warten das Schlimmste ab. Langsam tropft es auch durch die Blätter, aber es wird endlich weniger und wir beschließen loszufahren. Der erste richtige Regen unterwegs auf den Rädern seit ziemlich langer Zeit, das letzte Mal dürfte der Schauer am Becken von Arcachon gewesen sein, also vor etwa 8 Wochen.

Unterwegs sehen wir an der Strecke dann noch Relikte aus der ehemaligen Betriebszeit der Bahnstrecke: eine in einem Holzverschlag stehende alte Lokomotive und eine Verladestelle für Eisenerz bei bei „La Chãtelier“, fahren an alten Schrankenanlagen vorbei, die man im Wald leicht übersehen kann

und weitere Industrieruinen unterwegs am Wegesrand. Wieder ein Abschnitt, den man definitiv mit dem Auto nicht zu sehen bekommt und der absolut sehenswert ist.


Erst gegen Mittag erreichen wir „Flers“, kurz vorher müssen wir wohl oder übel auf die Straße wechseln, weil der Bahnradweg hier endet. Und gleich geht es los mit rauf und runter, das wird jetzt der anstrengendere Teil dieses Tages. Durch „Flers“ selbst geht es noch zügig durch, aber im Abschluss müssen wir manches Mal ganz schön reintreten und können, was viel schlimmer ist, hinterher oftmals nicht die rekuperierte Energie in Form von Höhe, durch langes, schnelles runterrollen zumindest teilweise wieder zurückgewinnen. Nein, wir müssen heute richtig viel bremsen, weil es anschließend links oder rechts weiter geht.

Unterwegs durchfahren wir „La Lande-Patry“, „Cerisy-Belle-Étoile“, „Caligny“, „Montilly-sur-Noireau“ und viele andere, kleine Orte bis wir nach „Condé-en-Normadie“ kommen. Auf dem Weg zum Campingplatz patzt dann der Brouter einmal gründlich in Bezug auf „Höhenmeter vermeiden“. Wir fahren über einen Berg, der uns vom Campingplatz trennt, mit extrem steilen Anstieg mit anschließendem noch stärkeren Abstieg auf die andere Seite. Das ist schon eine echt heftige Ochserei und im Nachhinein sehen wir, dass wir nur die Hauptstraße vielleicht 800 m weiterfahren, dann links abbiegen und nochmals 600 m weiter hätten müssen und wären fast ohne Höhenunterschiede angekommen. Grmpf, manchmal sollte man die Route dann doch etwas genauer prüfen…
An der vermeintlichen Einfahrt zum Platz angekommen, ist das Tor geschlossen. Verdammt, ist der Platz etwa geschlossen, obwohl auf der Webseite aktuelle Preise von 2022 zu finden sind? Ist das der Grund, warum ich auf meine Mails keine Antwort bekommen habe? Erstmal gehe ich zu Fuß weiter, neben dem Tor ist ein Durchgang, der offen ist und der Campingplatz liegt etwas zurück. Auf dem kleinen Platz steht ein Wohnwagen, das Sanitärgebäude ist offen und sauber, es hängt Toilettenpapier usw.. Alles deutet auf „geöffnet“ und bin froh, dass noch (reichlich) Plätze verfügbar sind.
Auf dem Weg zurück zum Rad sehe ich dann noch die eigentlich Zufahrt und wir machen uns auf den den Weg, die etwa 600 m zurück, die wir „um den Berg“ gehabt hätten – und dann wäre uns auch das Schild „Camping municipal“ sofort aufgefallen. Wir suchen uns einen Platz und gehen anschließend zur Anmeldung, die im daneben liegenden Schwimmbad stattfinden soll, wie wir auf einem Aushang sehen.
Dort hängt dann ein Schild, dass der Campingplatz angeblich bis zum 23.8. ausgebucht sein soll, dabei steht nur einer dort. Die beiden Angestellten an der Kasse erklären uns dann, dass es heute Nacht ein gewisses Risiko für eine Überschwemmung gibt, der Platz liegt neben einem kleinen Fluss „La Druance“ und es soll Gewitter geben. Eigentlich sind die Stellplätze gesperrt. Da wir aber auf der „Zeltwiese“ aufgebaut haben, geht es offensichtlich (auf eigenes Risiko?) in Ordnung. Glück gehabt! Jetzt hoffen wir nur noch darauf, dass sich die Gewitter um uns herum auflösen (wonach es aussieht) und dann wir wohl nichts passieren in der Nacht. Trotzdem schlafen wir verständlicherweise in dieser Nacht beide ziemlich unruhig, was wohl verständlich ist.
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 46 km
Insgesamt geradelte Reise: 3243 km
Platten: 5
