Wir „überstehen“ die Nacht ohne Hochwasser und Evakuierung, es haben sich keine neuen Gewitter gebildet und der heutige Tag verspricht auch auf unserem Weg keinen weiteren Regen. Wir machen uns heute auf den Weg nach „Clinchamps“ auf einen Bauernhof-Camping, wo ich uns auch wieder angemeldet habe. Die Strecke ist etwas mehr als 52 km lang und uns steht wieder ein Pass-“Klettern“ bevor. Nichts dramatisches, aber doch einige Höhenmeter. Darum sind wir auch froh, dass der Tag wieder einen Sonne-Wolken-Mix bringt.
Bis kurz hinter den Pass verläuft auch hier der Radwanderweg wie der letzte Teil gestern noch auf den „normalen“ Ds, anschließend soll er dann wieder auf einer alten Bahntrasse geführt werden und Dieser diesmal sogar asphaltiert sein. Wir lassen uns überraschen.
Noch vor 9 Uhr sind wir unterwegs, erstmal wieder Proviant vom Bäcker holen, dann geht es weiter.

Zunächst geht es viel bergab, in „Port-Eramburg“ sehen wir dann wieder eine Bahntrasse, allerdings noch mit Schienen belegt. Aber dort entdecken wir auch ein „Banner“, auf dem unserer Interpretation nach ein Ausbau zum Radweg gefordert/gewünscht wird. Wir frotzeln, dass das von einer „Interessengruppe freier Autofahrer“ kommt, die damit für sich um freie Straßen werben. Im Ernst: das wäre an dieser Stelle schon eine tolle Sache, wenn der Ausbau gemacht werden würde. Das würde die Überquerung des „Normandiezipfels“ noch angenehmer machen.
Doch wir müssen bis „Pont-d’Ouilly“ weiter und kommen auf dem Weg dahin wieder durch kleine Dörfer wie „Cambercourt“, „La Rivière“, „Les Planches“ und „La Potiche“. Einige Orte schöner, andere weniger. Die Landschaft dagegen ist wunderschön und auch noch ziemlich grün, nicht ganz so vertrocknet wie in der Bretagne.

Langsam ändert sich der Baustil, die hier typischen Häuser der Normandie mit Fachwerk usw. sieht man häufiger, aber auhc immer noch viele Häuser ähnlich der in der Bretagne. Teilweise merkt man aber, dass es hier viel Landflucht gegeben haben muss, den man sieht leider immer wieder Gebäude, die sich im Verfallbefinden, was echt schade ist. Aber es gibt auch schön renovierte Straßenzüge.

Hinter „Pont-d’Ouilly“ geht es dann „auf den Berg“, wir klettern langsam rauf, im kleinsten Gang ist das Ganze mehr eine Kopfsache weil man so langsam ist und so fürchterlich steil ist es nun auch wieder nicht. Nach dem Pass kommt dann noch ein paar wenige weitere Kletteraktionen, aber das Schlimmste haben wir dann verhältnismäßig schnell hinter uns. Man merkt langsam, dass sowas den Schrecken verliert, wir haben bislang alles geschafft, mussten noch nie schieben.

Nach dem letzten Anstieg rollen wir dann bei „Les Vallées“ auf den bereits genannten Bahntrassenradweg, der sogar besser als erwartet ist: superglatter Asphalt, extrem gut rollend, so lieben wir das.

Die Strecke schlängelt sich immer entlang des Flusses „L’Orne“, was natürlich seinerzeit beim Bau der Bahnstrecke das Thema „Höhenmeter“ stark vereinfacht. Offensichtlich war die Strecke ursprünglich zweigleisig, jedenfalls verläuft in weiten Teilen immer noch ein vollständiges Gleis neben dem Radweg, natürlich teilweise stark überwachsen.
Nur einen Moment später überquert die Trasse bei „Clécy“ bzw. „Le Vey“ die Orne, hier finden allerlei Freizeitaktivitäte statt, Klettern, Kanufahren, Seilbahnfahren, Sommerrodelbahn und wahrscheinlich noch einiges mehr.

Wir schauen dem Treiben eine Zeitlang zu, dann geht es weiter voran.
Schilder am Rand zeigen auf Zufahrten zu Orten wie „Saint-Rémy“, „Caumont-sur-Orne“, bei Thury-Harcourt verlassen wir die Strecke um zum Supermarkt zu fahren und unser Abendessen einzukaufen. Leider müssen wir dazu den Ort komplett durchqueren und dabei geht es bis zum Supermarkt nur bergauf – wir hatten eigentlich erwartet, dass es mit Höhenmetern bis auf zum Campingplatz mehr oder weniger vorbei sein sollte. Natürlich kommt ausgerechnet jetzt auch noch die Sonne raus und wir kommen ganz schön ins schwitzen.
Der Weg zurück ist dann wieder rasant, durch den Ort und kreuzende Straßen allerdings wieder mit viel Geschwindigkeit wegbremsen. Anschließend geht es dann auf dem Radweg gemütlich weiter. Direkt hinter „Thury-Harcourt“ gibt es noch einen Tunnel, durch den auch der Radweg verläuft, ziemlich schmal und eigentlich (hüstel) nur schiebend, aber sonst problemlos zu durchfahren.


Man muss schon sagen, diese Bahnstrecke hat wirklich was für sich, wieder ganz anders, als der Weg in der Bretagne. Man hat hier zum Teil wirklich schöne Ausblicke, wieder sehr lohnens- bzw. sehenswert.

Weiter an der Orne entlang erreichen wir schließlich „Amayé-sur-Orne“, wo wir abfahren müssen um nach „Clinchamps“ zu kommen. Hier wurde eine Art Freiluftmuseum aufgebaut, es sind u.a. einige Zugwaggons zu sehen. Wir schauen uns ein wenig um, bevor wir den letzten Teil der Stecke in Angriff nehmen.

Hier hatten wir die Strecke bergauf ja durch den Track schon auf dem Schirm, wir kurbeln uns wieder rauf und erreichen den Bauernhof-Camping um kurz nach 15 Uhr. Eigentlich sollte laut Aushang der Empfang schon besetzt sein, momentan ist aber die Tür verschlossen. Es gibt eine Klingel, die scheint aber nicht zu funktionieren. Also kurzer Anruf und dann kommt die Dame des Hauses und empfängt uns. Wir bekommen einen Platz zugewiesen (der leider wieder einmal ziemlich abschüssig ist) und wir richten uns ein.
Anders als erwartet sieht der Platz selbst tatsächlich eher wie ein Campingplatz aus, er liegt auf einem eigenen, abgetrennten Bereich des Hofs und hat auch einzelne Parzellen. Das Sanitärgebäude ist klein, aber sonst soweit sauber und in Ordnung. Es gibt sogar einen Kühlschrank den man nutzen darf. Der Preis für die Nacht ist zwar nicht supergünstig, aber durchaus angemessen.
Mit „Clinchamps“ haben wir nun den größten Teil des „Normandiezipfels“ hinter uns. Dieser Teil hatte mehr Höhenmeter als wir in der Bretagne meistern mussten. Wir sind definitiv froh, dass wir große Streckenteile davon auf den Bahntrassen fahren konnten.
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 56 km
Insgesamt geradelte Reise: 3299 km
Platten: 5
