Der heutige Tag kann wieder spannend werden: wir kommen wieder an die Küste und haben noch keinen Platz auf einem Campingplatz reserviert, auch weil wir noch nicht richtig wissen, wie weit wir heute fahren wollen. Es ist immer noch Hochsaison mit wahrscheinlich entsprechenden Belegungsquoten. Trotzdem haben wir beschlossen es drauf ankommen zu lassen.
Wir sind trotz dessen, dass es gar nicht so warm werden soll, wieder früh auf den Beinen bzw. auf dem Rad. Es ist kurz nach halb Neun, als wir durch die Schranke fahren und uns runter zum Bahnradweg machen. Wir müssen allerdings am Nachbarort noch einmal wieder runter, weil der lokale Bäcker in Clinchamps seinen wohlverdienten Sommerurlaub hat.
In „Saint-Martin-de-Fontenay“ gibt es einen Lidl, wo wir uns heute mit Proviant eindecken wollen. Der liegt heute auch nicht ganz so weit rein in den Ort und es geht auch weniger rauf. Danach ist die Bahntrasse wieder unser Weg, wir fahren weiter auf „Caen“ zu. Wieviele Kilometer bis wohin wir heute fahren, können wir wie schon beschrieben noch nicht so genau sagen, es sollten aber um die 50 werden.
„Caen“ ist letztlich schnell erreicht, leider endet der tolle Radweg noch einiges vorher, man hat offensichtlich die Chance verpasst, die Radreisenden charmant zumindest bis ins Zentrum zu bringen. Jedenfalls schlängelt sich die Route hier mal links mal rechts von der Trasse, die man immer wieder erahnen kann. Möglicherweise trifft die alte Strecke aber auch auf eine noch benutzte Strecke. Wie dem auch sei, wir kommen ins Zentrum und werden einigermaßen gut hindurch geführt. An einer Stelle müssen wir dann noch etwas zurück, weil eine Brücke abgerissen wurde, es ist aber eine Umleitung ausgeschildert. Alles nicht optimal, aber weniger schlimm wie teilweise andere Stadtdurchfahrten und so groß ist „Caen“ nun auch wieder nicht.
Die Radroute verlässt „Caen“ dann wieder an einem Kanal, dem „Canal Caen á la mer“. Wir bleiben ihm noch bis kurz vor „Ouistreham“ bei „Bénouville“ treu, wo wir auch wieder auf den EV4 treffen, den wir jetzt wieder teilweise nutzen werden.

Die Oberflächenqualität ist bei ihm hier leider nicht so toll, wie bei der Bahntrasse, aber immerhin wird auch hier relativ wenig grober Schotter verwendet. Allerdings macht er zum Teil große Schlenker um den Autofahrern nicht in die Quere zu kommen und, durch die Führung durch die Dünen, geht es teilweise zu, wie in einer Raupenbahn.
Bei „Sallenelles“ sind wir dann fast wieder am Meer (bzw. am Ärmelkanal). Bei „Merville-Franceville-Plage“ kommen dann die ersten Campingplätze, die wir aber nicht ansteuern, weil wir bis dahin kaum 30 km gefahren sind. Weiter geht es bis „Cabourg“ durch kleine Küstenorte teilweise direkt an der Promenade zum Meer entlang.

Man merkt deutlich, dass die Gegend hier touristisch sehr beliebt ist und alles darauf ausgerichtet ist, aber schön ist irgendwie anders. Nicht die Orte selbst, aber der ganze Flair.

Es folgt „Dives-sur-mer“, wo wir uns wieder einen Anstieg hochkurbeln müssen, hier weichen wir wiederum auch etwas von der Route ab, um die Kurbelarbeit auf kleineren Wohnstraßen des Ortes machen können ohne von Autos getrieben zu werden.
Bevor wir dann wieder auf die D wechseln können, müssen wir noch eine „Straßensperre“ überwinden. Wahrscheinlich wegen des Anstiegs in diesem letzten Stück hat man die Auffahrt der Wohnstraße auf die D wohl abgesperrt. Es ist seitlich noch etwas Platz, wo wir gerade so zwischen einer Werbetafel und der Straßensperre durchpassen, was sich aber auf Grund der Schräglage nicht ganz so einfach gestaltet. Doch auch das meistern wir, es geht weiter voran und wir kommen nach „Houlgate“.
Hier entdecken wir ein Schild „Camping municipal“, dem wir dann auch folgen. Auf dem Weg liegt noch der „“Camping de la Vallée“, den wir aber auf Grund von 5 Sternen zunächst „links liegen lassen“. Beim (ehemaligen?) Camping municipal müssen wir dann leider erfahren, dass dieser Platz nur noch Mobilheime hat und außerdem „complete“ (also voll) ist. Somit wieder zurück zum 5* und dort nach einem Stellplatz fragen. Eigentlich ist das kein Camping für uns, es gibt Animation, eine Pool- und Rutschenlandschaft usw.. Die Dame teilt uns dann eine Möglichkeit mit und sagt, dass die Nacht 49 Euro (!!!!!) + „Tax de Sejour“ kostet.
Zähneknirschend nehmen wir das „Angebot“ an und beziehen den (wiedereinmal) abschüssigen, knüppeligen Platz und ärgern uns ein wenig nicht doch weitergefahren zu sein. Allerdings steht hier direkt am Ortsausgang von „Houlgate“ ein recht starker Anstieg an, wir haben bereits >50 km gefahren und man weiß ja nicht, ob im Anschluss überhaupt noch was frei ist.
Aus unserer Sicht wird der Camping seinen 5* in keiner Art und Weise gerecht: eines der Sanitärhäuser riecht unangenehm nach Fäkalien und Urin und von 3 Duschen funktioniert nur eine. Zum Glück gibt es ein weiteres Waschhaus, was aber auch nicht gerade geruchsfrei ist, aber deutlich besser als das Andere.
Von der Optik her ist die ganze Anlage ebenfalls nicht unbedingt eine Augenweide, wenig Grün und es ist nicht nur unser Platz krum und schief. Mobilheime dicht an dicht, es ist laut – kurz: absolut keine Empfehlung, das Preis-Leistungsverhältnis passt ganz und gar nicht zusammen! Da haben wir schon für viel weniger Geld VIEL besser gestanden. Warum dieser Platz trotzdem ausgebucht ist, erschließt sich uns nicht.
Auf Grund dieser Erfahrung habe ich dann gleich den nächsten Campingplatz angeschrieben und einen Platz reserviert. Der liegt zwar wieder etwas weiter im Landesinneren, aber man weiß ja nie…
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 56 km
Insgesamt geradelte Reise: 3355 km
Platten: 5
