Irgendwie werden wir seit einiger Zeit morgens um 7 Uhr automatisch wach, meistens kommt dann der Wecker nur noch proforma und wird mit einem knurrigem „mm mm“ ausgemacht und sich noch einmal demonstrativ umgedreht obwohl man sowieso nicht mehr schlafen kann.

Auch heute hat der Tau wieder für feuchte Verhältnisse am Außenzelt gesorgt, wieder die Hoffnung, dass es heute Nachmittag noch trocken wird. Die Wettervorhersage ist momentan so unbeständig (obwohl es bisher nicht wieder während der Fahrt geregnet hat), dass man nie mit Bestimmtheit sagen kann, ob es wirklich trocken ist und bleibt.

Wie schon erwähnt soll es heute zum „Naturist-Camping La Chênaie“ in die Nähe von Anneville bzw. Duclair gehen. Wir müssen dazu den Höhenzug zur Seine überwinden, aber derzeit ist der große Respekt bzw. die unbestimmte Angst vor der Kurbelei irgendwie in den Hintergrund getreten. Es ist schon durch die moderateren Temperaturen nicht mehr die Quälerei, wie z.B. am Mittelmeer oder in der Bretagne und die doch merklich verbesserte Kondition erledigt das Übrige. Uns erwarten heute ca. 42 km, also mal wieder eine etwas kürzere Etappe. Wenn es gut läuft sollten wir kurz nach Mittag endlich wieder unsere Klamotten ausziehen können und wir können noch einen großen Teil des Nachmittags genießen – so der Plan.

Brot brauchen wir uns heute nicht zu besorgen, wir haben gestern Abend noch hier am Platz bestellt, um halb Neun rollen wir vom Platz. Zunächst geht es wieder nach Pont Audemer, allerdings streifen wir diesmal glücklicherweise den Ort nur am Rand.

Anschließend führt der Track weiter bis „Corneville-sur-Risle“ über eine mittlere D, dort geht es an den Aufstieg – zum Glück wieder auf ganz kleinen Nebenstraßen – denn Der hier hat es schon in sich. Trotz der verbesserten Kondition müssen wir anfangs regelmäßig kurze Verschnaufpausen machen, so steil ist es in diesem Bereich.

Nach einiger Zeit wird es dann moderater, wir erreichen das Hochplateau, wobei es kein richtiges Plateau ist, etwas hügelig ist es auch hier, aber kein Vergleich zu vorhin.

Es geht durch kleine Orte wie „Colletot“, „Valletot“, „Étréville“, „Éturqueraye“, etwas Größere wie „Routot“ und „Hauville“, dann folgt ein Abschnitt auf einer winzigen Straße nur wenige hundert Meter von der Seine entfernt, jedoch ca. 120 Meter höher. Hier bieten einige Hausbesitzer Zimmer oder ganze Häuser zur Miete an, wunderschön zurechtgemacht, ein wirklich nette Gegend und die kleine Straße tut ihr übriges. Es ist quasi schon Erholung hier zu fahren.

Kurz bevor wir zur (mal wieder rasanten) Abfahrt kommen dann noch ein Aussichtspunkt, wo der Baumbestand ausgelichtet ist (wurde?), von dem man weite Teile des Seinetals überblicken kann, wie sie sich von einem Bergkamm zum Anderen und zurück windet.

Durch die momentan durch die Wolken scheinende Sonne sieht alles richtig toll aus und kommt super zu Geltung.

fbt

Das hätten wir nicht zu Gesicht bekommen, wenn wir uns über die Autobahnbrücke gewagt hätten.

Die letzten Kilometer überwinden wir dann in steiler Abfahrt bei hoher Geschwindigkeit und durch das sich anschließende leichte Gefälle bis Anneville geht es dann weiterhin ziemlich schnell voran und wir sind noch vor zwei Uhr am Campingplatz und stehen ähnlich wie in „Clos Marot“ vor einem großen, geschlossenen Tor. Allerdings warten wir diesmal nicht, sondern schlüpfen mit einem anderen Auto schon mal auf den Platz und fahren zur Anmeldung vor. Laut Aushang ist diese ab 14 Uhr besetzt, also noch 15 Minuten warten.

Weil es inzwischen gut warm ist, fliegen schon mal die Klamotten aus. Im Schatten großer Eichen warten wir und werden um kurz nach 14 Uhr freundlich von der Dame, die den Empfang des Vereinsgeländes macht, begrüßt. Da uns das Mobilheim, welches wir ab Montag für eine Woche gebucht haben, aktuell noch besetzt ist (es is ja auch erst Sonntag), dürfen wir unser Zelt auf einen „provisorischen“ Platz aufstellen, der aber noch deutlich ebener ist, als vieles, was wir zuletzt erlebt haben,

Wir sind begeistert von der Herzlichkeit und dem Gelände. Es ist definitiv unser Favorit was die kleineren Naturistenplätze betrifft, schön gelegen unter und eingerahmt (hauptsächlich) von Eichen, woher auch der Name des Geländes stammt: „La Chênaie“ = „Eichenwald“. Leider haben wir wieder einmal vergessen hier Bilder zu machen.

Es gibt einen kleinen Pool, der sich sehr schön in das Gesamtbild einfügt, ein großes Vereinsheim, wo sich auch Kühlmöglichkeiten für Getränke und Lebensmittel und eine kleine Bar befinden. Die Bar bietet kalte Getränke und Eis quasi zum Selbstkostenpreis an. Man hat die Möglichkeit das obligatorische Petanque zu spielen, Minigolf, Volleyball, Tischtennis und es gibt einen kleinen Bogenschießplatz. Petanquekugeln, Minigolf- und Tischtennisschläger kann man kostenlos am Empfang ausleihen – wir sind schlichtweg begeistert.

Ein kleiner (wirklich nur kleiner) Wermutstropfen sind die sanitären Anlagen, sie sind sauber aber wirklich in die Jahre gekommen. Ein Schild deutet aber darauf hin, dass sich das Ganze gerade in Renovierung befindet, es wird also sicher schöner werden.

8 Tage werden wir hier nun wieder die Seele baumeln lassen, bevor es dann zum letzten großen Abschnitt – unserem Finale – kommt. Bis nach „Fleevo Natuur“ sind es von hier aus noch etwa 650 km, dort wird unser großes Abenteuer enden (*etwaswehmütigseufzend*).

Dazu mehr in den kommenden knapp 3 Wochen…

Etwas Statistik

Zurückgelegte Tagesetappe: 42 km

Insgesamt geradelte Reise: 3455 km

Platten: 5

Anneville – La Chênaie (21.08.2022)

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