Weil es uns so gut gefallen hat und wir das Mobilheim noch zwei Tage länger mieten konnten sind aus den ursprünglich geplanten 8 Tagen insgesamt 10 Tage geworden. Die Entscheidung ist uns leicht gefallen, vor allem, weil wir hier noch gutes Wetter mit Temperaturen jeden Tag über 20 Grad, an den meisten sogar über 25 Grad hatten. Wer weiß schon wie es in etwa 2 Wochen in „Flevo Natuur“ aussieht – schließlich geht es jetzt langsam aber sicher stramm in nördlichere Gefilde, wettertechnisch sehr schlecht abzuschätzen.
Aber heute müssen wir dann wirklich aufbrechen, es geht heute zurück an die Atlantikküste an den „Ärmelkanal“ in Richtung „Dieppe“ bzw. einem kleinen Ort Namens „Offranville“, der etwa 10 km südwestlich davor liegt. Die Tagesetappe von etwa 60 km wird heute etwas anstrengender, weil wir doch einige Höhenmeter vor uns haben und eine Bahntrasse ist nicht in Sicht. Wohl oder übel müssen wir uns auf „normalen“ Straßen fortbewegen.
Weil wir noch frühstücken, packen und im Mobilheim sauber machen müssen, sind wir um 7:30 Uhr wach, um 9:30 Uhr soll die Abnahme stattfinden. Diese ist dann so unproblematisch und freundlich wie wir überhaupt alles hier erlebt haben. Wir werden das Gelände des Naturisten-Vereins garantiert noch einmal besuchen.
Nun geht es in Richtung „Anneville“ bzw. „Berville“ zur Fähre um die Nordseite der Seine zu erreichen. Die knapp 5 km liegen schnell hinter uns, um kurz nach 10 Uhr sind wir in „Berville“, wo wir dann leider feststellen müssen, dass der Fährverkehr in der Zeit von 9 Uhr bis 12 Uhr für Wartungsarbeiten ruht. Klasse, damit verlieren wir uns jetzt über 2 Stunden, es wird später heute Abend…
Um ca. 12:20 Uhr setzen wir dann endlich nach „Duclair“ über

und wir können unsere Fahrt fortsetzen, schon kurz hinter dem Ort geht es dann leicht aufwärts, die leichte Steigung setzt sich über „Villers-Exalles“ bis nach „Barentin“ fort, dort geht es dann deutlich stärker hoch, erst ab „Pavilly“ wird es dann wieder moderater und es soll laut Höhenprofil des Tracks fast bis zum Ziel immer wieder rauf und runter gehen. Aber irgendwie ist bei mir heute der Wurm drin, es kommt mir vor, dass sich alles wie Gummi zieht. Obwohl wir dann hinter „Goupihères“ den höchsten Punkt erreicht haben und es tendenziell wieder mehr abwärts als hoch geht, fühlt es sich an, als ob wir gar nicht vorwärts kommen. Wiedereinmal das „Ruhetage-Koma“?

Hinter „Butot“ fahren wir dann auf einer kleinen D nahezu exakt nach Norden durch „Varneville-Bretteville“, „Tôtes“ und „Biville-la-Baigarde“. Zwischenzeitlich frisch dann auch noch der Wind auf, der erschwerend hinzu kommt, weil er aus nördlicher bis nordöstlicher Richtung kommt. Zusammen mit dem teilweise sehr rauem Asphalt kommt es einem dann trotz leichten Gefälles wie permanentes bergauffahren vor. Und dann noch die eintönige Strecke ohne irgendwelche „Augenweiden“. Hier im „Hochland“ herrscht Landwirtschaft mit großen Kornfeldern vor, die größtenteils auch schon abgeerntet und somit nur noch „Stoppelfelder“ sind. Alles sieht vertrocknet aus, es gibt relativ wenige Bäume.

Ich – Marion steckt das heute irgendwie besser weg – quäle mich die letzten Kilometer durch die Orte „Auppegard“, „Colmesnil-Manneville“ nach „Offranville“ zum Camping municipale „du Colombier“, den wir dann zu allen Überfluss auch noch von der falschen Seite anfahren. Zum Glück führt seitlich davon ein einigermaßen befahrbarer Fußweg um den Platz herum, so dass wir nur wenige Minuten später an der richtigen Seite vor der Anmeldung stehen, die Tür ist verschlossen.
Noch als ich die Aushänge studiere, demnach ist eigentlich bis 19 Uhr geöffnet, kommt ein Mann auf seinem Fahrrad angefahren und es stellt sich heraus, dass er der Betreiber ist und unsere Anmeldung vornimmt. Wir bekommen einen Platz und radeln weiter bis zum eigentlichen Campingplatz, der noch etwa 100 m weiter liegt. Der Platz ist gepflegt und macht einen guten Eindruck. Nach der Begutachtung des Stellplatzes gehen wir gleich duschen um unsere Handtücher noch trocken zu bekommen – es ist schließlich schon fast 18 Uhr.
Zum Glück haben wir heute unser Abendessen schon dabei und in Arbeitsteilung – ich richte das Schlafzimmer her und Marion das Essen – sind wir dann ziemlich schnell mit beidem fertig. Apropos „fertig“: wir sind letztlich beide irgendwie „fix und foxy“, so dass wir uns nach dem Essen recht schnell ins Zelt verkriechen und uns lang machen.
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 61 km
Insgesamt geradelte Reise: 3516 km
Platten: 5
