Um kurz vor sieben werde ich wach und ich checke als erstes das Regenradar, weil eigentlich heute morgen Regen vorhergesagt war. Im Moment ist es trocken, aber laut Radar soll es (wieder einmal) innerhalb der nächsten Stunde Regen geben. Also zügig raus, das Zelt abtrocknen, während Marion innen wieder alles einräumt.

Und so schaffen wir es wieder vor den ersten Tropfen alles trocken zu verstauen. Es fängt erst an leicht zu regnen, als wir noch auf den Bäcker warten, der um 8:30 Uhr auf den Platz fahren soll und hört dann auch recht schnell wieder auf, so dass wir tatsächlich wieder ohne Regenklamotten losfahren können.

Es geht heute über eine geplante Strecke von 55 km nach „Le Crotoy“, wie schon erwähnt mit noch einem kräftigen Anstieg am Anfang. Unser Track folgt heute wieder in weiten Teilen auf der Strecke des Eurovelo 4. Zu Beginn müssen wir noch knapp 2 km zur Radroute fahren, die etwas weiter nördlich vom Campingplatz verläuft.

An einer laut Track eigentlich geplanten Unterführung unter den Bahnanlagen müssen wir dann leider passen, weil es dort wiedereinmal dank Pollern für uns unmöglich ist, diese zu passieren. Also ohne unseren Track um den Bahnhof rum (Kopfbahnhof) in Richtung „Mers-le-Bains“, wo auch der EV4 verläuft. „Mers-le-Bains“ ist dann mal richtig schön, viele schöne, bunte, alte Häuser direkt am Meer, dahinter die weißen Felsen der Steilküste – wieder ein malerisches Bild – und das hätten wir nicht zu sehen bekommen, wenn wir durch die Poller gepasst hätte, sollte wohl so sein.

Etwas weiter müssen wir dann wieder „klettern“, anfangs nahezu 10% Steigung, dann etwas moderater ansteigend bis kurz vor „Saint-Quentin-Lamotte-Crois-au-Bailly“ (was für ein Ortsname), wo wir dann feststellen, dass hier offensichtlich der Eurovelo 4 neu geführt wird. Wir stehen hier vor der Wahl, die neue Strecke zu nehmen, die allerdings teilweise groben Schotter enthält, oder den restlichen Teil der Steigung und dann „über die Dörfer“ zu müssen. Wir entscheiden uns für die neue Streckenführung und werden (ausnahmsweise) mal nicht enttäuscht: es gibt keine zusätzlichen Höhenmeter, die Oberfläche wird nach wenigen hundert Metern auch wieder besser (Asphalt!) und man spart sich zudem einige Streckenkilometer.

Bei Hautebut treffen wir dann wieder auf unseren (geplanten) Track um ihn direkt wieder zu verlassen: der weitere Verlauf verspricht schon durch ein Schild „Piste“ und den Blick auf die Streckenführung auf einen nicht gut rollenden Abschnitt und wir entscheiden uns einige Kilometer die größere D über „Brutelles“, „Lanchères“ und „Sallenelle“ in Kauf zu nehmen. Letztlich haben uns diese beiden Änderungen des Tracks insgesamt 11 Kilometer Weg erspart.

Hinter „Sallenelles“ fahren wir dann wieder auf die Route des EV4 und unseren Track auf, es geht an „Saint-Valery-sur-Somme“ vorbei um eine größere Bucht nach „Le Crotoy“. Die Strecke lässt sich recht gut fahren, auch wenn parallel dazu permanent eine recht vielbefahrene Straße verläuft und wir kommen schon um 13:30 Uhr an der angepeilten Adresse des geplanten Campingplatzes an – nur existiert der mittlerweile gar nicht mehr. Auf der Fläche wir groß gebaut, es entstehen offensichtlich Wohnungen. Nur ein Schild deutet noch darauf hin, dass hier tatsächlich der Campingplatz gewesen ist.

Nun gibt es hier zum Glück mehrere Campingplätze, einer gleich um die Ecke, bei dem allerdings offensichtlich die Saison bereits zu Ende ist, das Tor ist verschlossen. Also zum nächsten, etwa 1,5 km zurück ins Zentrum. Auch hier steht bereits am Tor „Complete“, das kann doch nicht wahr sein. Wir fragen trotzdem und bekommen das Angebot im Innenhof des Besitzers unser Zelt aufzuschlagen. Dort steht zudem ein Pavillon mit Tisch und Stühlen, was wir auch nutzen dürfen und er bietet uns gleichzeitig Schutz – denn es hat zwischenzeitlich angefangen zu regnen. Alles lief so freundlich und nett ab, das wir trotz des recht hohen Preises (25€!) für einen „nicht offiziellen Stellplatz“ sehr zufrieden sind.

Und so warten wir hier unter dem Dach des Pavillons ab,

den ich zunächst einmal provisorisch repariere. Eine der Streben ist schon bei unserer Ankunft (wahrscheinlich mal durch einen Wassersack?) geknickt und mit einfachem Klebeband geflickt. Das hat natürlich nicht gehalten, schon während des Regen knickte die Stange an der Klebestelle immer weiter zusammmen.

Darum habe ich mir von einem Bambus, der hier im Innenhof wächst, einen alten Trieb genommen und damit unter Zuhilfenahme von mehreren Kabelbindern die Strebe wie bei einem Beinbruch geschient. Das hat uns beim Regen möglicherweise gerettet, sonst wäre der Pavillon vielleicht endgültig zusammengebrochen. Aber durch die Aktion bleibt die komplette Fläche trocken.

Nach einiger Zeit lässt der Regen nach und wir können unser Zelt aufbauen.

Während wir noch beim Aufbauen sind taucht eine weitere Radreisende auf, die ebenfalls in den Innenhof kommt um aufzubauen. Später taucht dann noch ein Weiterer auf, es scheint ja doch Bedarf zu geben, wir verstehen nicht, warum die anderen Plätze nicht mehr existieren bzw. nicht mehr geöffnet haben…

Etwas Statistik

Zurückgelegte Tagesetappe: 44 km

Insgesamt geradelte Reise: 3706 km

Platten: 5

Le Crotoy (02.09.2022)

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