Der Tag heute verspricht mal wieder schön zu werden, morgens geht die Sonne auf und wir sind quasi gleichzeitig damit wach. Aber Sonnenaufgang ist mit inzwischen kurz nach 7 Uhr auch nicht mehr ganz so früh – auch dadurch merkt man, dass das Jahr voranschreitet, wir sind schließlich schon im September, dem letzten Monat unseres Abenteuers.
Wir machen uns fertig für die heutige Etappe, es geht weiter nach „Wissant“, wieder direkt an der Küste. Leider lässt es sich nicht vermeiden, dass wir auf der Strecke erneut einige Höhenmeter zu bewältigen haben. Die letzten beiden Tage waren geradezu erholsam, auch wenn die ersten Anfänge der Hügelei gestern schon zu sehen waren.
Der EV4 verläuft hier in der Gegend weiterhin über weite Teile parallel zu einer größeren D, nicht gerade ein erholsames Fahren, auch wenn es für Radfahrer fast immer einen abgetrennten Weg gibt.

Aber der Krach der Autos geht auf Dauer schon auf die Nerven, wir wünschen uns die ruhigen Wege an Kanälen und auf Bahnstrecken zurück…
Auf dem Weg zum nächsten Ort „Neufchâtel-Hardelot“ merkt man schon deutlicher, das es jetzt hügeliger wird. Im Ort kaufen wir unsere Tageskalorien beim Bäcker ein und dann geht es weiter Richtung „Hesdigneul-lès-Boulogne“, wo dann die Steigungen beginnen. Der EV4 nimmt in diesem Bereich eine andere Strecke, die aber vom Höhenprofil noch mehr rauf und runter bedeutet hätte (insg. >100 hm mehr). Mehr oder weniger neben dem Fluss La Liane her fahren wir dann auf „Outreau“ und „Boulogne-sur-mer“ zu, wo der EV4 bis „Wimereux“ wieder unseren Weg kreuzt.

Es wird wieder ländlicher, wir durchfahren im ständigen leichten auf und ab Dörfer wie „Beuvrequen“, „Marquise“ (ob dort wohl die Markise erfunden wurde? 😉 ), und „Noirbernes“.

Unterwegs machen wir mal wieder ein Mittagspicknick und landen schließlich in „Wissant“, wo wir den Camping municipale „De La Source“ anfahren.
Wir müssen bei der Hausmeisterin klingeln und uns anmelden. Das klappt soweit problemlos, sie ist supernett und erklärt uns, was wo auf dem Platz ist und in welchem Bereich wir uns einen Stellplatz suchen dürfen.
Das ist dann so, wie der Platz selbst: ein großes, chaotisches Durcheinander. Viele Wohnwagen stehen mit der „Rückseite“ direkt am Wegrand um den hinteren Teil zur Privatsphäre zu bekommen, Zäune, Wege kreuz und quer, teilweise ist nicht zu erkennen, ob es jetzt ein Platz oder doch ein Teil eines Weges ist. Wir finden einen Platz, der uns einigermaßen gefällt und richten uns ein. Es ist recht warm geworden, zum Glück bietet ein größerer Baum etwas Schatten, der langsam über unsere Fläche wandert.
Direkt gegenüber haben wir ein Sanitärgebäude, dass aber nur Waschbecken und Toiletten bietet. Die Duschen sind in einem Provisorium untergebracht: ein Container, der entsprechend umgebaut wurde. Laut Marion supereng und mit Duschvorhängen versehen, die aber über die Duschtasse hinaus gehen und damit den „Vorraum“ komplett unter Wasser setzen, wo es aber nicht abfließen kann, weil kein Abfluss vorhanden ist. Trocken umziehen ist nicht, nackt draußen natürlich auch nicht – nicht der einzige Vorteil bei Naturistenplätzen, wo man dieses ganze Gehampel gar nicht hat.
Also gehe ich zu den Duschen im nächsten Waschhaus. Diese sind dann etwas besser, hier muss man zwar an einer Kette ziehen, damit das Wasser für einige Sekunden läuft. Am besten man zieht die ganze Zeit, damit man auch rundum nass wird, aber es ist jedenfalls geräumiger und man steht nach dem Duschen nicht im Wasser.
Wie auf diesem Platz überhaupt Menschen ihren Urlaub verbringen wollen und dann auch noch offensichtlich mehrere Jahre nacheinander, wie wir im Gespräch mit anderen Gästen erfahren, können wir absolut nicht verstehen. Da rettet dann auch der einigermaßen günstige Preis (Mittelfeld), nicht unsere Bewertung. Wir würden hier kein zweites Mal herfahren.
Was allerdings tatsächlich richtig gut ist, ist die „Fritterie“ vor dem Campingplatz: recht gutes Essen zum günstigen Preis. Wir haben für uns beide 22€ inkl. Getränken bezahlt und sind wirklich „pappsatt“ geworden.
Nach dem Essen sind wir noch „runtergegangen“ an den Strand, hier ist runter wortwörtlich zu nehmen – der CP liegt ca. 50 m oberhalb des Meeresspiegels. Somit muss man quasi „Serpentinen“ im Sand nach unten gehen. Wir sind dann ein Stück am Meer in Richtung Wissant gelaufen bevor es zurück zum Platz ging.

Morgen haben wir dann noch einige Kilometer mit Steigungen zu tun, bevor es dann bei Calais wieder „platter“ wird.
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 49 km
Insgesamt geradelte Reise: 3755 km
Platten: 5
