Heute Nacht hat es schon wieder heftig geregnet, dass Zelt ist patschenass und bestärkt uns darin, dass die gestrige Entscheidung die einzig Richtige für uns ist. Es ist inzwischen seit fast einer Woche kein Tag vergangen, wo das Zelt nicht Außen trocken gewischt werden musste, wir darum bangen müssen und ob wir es abends wieder trocken bekommen und die langsam einsetzende Erschöpfung mangels Pause tut ihr übriges, ein Stückchen Wehmut, dass das Ende nun so nah ist, spielt natürlich auch mit.
Heute solle es in die Nähe von Utrecht gehen, ein kleiner Campingplatz etwas nördlich von „Houten“ mit einer Tagesstrecke von etwa 65 km und zum Glück ist für heute kein Regen angekündigt.
In „Ridderkerk“ machen wir dann auch noch Extrakilometer, als wir dort unseren Tagesproviant einkaufen wollen, unter anderem, weil wir den direkten Weg auf Grund von Einbahnstraßen nicht fahren dürfen. Dann geht es wieder zurück auf den Track. Nachfolgend ist die Besiedlung aber sehr dünn, so dass wir hier den Umweg in Kauf nehmen mussten.

Der weitere Weg ist heute ziemlich lang und weilig, es geht viel an größeren Straßen mit entsprechendem Lärm entlang und durch wenige Orte. Landschaftlich ist es hier ziemlich eintönig, viel Land, wenig Schaft ääh Bäume usw.. Kaum eine gute Gelegenheit mal in Ruhe Pause zu machen, selten interessante Fotomotive.

Wir durchfahren kleine Orte wie „Noordeloos“, „Meerkerk“ und „Lexmond“. Noordeloos ist sogar richtig hübsch, direkt am Kanal (?) gelegen, über den immer wieder „im hohen Bogen“ interessante Brücken geführt werden.

Bei Vianen zeigt NL dann mal, wie man den Radverkehr auch vernünftig zusammen mit einer Autobahn über einen Fluss (in diesem Fall die/den Lek) führt – mit einer eigenen, vollständig von der Autobahn getrennten Spur. Besser als die in Frankreich z.B. beim „Pont du Nord“.
An dieser Stelle muß ich aber noch ein paar allgemeine Gedanken zur viel gelobten „Radverkehrpolitik“ in NL einwerfen. Aus meiner Sicht ist hier auch bei weitem nicht alles Gold was glänzt. Ja, außerorts ist man als Radfahrer oftmals einigermaßen gut aufgehoben, wird aber auch an vielen Stellen deutlich hinter den Autoverkehr gestellt und dürfte viele Straßen gar nicht nutzen, weil entsprechende Verbotsschilder aufgebaut wurden. Man muss fast überall um grün an Ampeln betteln, hat an unglaublich vielen Stellen Vorfahrt zu achten, zum Teil sogar an Zufahrten zu Feldern!, bekommt innerorts oftmals (sehr) schlecht gepflegte gepflasterte oder mit Betonplatten gelegte Wege präsentiert (während nebenan die Autos auf glattem Asphalt fahren), muss oft Umwege fahren, die aber keine zusätzliche Sicherheit bedeuten und und und…
Man wird also letztlich an den Rand gedrängt, muss sich dem Autoverkehr völlig unterordnen. Und das merkt man den niederländischen Autofahrern genau wie in Deutschland auch an: während in Frankreich oftmals angehalten wird, wenn man an einer Kreuzung wartet, kann man sich hier nur darauf verlassen, dass man auf eine Lücke warten muss – anhalten/vorlassen ist überhaupt nicht üblich – der Autofahrer hat immer Vorfahrt und benimmt sich auch so. Ob das der Sicherheit wirklich zu Gute kommt, wage ich gelinde gesagt zu bezweifeln.
Was „Platz für den Radverkehr“ betrifft, tut sich hier vor allen in großen Städten zwar mehr als in D (auch wenn vor allen in einigen „Vorbildstädten“, die immer wieder genannt werden), aber auch dort wird man oftmals „zur eigenen Sicherheit“ ausgebremst.
Man ist halt letztlich (wie in Deutschland) auch hier doch nur geduldet und Verkehr zweiter Klasse (maximal). Als leuchtendes Beispiel möchte ich die Radverkehrspolitik der Niederlande nicht bezeichnen, da müsste sich auch hier noch einiges ändern. In Frankreich hat das Radfahren dagegen richtig Spaß gemacht und es war trotz kaum vorhandener „begleitender Radwege“ meistens sicherer und komfortabler (Ausnahmen wie Adge bestätigen die Regel).
Doch zurück zum Thema…
Kurz vor unserem eigentlichen Ziel dann aber doch noch ein positives Beispiel: In bzw. durch „Houten“ werden wir dann wirklich charmant durch den gesamten Ort geführt, ohne das wir ständig anhalten/Vorfahrt achten müssen. Eine der gerade aufgeführten „Leuchttürme“ – es geht also auch anders!
Hinter „Houten“ kommen wir dann nach kurzer Fahrtstrecke zum „Camping Vliert“, wo wir heute übernachten wollen. Leider müssen wir erfahren, dass der Platz vollständig belegt ist. Damit haben wir nun überhaupt nicht mehr gerechnet, zumal wir inzwischen schon auf Mitte September zugehen. Aber es hilft nichts, wir müssen weiter. Zum Glück ist nach wenigen Kilometern ein weiterer, großer Campingplatz – „De Boomgard“ – wo wir dann auch problemlos einen Platz bekommen. Damit haben wir heute dann letztlich fast 74 Kilometer auf der Uhr.
Nachdem wir das Zelt aufgebaut haben, müssen wir dann noch die letzten Punkte bezüglich unserer Abholung klären. Mittlerweile ist klar, dass uns Danica, unsere Tochter, abholen wird. Ich plane den letzten Abschnitt unserer Reise, da wir uns irgendwo (zeitlich) in der Mitte treffen wollen, planen wir für morgen noch bis „Nijkerk“ zu fahren, etwa 40 km von hier.
So richtig glauben können wir es noch nicht, dass wir morgen Abend in unseren eigenen Betten schlafen werden.
Etwas Statistik
Zurückgelegte Tagesetappe: 74 km
Insgesamt geradelte Reise: 4150 km
Platten: 5
